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Der TV-Test: Wie gut funktioniert die Trierer KFZ-Zulassungsstelle?

Warten mit Kennzeichen und Nummernzettel: Unser Foto zeigt nicht den TV-Redakteur, sondern einen Besucher des Amts in Trier. TV-Foto: Friedemann Vetter
Warten mit Kennzeichen und Nummernzettel: Unser Foto zeigt nicht den TV-Redakteur, sondern einen Besucher des Amts in Trier. TV-Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter (ClickMe)
Trier. Neue Räume, neue Strukturen, Online-Termine - die Stadt Trier und der Kreis Trier-Saarburg haben die KFZ-Zulassungsstelle grundlegend verändert. Geht es seitdem schneller? Der TV macht den Selbstversuch. Jörg Pistorius

Behördengänge stehen generell sehr weit unten auf der Beliebtheitsskala zu erledigender Pflichten, doch das KFZ-Amt in der Trierer Thyrsusstraße im Norden der Stadt hat wegen stundenlanger Wartezeiten seit vielen Jahren einen Stammplatz am unteren Ende dieser Skala. Doch das soll anders werden, hieß es zum Jahresende.

Neue Räume, neue Abläufe, mehr Mitarbeiter, Terminvergabe per Internet und Telefon: Die Stadt Trier und der Kreis Trier-Saarburg präsentierten die KFZ-Zulassung 2.0. Das klare Ziel: schnellere Abläufe, kürzere Wartezeiten.

Der TV probiert es aus. Nicht im Rahmen eines offiziellen Pressetermins, sondern ganz normal als Bürger der Stadt Trier. Das Ziel ist das Ummelden eines bisher ganzjährig genutzten Autos auf ein Saisonkennzeichen von April bis September. Kein von der Presse zu Testzwecken konstruierter Fall, sondern wirklich notwendig.

Möglicherweise ist dieser Test schnell vorbei, denn die Online-Anmeldung soll die Wartezeiten quasi komplett beseitigen. Diese Terminvergabe läuft über die Homepage der Stadt Trier unter www.trier.de .

Das System bittet darum, schon mal die erwünschte Dienstleistung anzugeben. Neuzulassung, Wiederzulassung, Außerbetriebsetzung, Umschreibung, Änderung der Halterdaten. Nur von Saisonkennzeichen ist nirgendwo die Rede. Es gibt lediglich den Punkt Kurzzeitkennzeichen. Vielleicht klappt es damit. Nach einem Mausklick erscheint ein Terminkalender, der noch freie Termine präsentiert. Einen ausgesucht, fertig. Eine Mail bestätigt den Termin. Wunderbar, Wartezeit adé.

Natürlich kommt alles ganz anders.

Es beginnt mit einem Anruf beim Bürgeramt der Stadt Trier, der klären soll, ob bei der Online-Terminvergabe alles korrekt gelaufen ist. Nein, ist es nicht. "Ein Kurzzeitkennzeichen ist kein Saisonkennzeichen", sagt eine freundliche Dame unter der Bürgeramtsnummer 7180 und hat damit natürlich völlig recht. Kurzzeitkennzeichen dienen nur der Überführung eines Fahrzeugs, mit einer Saisonanmeldung haben sie nichts zu tun. "Ihr online vereinbarter Termin ist damit hinfällig und wird gelöscht."

Naja, es war schließlich einen Versuch wert. Gibt es einen neuen Termin? "Nein, denn Ihre erwünschte Dienstleistung ist nicht im Online-System integriert." Mit anderen Worten: Kommen Sie vorbei, wann immer Sie wollen. Und warten Sie, bis Sie dran sind.

Gute Vorbereitung ist alles. Die alten Nummernschilder, Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief, die aktuelle TÜV-Bescheinigung und die elektronische Versicherungsbestätigung (EVB), eine Flasche Wasser und ein Buch zur Unterhaltung - die Mission kann beginnen.

Die Thyrsusstraße 17 bis 19 ist die Heimat des alten und neuen KFZ-Zulassungsamts. Zwei neue Schalter im kleinen Foyer sind die erste und, wie sich schnell herausstellt, extrem wichtige Anlaufstelle aller Eintreffenden.
Freundlich fragt eine Dame nach dem Sinn und Ziel des Besuchs, prüft anschließend alle Unterlagen und rückt erst dann einen Zettel mit der Wartenummer raus, als sie sieht, dass alles vollständig vorhanden ist. Schließlich soll niemand lange im Wartezimmer sitzen und dann wegen fehlender Dokumente abgewiesen werden.
Zettel nehmen (Nummer Z 136), das Wartezimmer betreten, den überfüllungsbedingten Schock verdauen. Alle Plätze sind besetzt, weitere Wartende stehen an den Wänden. Rund 20 Menschen sitzen oder stehen in dem kleinen, hellen Raum.

