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Der lange Weg zum Mäusenest

ZEWEN. (cofi) Inge Wanken macht mit ihrer offenen Art, den langen, blonden Haaren und ihrem herzlichen Lachen einen sympathischen Eindruck. Kinder liegen ihr am Herzen, und so hat die aus Berlin stammende Mutter eines Sohnes in Zewen seit Oktober 2004 eine ganz besondere Aktivität entwickelt.

Inge Wanken lebt seit 15 Jahren in Trier. Mit ihrem Mann, der in Luxemburg arbeitet, hat sich die gelernte Bankkaufrau 1992 ihr eigenes Heim in Zewen aufgebaut. Als ihr Sohn Daniel 1995 zur Welt kam, gab sie ihren Beruf auf. Aktiv wollte die Mutter dennoch sein und ihrem Sohn ein stabiles, aber vielfältiges soziales Umfeld bieten. So betreute sie zusätzlich Kinder als Tagesmutter. In Zewen fühlt sich die 43-Jährige wohl, hat sie doch in der Pfarrei, im Elternausschuss des Kindergartens und als Schulelternsprecherin viele Kontakte geknüpft. "Ich habe bei der Umgestaltung des Außengeländes vom Kindergarten mitgearbeitet. Das war ein tolles Projekt, und ich bin viel mit den Erziehern und den Kindern zusammen gewesen", erinnert sie sich. Für die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) wurde Wanken tätig, leitete Mutter-Kind-Kurse, übernahm weiter als Tagesmutter die Betreuung von Kindern. Im Zewener Kindergarten und im Montessori Kinderhäuschen in Euren arbeitete sie als Aushilfe. Sie absolvierte außerdem eine Ausbildung, bei der sie 2003 das Montessori-Diplom ablegte. "Das war zwar teuer, aber es hat mir richtig viel gebracht", erzählt Inge Wanken. Der Lehrgang ist eigentlich eine Zusatzausbildung für Erzieher. Im Fernstudium will sich Wanken aber - um den ersten Schritt nachzuholen - ab dem kommenden Jahr bei der KEB zur Erzieherin ausbilden lassen. "Die Arbeit mit Kindern gibt mir unheimlich viel", erklärt sie. Dass Kinder von einigen Menschen als unliebsame Lärmverursacher gesehen werden, kann sie nicht verstehen. "Ich hatte das große Glück, mit meinem Sohn zu Hause bleiben zu können. Viele Mütter haben das nicht, sind gezwungen, arbeiten zu gehen und die Kinder früh abzugeben." Da sei die Idee gereift, ein Angebot zu schaffen, wo "Kinder in familienähnlichen Situationen betreut werden". Viele Monate arbeitete Inge Wanken an dieser Idee, fand Mitstreiter, wie die staatlich anerkannte Erzieherin Heide Schmitt. Nachbarn, Freunde und ihre Familie unterstützen sie. Ämter und Behörden klapperte sie ab, fand Unterstützer, führte Gespräche mit Kindergärten, Vereinen, der Pfarrei, den Nachbarn, räumte Steine aus dem Weg. Nachdem sie die Baugenehmigung erhielt, bauten sie und ihr Team eine Wohnung im Haus "In der Schardt" kindgerecht um. Am 6. Mai gründete Inge Wanken mit ihren Mitstreitern endlich einen eigenen Verein. Die Krabbelstube "Mäusenest" ist nach monatelangen Bemühungen unter Dach und Fach. 20 000 Euro investierte Wanken. Ab Juni sollen die ersten Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren ihr Mäusenest beziehen können. Nun bemüht sich die 43-Jährige um die Aufnahme in den Tagesstättenbedarfsplan der Stadt und will die Gemeinnützigkeit für den Verein beantragen. "So, wie ich früher gearbeitet habe, das könnte ich heute nicht mehr. Ich wäre sehr unglücklich in meinem Beruf", sagt Inge Wanken. "Aber wenn ich Kinder aufwachsen sehen kann, das freut mich und gibt mir viel zurück." Interessierte können sich bei Inge Wanken über die Krabbelstube "Mäusenest" e.V. informieren unter Telefon 0651/800412.