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Der Westen macht Vorschläge für Straßenstrich

Auf diesem Abschnitt der Niederkircher Straße könnten sich die Ortsbeiräte Euren und Zewen einen Straßenstrich vorstellen. TV-Foto: Mechthild Schneiders
Auf diesem Abschnitt der Niederkircher Straße könnten sich die Ortsbeiräte Euren und Zewen einen Straßenstrich vorstellen. TV-Foto: Mechthild Schneiders
Trier-Euren/Zewen. Während andere Ortsbeiräte einen Straßenstrich in ihren Stadtteilen strikt ablehnen, gehen die Eurener und Zewener pragmatischer an das Thema heran. Da die Stadt Trier Zonen für Straßenprostitution ausweisen muss und der Vorschlag der Verwaltung keine Zustimmung in den Ortsbezirken fand, haben sie nun einen eigenen Vorschlag eingereicht. Mechthild Schneiders

Trier-Euren/Zewen. "In meinen Augen ist das eine Unverschämtheit!" Carola Siemon (SPD) ist empört über den Vorschlag ihrer Ortsbeiratskollegen aus Olewig, Straßenprostitution in der Wasserbilliger Straße zuzulassen. Ein Ortsbeirat könne so etwas zwar für seinen Stadtteil ablehnen, "aber er kann sich nicht erdreisten, dies woanders vorzuschlagen". Das sehen ihre Kollegen im Ortsbeirat Zewen und auch in Euren genauso. Und sie wollen sich diesem "St.-Florians-Prinzip" nicht anschließen. Deshalb haben sich die Ortvorsteher Helmut Mertesdorf (Zewen/CDU) und Hans-Alwin Schmitz (Euren/FWG) gemeinsam mit einigen Ortsbeiratsmitgliedern Gedanken gemacht, wo ein Straßenstrich in ihren Stadtteilen eingerichtet werden könnte.
Denn in der Gottbillstraße, wo die Verwaltung einen Standort vorgeschlagen hatte, sei dies wegen der Nähe zu bestehenden und potenziellen Wohngebieten nicht möglich (der TV berichtete).
"Für uns kam nur die Niederkircher Straße zwischen der Verbindung zur Luxemburger Straße und dem Kreisel Monaiser Straße infrage", sagt Schmitz in der Eurener Ortsbeiratssitzung im TuS Vereinshaus.
Dort gebe es nur wenige Gewerbebetriebe, weder Wohnbebauung noch Einzelhandel. Ein Nachteil könnten jedoch die dort abends und am Wochenende parkenden LKW sein. Birgit Bach (Euren/Die Grünen) fordert ebenso wie Sabine Stölb (Zewen, CDU) ein Gesamtkonzept. Ohne dieses sei es nur schwer möglich, Gebiete für einen Straßenstrich zu empfehlen. Vorschläge wie in der Nähe der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende "gehen gar nicht", kritisiert Bach den städtischen Vorschlag in der Metternichstraße.
Doch nicht nur die Menschen drumrum, etwa an der benachbarten Haltestelle, auch die Prostituierten selbst müssten geschützt werden, befinden die Eurener Ratsherren. "Wir haben eine gewisse Verantwortung", sagt Anke Hanakam (Euren/FWG). Deshalb fordert Olaf Grundheber (Euren/FWG) einen Rückzugsraum mit Telefon und Toilette im Bereich des Straßenstrichs, Zita Stümpfi-Ernst (Euren/SPD) eine sozialpädagogische Betreuung durch die Verwaltung. Denn dort bestehe der Verdacht auf Menschenhandel, und es gebe "ein erhebliches kriminelles Potenzial". Zudem sollen die Frauen zwischen 18 und 4 Uhr ihrem Gewerbe nachgehen, und der Zeitraum sollte auf ein Jahr beschränkt werden.
Unter diesen Bedingungen stimmen die Eurener mit neun Ja-, einer Neinstimme und zwei Enthaltungen zu. Und auch aus dem Zewener Rat kommt - allerdings ohne Auflagen - bei einer Enthaltung Zustimmung.
Richard Ernser (Euren/FWG) gibt zu bedenken, dass der Straßenstrich genau im Gebiet des Bebauungsplans BW 64 "Gewerbegebiet östlich der Monaiser Straße" liege, dessen Aufstellung der Rat zugestimmt hat.
Dort sollen insbesondere Bordelle und bordellartige Betriebe ausgeschlossen werden. Dies schließe sich jedoch, so Schmitz, nicht aus.Extra

"Nicht empfehlenswert" nennt Zewens Ortsvorsteher Helmut Mertesdorf (CDU) den Vorschlag einer Arbeitsgruppe, die Anzahl der Ortsbeiratsmitglieder zu reduzieren. "Die Entscheidungen in den Räten müssen auf eine breite Mehrheit gestellt sein", sagt er. Er lehne es ab, dass nur wenige über das Geschehen im Ort entscheiden. Auch bei der SPD-Fraktion ist der Tenor, die Stärke der Räte zu belassen. Bei einer Enthaltung lehnt der Rat die Vorlage ab. Zudem sprechen sich die Zewener dagegen aus, dass die Telekom die einzige Telefonzelle im Stadtteil abbaut. Der neu gestaltete Platz an der ehemaligen Kirche wird einen eigenen Namen erhalten: Die Stadt stimmt dem Vorschlag des Ortsbeirats zu, ihn St.-Martinus-Platz zu nennen. Mertesdorf informiert, dass zurzeit auf dem Friedhof eine Urnengemeinschaftsanlage entsteht. mehi