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Neue Heimat
Welche Unterhosen die Tante Trägt

Ayad Abed Lateef
Ayad Abed Lateef FOTO: privat / Ayad Abed Lateef
Meinung Nach der Flucht müssen sich Asylbewerber in Deutschland vielen Fragen stellen. Doch was passiert eigentlich mit den Daten? Volksfreund-Kolumnist hat sich des Themas angenommen. Ayad Lateef

Fehlt nur noch, dass die Beamten nach der Farbe der Unterhose der Tante fragen: Wer einen Asylantrag stellt, muss im Interview mit dem zuständigen Bundesamt viel preisgeben. Doch keine Sorge, am unteren Rand jedes Formulars steht: „Ihre Daten werden absolut vertraulich behandelt.“

Dann muss der Geflüchtete zur Ausländerbehörde. Dort liegt die Akte vom Bundesamt bereits vor. Die Beamten stellen wieder ein paar Fragen, legen eine weitere Akte an und beteuern: „Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.“ Nun schickt man den Asylbewerber zum Sozialamt. Das hat die Akten vom Bundesamt und der Ausländerbehörde bereits erhalten, eröffnet aber eine weitere. Wieder heißt es: „Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.“

Es folgen Jobcenter, Gesund­heitsamt, Bank, Volkshochschule, Polizei und Krankenhaus. All diese Behörden und Institutionen kommunizieren miteinander und tauschen die Angaben aus. Es schließt sich eine Übermittlung an das EURODAC in Luxemburg an, ein Fingerabdruck-Identifizierungssystem für Asylbewerber. Das wiederum sendet die Daten zum UNHCR, dem Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge. Doch warum sollte man sich einen Kopf machen? Die Daten werden ja vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.

Neulich hat mir jemand diesen Witz erzählt: Ein Hund beißt einen Geflüchteten. Kurz darauf stirbt das Tier. Im forensischen Bericht steht: „Der Hund wurde vergiftet.“ Also kommt der Flüchtling ins Gefängnis.

Wer also kann etwas dagegen haben, dass Daten aus Verwaltungs- und Sicherheitsgründen weitergegeben werden – und sei es an einen Tierarzt! Das einzige, was mir keine Ruhe lässt, ist meine Neugier: Wer ist bloß jener Dritte? Ein Außerirdischer?

Alle reden über Muslime – von diesen selbst ist dagegen wenig zu hören. Deshalb schildert Ayad Abed Lateef, ein in Konz lebender gebürtiger Iraker, in der Volksfreund-Kolumne Neue Heimat, wie er und seine arabischen Freunde die Region erleben. Er erzählt, was hier ganz anders ist als in seinem Herkunftsland und findet unerwartete Gemeinsamkeiten. Lateef stammt aus der irakischen Hauptstadt Bagdad und verließ sein Heimatland aus politischen Gründen. Er promoviert an der Uni Trier und möchte später als Journalist arbeiten.

Die Kolumne ist im Rahmen des Projekts Newscomer entstanden. Ein Video über die Volksfreund-Newscomer gibt es unter www.volksfreund.de/video

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