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Die Kriegsgefangenen vom Petrisberg

Französische Kriegsgefangene vor den Holzbaracken auf dem Petrisberg. Diese Aufnahme des Trierer Fotografen Carl Brandt vom 26. Juli 1940 aus dem Stadtarchiv ist das Titelbild des neuen Welter-Buchs. Kleines Foto: Forscht akribisch und grundsätzlich ehrenamtlich: Adolf Welter aus Trier-Euren. TV-Foto: Roland Morgen
Französische Kriegsgefangene vor den Holzbaracken auf dem Petrisberg. Diese Aufnahme des Trierer Fotografen Carl Brandt vom 26. Juli 1940 aus dem Stadtarchiv ist das Titelbild des neuen Welter-Buchs. Kleines Foto: Forscht akribisch und grundsätzlich ehrenamtlich: Adolf Welter aus Trier-Euren. TV-Foto: Roland Morgen
TRIER. Das Ergebnis von 20-jährigem Suchen, Forschen und Sammeln: Das elfte Buch des Trierer Heimatforschers Adolf Welter (72) ist dem Kriegsgefangenenlager Stalag XII D gewidmet, das sich im Zweiten Weltkrieg auf dem Trierer Petrisberg befand. ARRAY(0x15819440)

Unbewaffnete Soldaten vor einer Holzbaracke - das Titelbild des Buchs erweckt auf den ersten Blick den Eindruck, irgendwo "ganz weit weg" entstanden zu sein. Doch es wurde Ende Juli 1940 in Trier aufgenommen, geografisch gesehen mitten im Stadtgebiet. Es zeigt französische Kriegsgefangene auf dem Petrisberg.60 Baracken für die Gefangenen

Auch das Thema "Kriegsgefangenenlager in Trier" wirkt seltsam weit weg, seit Landesgartenschau (2004) und Konversion die Kasernenlandschaft Petrisberg in einen blühenden Stadtteil verwandelt haben. Es ist das Verdienst von Heimatforscher Adolf Welter, diesem bislang unterbelichteten Kapitel der Stadtgeschichte gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen und es für die Nachwelt festzuhalten. Insgesamt fast 20 Jahre ehrenamtlicher Forschungsarbeit investierte er in sein elftes Buch "Trier-Petrisberg 1940-1945, Das Kriegsgefangenenlager Stalag XII D" - das ist vier mal soviel Zeit, wie das Barackenlager überhaupt existierte. Es entstand in den späten 1930er-Jahren parallel zum Bau der Kemmelkaserne aus vorgefertigten Holzelementen und diente zunächst der Unterbringung von deutschen Soldaten, die an einer Wehrübung teilnahmen. Nach Hitlers Überfall auf Polen und der anschließenden Kriegserklärung Englands und Frankreichs an Deutschland wurde es im Eiltempo zur Aufnahme von Kriegsgefangenen um- und ausgebaut. Das mit Wachtürmen und einem hohen Stacheldrahtzaun gesicherte Lager umfasste schließlich 60 Baracken. Die Bezeichnung "Stalag XII" steht für Stammlager für Mannschaften und Unteroffiziere im Wehrbereich XII Wiesbaden, das "D" für Trier. Konzipiert war das Barackendorf auf dem Petrisberg als so genanntes "Durchgangslager" für bis zu 45 000 Mann. Im Juni/Juli 1940 trafen die ersten französischen Kriegsgefangenen ein. Prominentester Gefangener war der Philosoph Jean Paul Sartre (1905-1980), dessen Zeit auf dem Petrisberg (Mitte August 1940 bis zur Entlassung wegen Arbeitsunfähigkeit im März 1941) Welter in seinem Buch ein eigenes Kapitel widmet und dabei einen Aufsatz des Trierer Historikers Emil Zenz (1912-1994) mit neuen Forschungsergebnissen ergänzt. Weitere Kapitel geben einen geschichtlichen Überblick und Einblick in den Lager- und Arbeitsalltag, behandeln Besuchsberichte des Roten Kreuzes, Erinnerungen ehemaliger Gefangener, die "vergessenen Gefangenen" (für die sich selbst das Rote Kreuz nicht weiter interessierte), das Postwesen des "Stalag" und die Belegungszahlen bis Anfang 1945. Am 1./2. März 1945 nahmen US-Truppen das weitgehend geräumte Lager ein und befreiten die letzten Insassen.Dokumente aus dem In- und Ausland

"Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, als ich das komplexe und schwierige Thema nach fast 20-jährigem Suchen, Sammeln und Forschen zum Abschluss bringen konnte", resümiert Adolf Welter. Doch die ehrenamtlichen Mühen hätten sich gelohnt: "Ich konnte einmalige Dokumente aus dem In- und Ausland zusammen tragen, die auch die Außenlager im Trierer Land betreffen."