Ein Bildschirm an der Wand verrät, wer an die Reihe kommt. Z 120 ist dran. Der Glückliche steht auf und geht. Wenigstens wird dadurch ein Sitzplatz frei. Der im Wartebereich installierte Kassenautomat, an dem früher oder später jeder Besucher landet, sagt mit weiblicher Stimme "Bitte zahlen Sie den angezeigten Betrag ein. Vielen Dank für Ihren Besuch." Ein Satz, der an diesem Vormittag noch sehr oft ertönen wird.

"Früher waren es vier Stunden", sagt Banknachbar Rudi ebenso freundlich wie unaufgefordert. "Ich hab schon mal so lange hier gesessen." Vier Stunden? Bitte nicht! "Das war vor dem Umbau", beruhigt Rudi. "Da kamen alle gewerblichen Anmeldedienste einfach so bevorzugt dran und haben teilweise 20 Autos auf einmal angemeldet."
Rudi ist selbstständig, Ende 50, grauer Anzug ohne Schlips. Sein Gegenüber Andi, Anfang 20, Death-Metal-Shirt, erschrickt. "Mein Chef hat gesagt, ich müsste um 12 Uhr spätestens wieder da sein." Es ist 10.15 Uhr. Die Namen aller Beteiligten sind auf deren Wunsch hin geändert worden.

"Bitte zahlen Sie den angezeigten Betrag ein. Vielen Dank für Ihren Besuch." Mittlerweile löst die Automatenstimme Aggression aus. Nummer Z 126 ist dran. Bisherige Wartezeit: eine Stunde. Interessant: Keiner der Wartenden kommt sofort oder kurz nach seinem Eintreffen dran. Alle müssen warten. Vormerken für später: Anfrage an die Stadt Trier, ob die Online-Terminvergabe wirklich funktioniert (siehe Info).

Nach einer Wartezeit von einer Stunde und sechsunddreißig Minuten endlich, endlich: Auf dem Bildschirm erscheint die Z 136. Aus dem Wartebereich geht es in einen Gebäudeabschnitt mit drei Einzelbüros und einem Dreierbüro für die erwähnten gewerblichen Zulassungsdienste.

Jetzt geht alles schnell. Fahrzeugschein und -brief werden von einem freundlichen Mitarbeiter neu ausgestellt, es gibt einen Schein für die neuen Schilder und eine Karte für ein letztes Date mit dem Kassenautomaten. Die Dienste des Amts kosten 36 Euro, die beiden neuen Kennzeichen bei einem der Schilddrucker in der Thyrsusstraße noch mal 30 Euro. Nach exakt zwei Stunden ist die Mission Ummeldung erfolgreich abgeschlossen.Meinung

Noch zu lang
Es ist ohne jeden Zweifel viel besser geworden. Die KFZ-Zulassungsstelle hat ihre Strukturen optimiert, die Mitarbeiter sind freundlich und kompetent, und in vielen Punkten funktioniert auch die Online-Anmeldung. Lobenswert, dass die Stadt die im TV-Test aufgedeckte Lücke der Saisonanmeldung sofort schließen will. Aber trotz aller Verbesserungen: Zwei Stunden Wartezeit sind ganz einfach zu viel. Die Stadt und der Kreis dürfen sich nicht damit zufrieden geben, dass es ja immerhin keine vier Stunden mehr sind. j.pistorius@volksfreund.deExtra: EIN ZENTRALES AMT FÜR STADT UND KREIS


Das KFZ-Zulassungsamt in der Trierer Thyrsusstraße basiert auf einer Kooperation zwischen der Stadt Trier und dem Landkreis Trier-Saarburg. Unabhängig vom ersten Wohnsitz können alle Bewohner der Stadt und des Kreises die Dienste des Amts in Anspruch nehmen. Das gilt auch für die Außenstellen in Hermeskeil und Saarburg: Dort dürfen auch Trierer ihre Autos an,- ab- oder ummelden, wenn sie wollen. Es ist aber nicht unbedingt ratsam, denn die Außenstellen haben jeweils nur zwei Arbeitsplätze und sind noch nicht an die Online-Terminvergabe angeschlossen. Die Stadt Trier reagiert sofort auf den Test des TV: "Die Zuteilung eines Saisonkennzeichens wird unmittelbar ins Portfolio der Online-Terminvergabe mitaufgenommen", sagt Ralf Frühauf vom Presseamt Trier. Generell sei die Lage positiv: "Von Seiten der Kunden wird das Angebot der Terminvereinbarung gut angenommen. Die online vergebenen Termine werden genutzt und eingehalten." Die Online-Terminvergabe ist abrufbar unter www.trier.de und telefonisch unter der Servicetelefonnummer 115.