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Die Profi-Karriere lockt

Haben viel Spaß bei der Probe: Die Schüler der „Musical School“, einer jungen Abteilung der Trierer Musikschule. TV-Foto: Hans Krämer
Haben viel Spaß bei der Probe: Die Schüler der „Musical School“, einer jungen Abteilung der Trierer Musikschule. TV-Foto: Hans Krämer
Vor einem Jahr gründete die Musikschule Trier ihre Abteilung "Musical School". Zwanzig Jugendliche im Alter von 12 bis 21 haben nun ihr erstes Schuljahr absolviert - und schon stehen die ersten vor dem Sprung in die Professionalität. In dieser Woche präsentieren Schüler und Lehrer der Öffentlichkeit ihre Ergebnisse. Von unserem Redakteur Dieter Lintz

Trier. Draußen am Domfreihof ist es 28 Grad warm an diesem schwülen Sommer-Montag. Vor dem Palais Walderdorff sitzt Günther Jauch in trauter Gesprächsrunde - oder ist es doch ein Zwillingsbruder?

Aber dafür haben die Schülerinnen der Musical School so oder so keinen Blick. Im nüchternen Vortragsraum des Bildungszentrums, wo gerade die Generalprobe für ihren großen Auftritt am Donnerstag läuft, sind es gefühlte 40 Grad, und wenn man gleichzeitig tanzen, singen und schauspielern muss, ist das eine beinharte Konzentrationsübung. Nur dass der Zuschauer davon nichts merken darf: "Die Freude muss euch aus den Augen springen", ruft Tanzlehrerin Yvonne Braschke ihrer Truppe zu.

Sie muss es wissen, ist doch die Trainerin vom Tanzstudio Bernadette Wacht ausgebildeter Musical-Profi. Also genau das, wovon die eine oder andere der Schülerinnen träumt. Ein Mädchen-Traum offenkundig, denn die beiden Jungs, die zu Schuljahresbeginn in der 20-köpfigen Klasse dabei waren, haben längst das Handtuch geworfen. "Die haben sich zu zweit wohl zu einsam gefühlt", vermutet Musikschul-Chefin Pia Langer.

Vielleicht war es aber auch einfach der Zeitaufwand. Die "Musical School" schult, wie der Name nahelegt, in Sachen Musical, und das heißt: Man muss alles können. Der Unterricht umfasst je eine Wochenstunde für Tanz, Gesang, Darstellung, plus professionelle Korrepetition mit dem musikalischen Leiter Joachim Mayer-Ullmann. Und das alles neben Schule, Theatergruppe, Sportverein. Das setzt schon außergewöhnliches Engagement voraus - und Durchhaltevermögen.

Um die jungen Talente angemessen fördern zu können, hat die Städtische Musikschule ein exzellentes "Lehrer-Kollegium" zusammengestellt. Die Profis Beatrice Bergér und Vera Ilieva unterrichten Gesang, fürs Schauspiel wurde mit Klaus-Michael Nix ein Aushängeschild des Trie rer Theaters engagiert, und fürs Ballett hat man eine private Schule mit ins Boot geholt. Keine Selbstverständlichkeit. Das Motto "Kooperation statt Konkurrenz" ist ein ganz spezielles Trie rer Modell.

Und das scheint sich auszuzahlen. An Interessenten, jedenfalls weiblichen, herrscht kein Mangel. Im nächsten Schuljahr soll der Unterricht kompakter organisiert werden, geplant ist die Trennung in Anfänger und Fortgeschrittene.

Für die beste Werbung sorgt der Erfolg: Mit Stefanie Irmen hat die erste Schülerin den Sprung auf die renommierte Hamburger "Musical Stage School" geschafft, bei der bundesweit die Bewerber Schlange stehen. "Ohne das Jahr hier wäre ich nie auf die Idee gekommen, das überhaupt zu versuchen", erzählt die 21-jährige Triererin.

Tatsächlich sieht sie auf den ersten Blick nicht wie ein kommender Musical-Star aus: eine stämmige, burschikose junge Frau, die aber schon bei den Proben erkennen lässt, dass sie Bewegungstalent und Schauspiel-begabung besitzt. Vor allem aber eine Klasse-Stimme, auch wenn die Stimmbänder nach dem sonntäglichen Public-Viewing-Wettsingen mit den Vuvuzelas noch etwas angeschlagen klingen. Schon im Herbst wird sie den Job in der elterlichen Fleischereibedarfs-Firma gegen die Ausbildung in Hamburg tauschen. Und mit Jasmina Toh steht schon die nächste auf dem (Ab-)Sprung.

Für Nina Lersch ist das noch Zukunftsmusik. Die 13-jährige AVG-Schülerin ist das Nesthäkchen und findet Musicals "einfach toll, weil da alles dazugehört". Sie will, wie die meisten Musical-Schüler, auf jeden Fall dabeibleiben. Auch wenn sie ihr Solo beim "Showing" am heutigen Donnerstag "schon ein bisschen nervös" macht.

Das gilt wohl für alle. Auch wenn sie bei der Generalprobe so strahlen, als sei das, was sie da tun, das Leichteste auf der Welt. Aber Musical ist halt die Kunst der Illusion.

Öffentliche Präsentation mit Songs, Tanznummern, Szenen aus populären Musicals am heutigen Donnerstag, 1. Juli, um 19 Uhr im Bildungszentrum am Domfreihof. Eintritt frei.