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Stadtwerke Trier: „Einen Starkregen wie vor vier Wochen bewältigt kein Kanalnetz“

Mit der Kamerasonde des Spezialfahrzeugs werden die Abwasserkanäle in Trier kontinuierlich untersucht.  Lothar Lambert von den Stadtwerken Trier hat die Unterwelt der Stadt fest im Blick.
Mit der Kamerasonde des Spezialfahrzeugs werden die Abwasserkanäle in Trier kontinuierlich untersucht.  Lothar Lambert von den Stadtwerken Trier hat die Unterwelt der Stadt fest im Blick. FOTO: Stadtwerke Trier
Trier. Die Stadtwerke Trier investieren in jedem Jahr mehr als zehn Millionen Euro in ihre teilweise mehr als 100 Jahre alten Abwasser- und Trinkwassernetze. Das ist eine Mammutaufgabe. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Als vor einem Monat im Westen und Norden von Trier ein Starkregen ungekannten Ausmaßes niederging, hatte Arndt Müller, Technischer Vorstand der Stadtwerke Trier (SWT), gerade in der Kläranlage zu tun. „So einen Regen wie am 6. September habe ich noch nicht erlebt“, sagt er in Erinnerung an das, was er damals beobachtet hat. „Da hat sich das Wasser auf der geneigten Abdeckung eines Klärbeckens gestaut, was eigentlich gar nicht möglich ist.“ 43 Liter Wasser stürzten damals innerhalb von 40 Minuten auf jeden Quadratmeter in Trier-Nord und Trier-West. Viele Keller liefen voll. Normale Straßen verwandelten sich binnen Minuten in Bäche und Seen (der TV berichtete).

„Einen Starkregen wie diesen kann kein Kanalnetz der Welt bewältigen“, ist sich Müller sicher. Kanaldurchmesser von 2,5 Metern wären dafür notwendig. „Aber selbst das hätte nicht geholfen, weil die Zuleitungen die Wassermenge nicht bewältigen können.“ Vorwürfe, zum Beispiel von geschädigten Anwohnern aus dem Maarviertel, die Stadtwerke kümmerten sich nicht um eine ausreichende Dimensionierung des fast 500 Kilometer langen Kanalnetzes, weist Müller zurück. Es habe intensive Gespräche mit den Betroffenen gegeben, in denen das ausgeräumt worden sei. Doch wie ist das Kanalnetz Trier tatsächlich aufgestellt? Das wollte der Trierische Volksfreund im Gespräch mit den Verantwortlichen wissen.

Täglich sind die SWT-Kanalreinigungsfahrzeuge im Einsatz. Hermann Eisele (links) und Jörg Müller gehören zu dem eingespielten Team.
Täglich sind die SWT-Kanalreinigungsfahrzeuge im Einsatz. Hermann Eisele (links) und Jörg Müller gehören zu dem eingespielten Team. FOTO: Stadtwerke Trier

Kanalnetz Wenn Arndt Müller über die Trierer Unterwelt aus Rohren und Leitungen spricht, schwingt Stolz in seiner Stimme mit: „Wir haben 2005 das Kanalnetz übernommen und seitdem kontinuierlich investiert. In jedem Jahr sanieren wir bis zu 20 Kilometer.“ Davon merke dank moderner Auskleidungstechnik, die einen Straßenaufbruch überflüssig mache, in der Regel kaum jemand etwas. „Mit unserem eigenen Kamerafahrzeug haben wir bereits 340 Kilometer Rohre untersucht. Natürlich müssen wir längst nicht alles sanieren oder erneuern.“

Eine Entwurfskizze von 1896 zeigt Aufbau und Kanalprofil, wie es zum Beispiel im Maarviertel noch in Funktion ist.
Eine Entwurfskizze von 1896 zeigt Aufbau und Kanalprofil, wie es zum Beispiel im Maarviertel noch in Funktion ist. FOTO: Stadtwerke Trier

Zum Beweis zeigt er den Film von der letzten Kamerabefahrung des Kanals unter dem Maarviertel. Dieses aus einer doppelten Ziegelreihe gemauerte eiförmige Bauwerk – 135 Zentimeter hoch und 90 Zentimeter breit – stammt aus der Zeit der ersten Kanalisierung Triers um das Jahr 1900. „Das ist top in Schuss“, sagt auch Bauingenieur Karsten Binder. Er ist bei den Stadtwerken der Spezialist für die Rohrnetzberechnungen bei Abwasser und Trinkwasser, der gemeinsam mit Ingenieuren aus anderen Sparten dafür sorgt, dass in jedem Jahr fünf Millionen Euro möglichst effektiv in das Kanalnetz investiert werden.

Arndt Müller betont solche Zahlen gern: „Wir haben in den vergangenen zehn Jahren 50 Millionen Euro in das Kanalnetz und 35 Millionen Euro in die Anlagen investiert, in dieser Zeit aber nicht die Gebühren erhöht. Möglich ist das nur durch strategisches und geschicktes Vorgehen.“ Als ein Beispiel nennt er die modernisierte Kläranlage, die sich mit Energie selbst versorgt. „Die 300 000 Euro, die wir in jedem Jahr dadurch sparen, können wir an anderer Stelle investieren.“ Angesichts der kalkulierten 25 Millionen Euro für Kanalsanierungen in den kommenden fünf Jahren können solche Einspareffekte gar nicht groß genug sein.

FOTO: Stadtwerke Trier

Trinkwasser Wesentlich „jünger“ als viele Abwasserleitungen ist ein großer Teil des Trinkwassernetzes. Verantwortlich für diesen SWT-Bereich ist Helfried Welsch. „Wir haben zwar auch noch Leitungen aus dem Jahr 1903“, sagt der. „Aber Bleirohre gibt es in Trier höchstens noch in sehr alten Hausanschlüssen.“ Vier bis zehn Kilometer des insgesamt 460 Kilometer langen Netzes werden nach seinen Angaben in jedem Jahr saniert. „Wir sind da schon sehr weit.“ Etwa 2,3 Millionen seien bislang jährlich investiert worden. In Zukunft sollen es 700 000 Euro mehr sein.

FOTO: Stadtwerke Trier

Dass es dabei nicht immer so störungsfrei zugehen kann wie beim Kanalnetz, liegt an dem Druck, unter dem dann nicht nur die Arbeiter stehen. Denn wenn große alte Druckgussrohre brechen, ist schnell die Straße unterspült. Damit es möglichst nicht dazu kommt, gibt es eine mit der Stadtverwaltung abgestimmte Planung, wann eine Baustelle eingerichtet werden kann. So soll vermieden werden, dass innerhalb kurzer Zeit eine Straße mehrfach aufgerissen wird.

Wer häufiger von den Kaiserthermen in Richtung Olewig unterwegs ist und dort die regelmäßigen Noteinsätze nach Wasserrohrbrüchen beobachtet, wird nicht überrascht sein, wo den Autofahrern im kommenden oder übernächsten Jahr Ungemach droht: „In der Olewiger Straße liegt ein altes 15-Zentimeter-Gussrohr. Das steht zur Erneuerung an.“

FOTO: Stadtwerke Trier
FOTO: Stadtwerke Trier
FOTO: Stadtwerke Trier