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Landesausstellung
Abrechnung mit dem großen Karl ergibt hohe Zuzahlung

Was hat das Karl-Marx-Jahr für Trier gebracht? Die Suche nach Antworten führt zu teils überraschenden Ergebnissen.
Was hat das Karl-Marx-Jahr für Trier gebracht? Die Suche nach Antworten führt zu teils überraschenden Ergebnissen. FOTO: Roland Morgen
Trier. Die Ausstellung um den in Trier geborenen Philosophen hat 4,8 Millionen Euro gekostet.  Den nötigen Zuschuss von 2,5 Millionen Euro tragen das Land und die Stadt. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Am Ende ist Karl Marx  günstiger als Konstantin und Nero. Die beiden römischen Kaiser standen im Mittelpunkt der Landesausstellungen 2007 und 2016 in Trier. „Konstantin hat 6,6 Millionen Euro gekostet, Nero um die 6 Millionen Euro“, sagt Salvatore Barbaro, der Aufsichtsratsvorsitzender der Karl-Marx-Ausstellungsgesellschaft und Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz. Mit Kosten von 4,8 Millionen Euro liegt Karl Marx damit knapp unter den beiden Lorbeerkranzträgern und innerhalb des ursprünglichen Finanzplans.

Barbaro legt am Donnerstagnachmittag in Trier das Fazit des Aufsichtsrats vor – und die Abschlusszahlen der Landesausstellung „Karl Marx 1818-1883. Leben. Werk. Zeit.“, die vom 5. Mai bis zum 21. Oktober im Rheinischen Landesmuseum und dem Stadtmuseum Simeonstift in Trier zu sehen war. „Mit der Landesausstellung haben wir eine Bühne geboten für eine wissenschaftlich fundierte Würdigung eines bedeutenden, aber umstrittenen deutschen Denkers“, betont der Staatssekretär.

Zieht man alle Einnahmen, Zuschüsse  und Sponsorengelder für die Marx-Ausstellung ab, bleibt ein Bedarf von insgesamt 2,5 Millionen Euro übrig. Diese Millionen zahlen  zu drei Vierteln das Land Rheinland-Pfalz (1,875 Millionen) und zu einem Viertel die Stadt Trier (625 000 Euro). Alle Kosten mit eingerechnet, zahle Trier damit insgesamt 940 000 Euro aus der eigenen Kasse in die Marx-Ausstellung. „Eine Investition, die sich absolut gelohnt hat“, betont Kulturdezernent Thomas Schmitt (CDU).  „Mit Marx haben wir  unserem Image neue Facetten hinzugefügt: Trier kann nicht nur Antike. Ich freue mich besonders, dass diese Leistung mit dem Europäischen Kulturmarken-Award anerkannt worden ist.“ Im Rheinischen Landesmuseum und dem Stadtmuseum Simeonstift wurden rund 95 000 Besuche und 1200 Gruppenführungen gezählt. Dazu kommen die Effekte eines riesigen Begleitprogramms mit Musik- und Theaterproduktionen, Vortragsreihen und anderen Veranstaltungen (der TV berichtete mehrmals). Gemeinsam mit Akteuren aus den Bereichen Kultur, Bildung und Wissenschaft wurden mehr als 600 Veranstaltungen auf die Beine gestellt, 4000 Besucher nahmen an über 200 Karl-Marx-Stadtführungen teil.

Das Karl-Marx-Haus hat mit dem Beginn der Landesausstellung eine eigene neue Dauerausstellung eröffnet und wird am Ende des Jahres mit 60 000 Besuchern einen neuen Rekord verbuchen können, sagt dessen wissenschaftliche Leiterin Anja Kruke. Aus diesen Zahlen ergibt sich die zentrale Frage, ob und wie sehr die regionalen Händler, Gastronomen und Hoteliers von den Besuchern der Ausstellung profitiert haben. Eine Besucherbefragung, die ein Team der Universität Bremen in Zusammenarbeit mit dem Institut markt.forschung.kultur während der Ausstellung organisiert hat, liefert hier interessante und aus Sicht der Stadt Trier sehr positive Zahlen.

Laut dieser Befragung hat allein die Ausstellung in den beiden Trierer Museen Ausgaben der Besucher in Höhe von 7,6 Millionen Euro generiert. Zieht man davon die Personal- und Materialkosten der Trierer Betriebe ab, bleiben 3,8 Millionen Euro als Gewinn übrig.

Der Amts- und Bilanzjargon nennt diesen Wert die touristische Wertschöpfung. Er basiert nicht auf einem genauen Blick in die Kassen und Bücher der regionalen Wirtschaft, sondern auf der Befragung von mehr als 700 Besuchern. Wer den Blick von der reinen Landesausstellung in den beiden Museen löst und ihn auf alle Veranstaltungen im Karl-Marx-Jahr richtet, Schwerpunkte wie das Karl-Marx-Haus und das Museum am Dom ausdrücklich mit eingeschlossen, erhält sogar Ausgaben der Besucher in Höhe von 12,8 Millionen Euro und einen Gewinn nach Abzug aller Ausgaben von 6,4 Millionen Euro.

Rainer Auts, der Geschäftsführer der Ausstellungsgesellschaft, präsentiert weitere Zahlen aus der Befragung. „Demnach stammte rund ein Viertel der Besucher aus Trier und dem Umland“, sagt Auts. „57 Prozent waren Touristen aus anderen Teilen Deutschlands, 17 Prozent  reisten eigens aus dem Ausland an.“

Durchschnittlich gaben Übernachtungsgäste pro Person und pro Nacht 101,58 Euro aus. Drei Viertel der Befragten gaben an, sie seien gezielt nach Trier gereist, um die Landesausstellung zu sehen.