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Verkehr
Die Römerbrücke Trier besteht wieder knapp den Tüv

Peter Suggitt gehört zu dem Team, das am Dienstag die Römerbrücke unter die Lupe genommen hat. Heute ist die Napoleonsbrücke an der B 51 an der Reihe, die von den Autofahrern nicht als Brücke wahrgenommen wird.
Peter Suggitt gehört zu dem Team, das am Dienstag die Römerbrücke unter die Lupe genommen hat. Heute ist die Napoleonsbrücke an der B 51 an der Reihe, die von den Autofahrern nicht als Brücke wahrgenommen wird. FOTO: Rainer Neubert
Trier. Alle sechs Jahre steht die Hauptuntersuchung an. Momentan sind die Prüfer erneut im Einsatz. Den Ingenieuren darf kein Riss entgehen. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Als sich am Montagnachmittag die Sonne durch den Dunst kämpft und die älteste Brücke Triers in mildes Licht taucht, hellen sich auch die Gesichter der orangefarben gekleideten Männer auf, die dort mit ihrem Spezialfahrzeug eine Fahrbahn blockieren. Der Verkehr rollt dennoch zügig. „Wir hatten auch schon Eisregen und Wind“, sagt Mario Spang. Er ist bei der Stadt Trier zuständig für die Prüfung von 259 Brücken und Mauern nach einem gesetzlich vorgegebenen Muster (siehe Info). „Wenn alle sechs Jahre die Hauptprüfung ansteht, wie heute bei der Römerbrücke, wird wirklich jeder Zentimeter unter die Lupe genommen.“

Mit Hammer, Fotoapparat, Metermaß und einer kleinen Messkarte, mit der die Weite von Rissen schnell bestimmt werden kann, macht sich ein besonders geschulter Bauingenieur in einem am Ausleger eines Spezialkrans frei schwebenden Arbeitskorbs  auf die Suche nach Schäden an Brückenbogen und  Pfeilern. Weil die Anschaffung eines solchen Fahrzeugs für die Stadt unwirtschaftlich wäre, wird es mitsamt Besatzung gemietet. Zumindest die Kontrolle der großen Bauwerke wird zudem an eine externe Ingenieursfirma vergeben.

Hauptkontrolle der Römerbrücke Trier FOTO:

„Etwa 70 Prozent der Prüfungen werden von Ingenieurbüros gemacht, die speziell dafür geschulte Mitarbeiter haben“, weiß Mario Spang. Die Stadt koste das  – Spezialfahrzeug und Fachingenieure – im Durchschnitt 70 000 Euro jährlich. „Wir würden gerne mehr selbst machen, aber dafür fehlen uns Personal und finanzielle Mittel.“

Bernd Dellwo und sein Kollege Niklas Wagner bilden das zweiköpfige Team beim städtischen Bauamt, das sich um kleinere Bauwerke kümmert und auch immer dann aktiv wird, wenn schnelles Handeln gefordert ist. „Wir haben immer viel zu tun“, versichert Dellwo. Wenn zum Beispiel das Treibgut bei Hochwasser die Fundamente kleiner Brücken am Moselradweg beschädigte, würden die sofort nachgegossen.

Sofortiges Handeln sei immer Pflicht, wenn Gefahr für Dritte bestehe, macht auch Mario Spang deutlich. Angesichts der regelmäßigen Kontrollen gebe es allerdings nur selten unliebsame Überraschungen.  Die Sandbachbrücke über die Bahnschienen bei Feyen sie so eine gewesen. „Die mussten wir sofort sperren, weil sie für Fußgänger und Radfahrer nicht mehr sicher war.“

Bei der Römerbrücke droht solches Ungemach ebenso wenig wie bei der Napoleonsbrücke, die am Mittwoch intensiv unter die Lupe genommen wird. „Die Römerbrücke bekommt vermutlich zum dritten Mal in Folge eine 3,0“, prognostiziert der Mann vom Bauamt, während Kranführer Peter Suggitt und Prüfer Thomas Marolt mit Hammer, Maßstab und Prüfkatalog im Licht der schräg stehenden Sonne unter dem dritten Brückenbogen verschwinden. Das komplette Prüfungsergebnis wird erst einige Tage später vorliegen.

3,0 auf der Skala von 1,0 (sehr gut) bis 4 (ungenügend). „Da muss noch niemand Angst haben“, versichert Mario Spang. „Allerdings wird eine Sanierung in den kommenden Jahren notwendig und ist auch geplant.“ Doch es gebe auch eine gute Nachricht für die Römerbrücke: „Der 1960 errichtete Fahrbahnaufbau aus Spannbeton ist in einem guten Zustand.“

Ingenieur Thomas Marolt zeigt eine Karte, mit der er die Breite von Rissen in Betonbrücken misst.
Ingenieur Thomas Marolt zeigt eine Karte, mit der er die Breite von Rissen in Betonbrücken misst. FOTO: Rainer Neubert