| 21:42 Uhr

"Der wurde richtig grantig"

Alle Jahre wieder tingeln dubiose Handwerkerfirmen über die Lande und versuchen ihre Dienste anzubieten - oftmals mit fragwürdigen Methoden und undurchsichtigen Preis-Leistungs-Verhältnissen. Im Trierer Stadtteil Filsch versuchte jüngst ein Spezialist für Plattenreinigung seine Dienste an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Allerdings ohne Erfolg.

Trier-Filsch. (zad) Im Trierer Stadtteil Filsch machen derzeit unseriöse Handwerker die Runde. Jüngst bot ein selbst ernannter Spezialist für Steinreinigung offensiv seine Dienste an den Haustüren an. Doch mit dem Sonderpreis-Angebot zur Säuberung des Plattenweges vor der Eingangstür des Hauses biss nun ein Handwerker auf Granit. Denn die Frau des Hauses wimmelte den Handwerker rigoros ab, der sich zuerst im Samariter-Stil anbot, später aber zunehmend aufdringlicher wurde.

Er habe in Trier sehr viele Kunden, da vor Ort keine Spezialfirmen zur Reinigung von Steinplatten ansässig seien, behauptete der Handwerker gegenüber der Seniorin. Auch auf das Beharren hin, nur schriftlich Verträge abzuschließen und schon gar nicht an der Haustür, blieb der Handwerker aus Solingen hartnäckig. "Seien sie doch froh, dass ich Ihnen helfen will und sogar ein günstiges Angebot mache!", habe er gesagt und hinzugefügt, er sei um ein Vielfaches preiswerter als andere, teure Spezialfirmen. "Das kann ich mit einem Grabsteinpflegemittel selber machen", meinte die ältere Dame.

Alleinstehende Frauen werden häufig Opfer



Der "hilfsbereite" Plattenreiniger gab sein Vorhaben jedoch nicht auf. Erst als die rüstige Frau mit der Polizei drohte, ergriff der Handwerker die Flucht. "Da wurde er grantig und war mit seinem Auto so schnell um die Ecke gebogen, dass ich das Nummernschild nicht erkennen konnte", erzählt die Witwe.

Bei derartigen Aktionen an der Haustür sei sie immer vorsichtig. Sie beobachte die Leute genau. "Und meistens stellt sich heraus, dass das wieder solche Schwindler seien", erzählt die 75-jährige Rentnerin.

Auch in den vergangenen Jahren seien immer wieder dubiose Handwerkerfirmen in Filsch aufgetaucht, um ihre Dienste an den Haustüren der Bewohner des Stadtteils anzubieten.

"Hier wohnen so viele alte Witwen", sagt die Rentnerin, die anonym bleiben möchte, fügt aber hinzu: "Die alten alleinstehenden Frauen lassen sich leicht überrumpeln. Die sind verängstigt und lassen sich leicht beeinflussen."

Oftmals suchen sich dubiose Handwerkerfirmen alte und alleinstehende Menschen aus, denen sie ihre Arbeiten - häufig mit aggressivem Druck - zu verkaufen versuchen. Dabei sind die Leistungen selten wie versprochen weder qualitativ hochwertig noch preisgünstig.

Für den Trierer Seniorenbeauftragten Helmut Deininger sind diese Tricks ein alter Hut. "Ich kenne mittlerweile alle Maschen an Haustürgeschäften. Da sind die Möglichkeiten unerschöpflich", meint Deininger im Gespräch mit dem TV. Man könne nur immer wieder beständig warnen, wenn Fremde an der Haustüre klingelten und etwas verkaufen oder im Haus reparieren wollten. Seien dies keine Handwerker oder Firmen, die man selbst beauftragt hat oder deren Kommen vom Vermieter oder Hausbesitzer veranlasst wurde, so sollte man wachsam sein.

Auf keinen Fall sollte man die Leute ins Haus lassen und sich vom aggressiven Stil an der Haustür nicht verunsichern lassen. Energisches Abwimmeln helfe in den meisten Fällen schon. "Die machen sich schnell aus dem Staub und versuchen es in anderen Orten wieder", erklärt Deininger das Vorgehen der dubiösen Handwerker.

Sollten sogenannte "falsche" Handwerker auftreten, so kann man sich an das Beratungszentrum der Polizei unter Telefon 0651/463371-10, in sehr dringenden Fällen auch an den Notruf 110, wenden.