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Die helfenden Hände von Trier-Nord

Das Familienalbum ist immer für interessanten Gesprächsstoff gut: Seniorenhelfer Manfred Karl Schmidt und Katharina Emanuel. Foto: Albert Follmann
Das Familienalbum ist immer für interessanten Gesprächsstoff gut: Seniorenhelfer Manfred Karl Schmidt und Katharina Emanuel. Foto: Albert Follmann
TRIER-NORD. Sie springen da ein, wo keine Krankenkasse mehr zahlt, wo keine Familie mehr zur Seite steht und wo die eigene körperliche und geistige Kraft nicht mehr ausreicht, um manche Dinge des täglichen Lebens zu bewältigen: die Seniorenhelfer von Trier-Nord. Nach einem halben Jahr ziehen die ehrenamtlich Tätigen Bilanz und suchen Gleichgesinnte. ARRAY(0x18177df98)

"Wir füllen da Lücken aus, wo keiner kostenmäßig mehr einspringt", bringt es Käthe Piro auf den Punkt. Sie gehört zu den rund ein Dutzend Frauen und Männern, die sich in der Initiative "Bürger für Bürger" zusammengeschlossen haben. Ihre Mission: Bedürftige, insbesondere ältere und einsame Menschen in Trier-Nord zu unterstützen. Ihr "Hauptquartier": das Bürgerhaus Trier-Nord. Lampen aufhängen und Möbel rücken

Fahr-, Reparatur- und Einkaufsdienste gehören ebenso zu dem kostenlosen Service wie die seelische Betreuung. Viele Menschen seien einfach nur froh, wenn sie hin und wieder jemanden hätten, mit dem sie reden könnten, sagt Piro, es gebe aber auch welche mit starken psychischen Störungen, die gerade auch dann Zuwendung bräuchten, wenn sie von der Therapie-Stunde zurück seien. "Viele warten auf diese Betreuung, haben aber Angst, es könnte was kosten oder sie würden sich in totale Abhängigkeit begeben", schildert Helferin Eleonore Schilz die Schwierigkeit, zu den psychisch Kranken vorzudringen. Wenn sie aber einmal Vertrauen gefasst hätten, werde oft der Wunsch einer täglichen Zusammenkunft laut. Um möglichst vielen Wünschen nachkommen zu können, sucht das Seniorenhelfer-Team Gleichgesinnte. Ob Leute mit handwerklichen Fähigkeiten, für Fahrdienste oder als Begleitpersonen für Unternehmungen - das Spektrum ist groß und die Hilfe dringend nötig. Interessenten können sich beim Bürgerhaus Trier-Nord, Telefon 918200, melden. Zum harten Kern der Dienstleister gehört Manfred Karl Schmidt. Gestern hängte der 40-Jährige noch bei einer Nachbarin eine neue Wohnzimmerlampe auf, legte Teppiche um und rückte Möbel, heute leistet er Katharina Emanuel in ihrer Wohnung in der Thyrsusstraße Gesellschaft. Zu beider Zufriedenheit machen die Blumen, die er in die Balkonkästen gepflanzt hat, gute Fortschritte. "Wir plaudern über Gott und die Welt", sagt die lebenslustige 86-Jährige, die seit 76 Jahren in Trier-Nord wohnt. Außer von ihrer Tochter bekomme sie wenig Besuch, meint die Witwe, und umso mehr freue sie sich dann über einen Plausch mit Herrn Schmidt oder wenn ihr eine schwere Arbeit abgenommen werde. Katharina Emanuel ist körperbehindert, nimmt aber gerne - mit Hilfe ihres Gehwägelchens - den Weg zum Mittagstisch im Bürgerhaus in Kauf. Preiswert und gut sei es da, so ihr Urteil. Früher habe sie auch die Gymnastikkurse dort besucht. Ins Schwärmen gerät Katharina Emanuel, wenn sie von dem Kaffeenachmittag erzählt, der einmal monatlich unter Mithilfe der Seniorenhelfer angeboten wird. "Der Kuchen ist selbst gebacken, und es gibt ein extra Angebot für Diabetiker." Dass die Kuchen von Manfred Karl Schmidt zu den besten gehören, hat sich bei den Damen genauso herumgesprochen wie die neue Büchertauschbörse, die zweimal im Monat angeboten wird."Wir müssen alle mehr hinschauen"

Seine Erfahrung als früherer Beschäftigter beim Grünflächenamt kommt Schmidt nicht nur bei Frau Emanuels Balkonpflanzen zugute, er hat unter Mithilfe von Jugendlichen aus dem Viertel auch die Blumenrabatte am Bürgerhaus angelegt. Nun will er auch den Garten der Ambrosius-Kirche neu gestalten und zusammen mit einem Ein-Euro-Jobber den Parkplatz zwischen Bürgerhaus und Lambert auf Vordermann bringen. Die Stadt stellt das Material. Regelmäßig treffen sich die Senioren-Helfer zum Kontaktaustausch. Aufhänger diesmal: die Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber den Mitbürgern im Allgemeinen und der Tote, der vier Tage lang in einer Wohnung im Eifelort Herforst gelegen hatte, bis man ihn fand, im Besonderen. "Wir müssen alle mehr hinschauen", meint Käthe Piro, "es beginnt im Kleinen." "Wenn mittags bei Menschen, wo man weiß, dass sie alt und krank sind, mal außer der Reihe die Rollladen runter sind, müssten schon die Alarmglocken läuten."