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Die Göttin der Gerechtigkeit ist wieder daheim

Schwur zu Füßen Justitias: Die Feyener Jugendlichen wollen auf Garten und Statue Acht geben.Foto: Cordula Fischer
Schwur zu Füßen Justitias: Die Feyener Jugendlichen wollen auf Garten und Statue Acht geben.Foto: Cordula Fischer
FEYEN-WEISMARK. Dass die Justitia-Figur wieder in den Grafschafter Stadtgarten zurückgekehrt ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Erst durch die Arbeit der Bürgerinitiative, die sich seit drei Jahren um das Lebenswerk von Stifter Josef Bermes kümmert, ist dies möglich geworden. ARRAY(0x1476f96c0)

Vor 15 Jahren schenkte der damalige Oberbürgermeister Felix Zimmermann Josef Bermes die Justitia-Statue, die sein Amtszimmer zierte. Sie ist ein Abguss der Figur des Petrusbrunnens auf dem Trierer Hauptmarkt. Josef Bermes würde sich heute freuen. Denn der Feyener widmete sich in den letzten Jahrzehnten seines Lebens der Anlage eines Gartens auf dem städtischen Grundstück in der Fritz-Quant-Straße. Er pflegte seinen kleinen Park liebevoll und bestückte ihn mit zum Teil exotischen Pflanzen, Figuren und selbstentworfenen Kunst-Installationen. "Wenn er Geburtstag hatte, sagte er immer: ‚Schenkt mir Pflanzen für meinen Garten'", berichtet Eva Bermes, Josef Bermes' Nichte. Obwohl der passionierte Hobbygärtner vorgesorgt hatte, der Stadt ein Sparguthaben schenkte und die Stiftung "Trierer Grafschafter Stadtgarten" geschaffen wurde, verwahrloste der kleine Park nach Bermes' Tod zusehends. Wegeplatten wurden herausgerissen, die Skulpturen und Installationen zerstört, wilde Müllhalden aufgehäuft und Hunde Gassi geführt. Die beiden großen Figuren - die schöne Römerin Rebecca und eben die Justitia - wurden von der Stadt in Verwahrung genommen. Die Rebecca ist zwar seither unauffindbar verschollen. Aber die Justitia konnte mit finanzieller Hilfe aus dem Ortsbeirat, der in seinem Budget einen Posten dafür von rund 1700 Euro veranschlagte, restauriert werden. "Wir haben die Nase und den Schwertknauf neu anmodelliert, die Fehlstellen aufgearbeitet und Teile mit Blattgold neu verziert", erklärt Henning Wirtz von der Steinwerkstatt Bungert und Wirtz die Restaurierungs-Arbeiten. Rund 40 Arbeitsstunden mussten dafür investiert werden. "Außerdem haben wir ein neues Fundament geschaffen und die Figur mit einem Kran aufgestellt. Das war Millimeterarbeit", so der Justitia-Restaurator. Beim mittlerweile dritten Stadtgarten-Fest wurde die Justitia feierlich von den Ehrengästen Ortsvorsteher Michael Jacoby und Oberbürgermeister Helmut Schröer enthüllt und am neuen Standort in der Nähe des vor einem Jahr angelegten Josef-Bermes-Weges willkommen geheißen. "Das ist der zweite Neubeginn für den Stadtgarten, die Justitia ist das Symbol dafür", sagte Lutz Schwalbach, Mitbegründer der Bürgerinitiative.Der Garten wurde offener und sicherer gestaltet

Seit sich die Anwohner des Stadtgartens vor drei Jahren zusammenschlossen haben, hat sich auf dem idyllischen Fleckchen Erde einiges getan. Wege, die nicht sicher waren, wurden zurückgebaut, neue Wege angelegt, Beete gepflegt, neue Pflanzen gesetzt, die Böschung am Hauptweg mit einer Sandsteinmauer abgestützt, der Garten wurde insgesamt offener und sicherer gestaltet. "Auch die Jugendlichen haben viel mitgeholfen. Es kommen wieder viele Leute her und halten sich hier auf, der Garten wird von der ganzen Siedlung angenommen", sagt Till Otto. Um die Bürgerinitiative auf eine breitere Basis zu stellen, haben die Bermes-Erben begonnen, Beet-Patenschaften zu vergeben. Die Grundschule Feyen pflegt bereits zwei Beete. Außerdem ist den Stadtgärtnern und den Feyenern das Stadtgartenfest, das in jedem Jahr am dritten Juliwochenende stattfindet, zur lieb gewonnenen Einrichtung geworden, bei der die Nachbarschaft und Gemeinschaft gepflegt werden kann. So hat sich aus Anwohnern die "Nachbarschaftsband" gebildet, die sogar ein eigenes Stadtgartenlied gedichtet hat.