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Wohnen
Die Kirche baut teuer in der Trierer Paulinstraße

Die Aachener Baugesellschaft baut auf dem Eckgrundstück Paulinstraße/Zeughausstraße zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 34 Wohnungen.
Die Aachener Baugesellschaft baut auf dem Eckgrundstück Paulinstraße/Zeughausstraße zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 34 Wohnungen. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft gehört zu den großen Bauunternehmern in Trier und ist Eigentum von sechs Bistümern. Zurzeit entstehen in der Paulinstraße zwei neue Häuser. Die Wohnungspreise sind stattlich. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

In der Paulinstraße passiert das, was die Gegner von Baugebieten auf der grünen Wiese immer fordern: Es wird nachverdichtet. So heißt es, wenn Lücken zwischen den bestehenden Häusern mit Neubauten aufgefüllt werden.

Auf dem Grundstück an der Ecke Paulin-/Zeughausstraße stand bislang ein Autohaus mit Werkstatt – dessen äußeres Erscheinungsbild ziemlich in die Jahre gekommen war. Als der private Eigentümer das 2400 Quadratmeter große Grundstück zum Verkauf anbot, erhielt die Aachener den Zuschlag. Die Baugesellschaft, die in Trier eine Zweigstelle hat, gehört der Kirche; auch das Bistum Trier besitzt einen Gesellschafteranteil (siehe Info). Die Aachener will auf dem Grundstück 34 Wohnungen bauen.

Mit ihren Architekturplänen dazu war die Baugesellschaft zunächst vor dem Architektur- und Städtebaubeirat (ASB) der Stadt Trier gescheitert, der Baupläne auf Qualität prüft. An die Empfehlungen des ASB ist die Stadtverwaltung zwar nicht zwingend gebunden, aber auch das Bauamt forderte Umplanungen: Aus dem zunächst vorgesehenen Flachdach wurde ein spitzes Satteldach –  wie es die meisten anderen Wohnhäuser in der Umgebung ebenfalls haben. Auch bei der Fassadengestaltung musste nachgebessert werden.

Mittlerweile ist das Autohaus verschwunden. Das alte Eckhaus, in dessen Erdgeschoss das Restaurant Diamanti seit Jahrzehnten zu Hause ist, bleibt erhalten. Das nächste alte Haus in der Paulinstraße 106 wird im Januar dagegen ebenfalls abgerissen, um Platz für die Neubauten zu machen: Entlang von Zeughausstraße und Gärtnerstraße entsteht ein L-förmiges, dreigeschossiges (plus Dachgeschoss) Haus mit 20 Wohneinheiten, darunter zwei so genannte Häuser im Haus: mehrgeschossige Wohnungen mit eigenen Haustüren. In der Baulücke in der Paulinstraße, neben dem Diamanti, wird ein zweiter Neubau errichtet mit 14 Wohnungen. Dazu kommt eine neue Tiefgarage mit 46 Stellplätzen. Im Innenhof werden weitere neun Parkplätze markiert. Zu den Wohnungen im Erdgeschoss gehören kleine Gärten, die oberen haben alle Balkone. Auch ein Spielplatz gehört zum Innenhof.

„Der Rohbau soll Ende 2019 stehen, bezugsfertig sollen die Wohnungen zum 1. Juli 2021 sein“, prognostiziert Werner Boesen, technischer Leiter der Aachener Zweigstelle in Trier. Ein knappes Drittel der 34 Wohnungen sei bereits verkauft. Der Kaufpreis liege bei 4150 bis 4250 Euro pro Quadratmeter. Für eine 100 Quadratmeter große Wohnung muss man also rund 420 000 Euro auf den Tisch legen, eine Wohnung mit 70 Quadratmetern kostet rund 294 000 Euro.

„Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen“, begründet Boesen den Preis. Alleine der Abriss der Häuser, die Entsorgung des Bauschutts müssten mit rund 410 Euro auf jeden Quadratmeter Wohnfläche umgelegt werden. Auch der Bau der Tiefgarage muss sich über den Verkauf der Wohnungen refinanzieren.

Beim Bauen auf der grünen Wiese sind nicht nur die Grundstückspreise generell niedriger als bei Filetstücken in der City. Es entstehen auch keine Abriss- und Entsorgungskosten. Statt aufwendigen Tiefgaragen können Parkplätze oberirdisch eingerichtet werden. „Das macht den Bau von Wohnungen auf freien Flächen deutlich günstiger als Nachverdichtungen“, sagt Boesen.

Der Bau der beiden Wohnhäuser in der Paulinstraße/Ecke Zeughausstraße kostet laut Boesen rund 7  Millionen Euro. Inklusive Grund­erwerb, Abriss, Entsorgung, Planung und Baunebenkosten investiere die Aachener in das Projekt rund zwölf Millionen Euro.

Rechnet man die Flächen aller 34 Wohnungen zusammen, kommt man auf 2930 Quadratmeter. Bei einem mittleren Preis von 4200 Euro ergibt sich daraus ein Verkaufserlös von 12,3 Millionen Euro. Verkauft an die späteren Eigentümer werden auch die Tiefgaragenplätze, für gut 20 000 Euro das Stück, macht bei 46 Stellplätzen einen Erlös von rund 920 000 Euro. Verrechnet man diese Zahlen mit der von der Aachener angegebenen Gesamtkosten von 12 Millionen Euro bleibt ein Plus von rund 1,2 Millionen Euro übrig.

Wie viel Gewinn tatsächlich am Ende für die Bistumer als Gesellschafter der Aachener unterm Strich stehe, sei letztlich allerdings schwer zu sagen. „Bauen birgt immer Risiken, gerade im Stadtzentrum. Baustopps, Streit mit den Nachbarn oder Gewährleistungsfragen – das kann schnell ins Geld gehen“, sagt Boesen.