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TV-Serie: Jedem ein Zuhause
Teures Wohnen: Die Immobilienbranche hat ihr Betongold in Trier entdeckt

Idylle auf kleinem Raum: So viel Spaß kann studentisches Wohnen machen. Das vermittelt zumindest dieses Foto aus einer Werbebroschüre des Studiwerks Trier über die Wohnanlage Enercase.
Idylle auf kleinem Raum: So viel Spaß kann studentisches Wohnen machen. Das vermittelt zumindest dieses Foto aus einer Werbebroschüre des Studiwerks Trier über die Wohnanlage Enercase. FOTO: Studiwerk Trier
Trier. Die Preise für Wohnungen unter 40 Quadratmeter sind explosionsartig gestiegen. Das Studiwerk Trier will dennoch weiterhin bezahlbare Studentenwohnungen anbieten. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Wer in Trier ein neues Appartement kaufen will, muss tief in die Tasche greifen. 4000 Euro pro Quadratmeter nennt der unabhängige Gutachterausschuss für die Stadt Trier als Durchschnittspreis für das Jahr 2017. Die Preissteigerung von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr lag zwar nur unwesentlich unter dem für größere Wohnungen. Bei gebrauchten Appartements gingen die Preise allerdings durch die Decke. Vor allem in der Innenstadt und den angrenzenden Vierteln ermittelten die Gutachter Preissteigerungen um 20 Prozent. In der Nähe der Universität liegt der Preissprung bei elf Prozent.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Preis bei Wohnungen aller Größen und Altersstufen liegt nach Angaben des Immobilienverbands Deutschland Region West (IVD) in Trier bei 2350 Euro. Das ist sogar mehr als in Mainz (2200 Euro).

Andreas Wagner, Geschäftsführer des Studiwerks Trier, sieht diese Entwicklung mit Interesse und Sorge. „Wir haben in Trier bei den Appartements kein Mengenproblem mehr, sondern ein Kostenproblem. Der Immobilienmarkt hat sein Betongold entdeckt. Aber die gängigen Miethöhen sind nicht das, was wir anbieten wollen.“ Maximal 300 Euro inklusive aller Nebenkosten ist die Marge, die für die 1600 Wohneinheiten des Studiwerks gilt. „Damit sind wir nicht marktkonform. “

Eine Internetrecherche auf meinestadt.de bestätigt diese Aussage. So wurden vor wenigen Tagen zwar bei Appartements in Trier bis 400 Euro Monatsmiete 41 Treffer angezeigt. Das günstigste Angebot lag bei 250 Euro kalt. Wer die Preisgrenze aus der Recherchemaske nimmt, findet auch Angebote von 530 Euro plus 100 Euro Nebenkosten für 34 Quadratmeter. Wer in einer „Residenz“ nahe den Kaiserthermen leben und lernen will, muss entsprechend zahlen.

Das Angebot auf dem freien Markt teilen sich Studenten mit Berufstätigen, die keinen Bedarf an mehr als 40 Quadratmeter Wohnraum haben. Wie viele der mehr als 20 000 Studierenden sich ein teures Appartement leisten können, ist nicht bekannt. „Dass der Protest ausbleibt, sagt nichts über die wirkliche Situation“, ist Wagner überzeugt. Anita Merten-Traut, Geschäftsführerin des Mietervereins Trier, stimmt mit solchen Bedenken überein: „Besonders in Trier werden Wohnungen zu einem immer beliebteren Renditeobjekt.“ Das treffe auch für Kleinwohnungen zu. Was im Gegenzug fehle, sei bezahlbarer Wohnraum für Familien, Alleinverdiener, Alleinstehende und Studenten.

Mitverantwortlich für diese Situation ist die Nähe zu Luxemburg, wo die in Trier gezahlten Spitzenpreise als Schnäppchen gelten würden. So kaufen oder mieten viele Menschen, die im Ländchen arbeiten, lieber in Trier und nehmen den – zumindest mit dem Auto – immer beschwerlicheren Weg ins Ländchen in Kauf.

„Wir wollen gerne der Hafen für alle Erstis sein, die mit dem Rucksack in Trier ankommen und nur wenig Geld haben“, formuliert Andreas Wagner bildhaft den Anspruch, den das Studiwerk Trier auch als Motto vermarktet: „Einfach studieren“. Alle Appartements in den fünf Wohnanlagen sind deshalb voll möbliert und verfügen über Bad und Küche, viele sind auch behindertengerecht. Vorzeigeprojekt ist dabei die nach dem Baukastenprinzip errichtete und wegen seiner Nachhaltigkeit prämierte Anlage Enercase auf dem Petrisberg. 84 Zimmer sind dort in der Vermietung. „Natürlich sind die Anfragen für diese Appartements immer zahlreich“, sagt Wagner. „Leerstände können wir uns aber auch für keines der anderen Objekte leisten. Leerstand wäre für uns fatal.“

Eine Gefahr dafür besteht derzeit nicht, auch wenn ein ähnlich großer Druck wie 2008 nicht mehr existiert. Der damalige Oberbürgermeister Klaus Jensen hatte einst vor dem Beginn des Wintersemesters öffentlich die Trierer aufgefordert, freien Wohnraum oder zumindest eine Couch für Studenten zur Verfügung zu stellen.

Das Ende der offensichtlichen Knappheit bei kleinen Wohnungen kommt dem Studiwerk gerade recht. Denn wenn das Wohnheim Martinskloster erneuert wird (der TV berichtete), müssen übergangsweise mehr als 100 Studierende in andere Unterkünfte ausweichen. „Das bekommen wir hin“, ist Andreas Wagner überzeugt. Mit vor Begeisterung glänzenden Augen erzählt er von dem geplanten Neubau. „Das wird etwas ganz Besonderes.“ Ziel sei es, auch dann die magische Marke von 300 Euro zu halten.