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| 14:01 Uhr

Bandporträt
Wenn der Viezkobold vor der Bühne tanzt

Ein Leben für den Stahl: Der Amboss ist bei Ambos von links: Andreas Reinold, Peter Lenz, Dennis Mehlich und Sonja Mehlich immer mit dabei.
Ein Leben für den Stahl: Der Amboss ist bei Ambos von links: Andreas Reinold, Peter Lenz, Dennis Mehlich und Sonja Mehlich immer mit dabei. FOTO: Karin Pütz
Trier. Die Trierer Metalband Ambos wartet nicht nur mit einer sagenumwobenen Story auf. Auch die Sängerin ist außergewöhnlich. Von Karin Pütz

Ein Viezkobold treibt in Trier sein Unwesen. Vor vielen Jahren ist er im Mattheiser Wald nach dem Genuss von zu viel Viez gestorben. Durch die Musik der Death-Metal-Band Ambos wird er wieder zum Leben erweckt und tanzt mit dem Viezporz in der Hand vor der Bühne umher.

So lautet jedenfalls der Mythos, den die Band erfunden hat. Doch diese Geschichte ist nicht das einzig Ungewöhnliche an Ambos: Sonja Mehlich (29), Dennis Mehlich (29), Andreas Reinold (39) und Peter Lenz (41) haben sich vor vier Jahren zu einer Band formiert, die in der Region wohl einzigartig ist: Sängerin Sonja Mehlich bedient sich des gutturalen Gesangs. Man könnte auch sagen: Sie brüllt die Texte tief aus vollem Hals – in der
Sprache der Musikrichtung Death Metal und Thrash Metal nennt man das Growling. Bei diesem Kehlgesang wird der Ton mit den Taschenbändern gebildet, die oberhalb der Stimmbänder liegen und eigentlich zum Räuspern genutzt werden.
Für männliche Musiker dieses Genres ist das nichts Ungewöhnliches – doch Frauen, die growlen, sind selten. Sonja kann sich das selbst nicht ganz erklären: „Vielleicht demonstriert diese Musik Aggressivität und Stärke, und das wird in unserer Gesellschaft eher Männern zugesprochen. Von Frauen wird nicht erwartet, dass sie sich so zeigen. Dabei muss man, um so zu singen, ganz entspannt sein, Aggressivität ist nicht hilfreich. Und danach fühlt man sich erst recht richtig friedlich.“
Die 29-Jährige, die seit zwei Jahren mit Gitarrist Dennis Mehlich verheiratet ist, hatte immer schon ein Faible für Metal. In der Schule habe sie zwar im Chor gesungen und bei einem Musical mitgemacht, „aber ich würde nicht behaupten, dass ich gern normal singe“, sagt sie lachend.
Dass Growling gewöhnungsbedürftig ist, wissen die Musiker: „Man liebt es oder hasst es“, meint Drummer Andreas Reinold, und Dennis Mehlich betont: „Wir nehmen unsere Musik ernst.“ Er schreibt die Musik zu den Texten seiner Frau. Dass ihre hart klingende Musik trotzdem mit Humor gespickt ist, hört man an Liedern wie „Viez des Todes“ oder „Viezkobold“.
Peter Lenz, der zum Pressetermin einen Amboss mitgeschleppt hat, sagt mit todernster Miene: „Viez und Stahl sind die elementarsten Teile unserer Musik.“ Die vier Bandmitglieder arbeiten an ihrem ersten Album, viele Auftritte hatten sie bisher noch nicht. Doch das soll sich ändern. „Wir haben aus Zeitgründen noch nicht viel ins Bekanntwerden investiert“, erzählt Sonja Mehlich, die sich demnächst um das Management kümmern wird.