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Die Vielfalt des Jazz und ein aktueller Toilettensong: 17. Jazzgipfel in der Tufa in Trier

Ralph Brauner spielt „Do You Remember“. TV-Foto: Benedikt Laubert
Ralph Brauner spielt „Do You Remember“. TV-Foto: Benedikt Laubert FOTO: Benedikt Laubert (bel) ("TV-Upload Laubert"
Trier. Mehr Auftritte als sonst: Zehn Bands und ein Solokünstler zeigen auf dem 17. Jazzgipfel vier Stunden lang unterschiedlichste Facetten des Jazz und unterstützen den Trierer Jazzclub. Der Verein hat indes eine erfreuliche Mitteilung zu machen.

Schmerz steht ihm ins Gesicht geschrieben, als Ralph Brauner die Augen zusammenkneift und "Bye Bye Friend" ins Mikrofon singt - ein Blues- und Country-Song, den er zwei Bandkollegen widmet, die gestorben sind. Brauner ist neben den zehn Bands der einzige Solokünstler an diesem Abend im großen Saal der Tufa und sein Stück ist eines der nachdenklichsten. Der laute Beifall zeigt: Auch das kommt beim Publikum an. Doch für den nächsten Song bekommt Brauner Unterstützung von dem Mann, dem die 250 Gäste diesen 17. Jazzgipfel zu verdanken haben: Nils Thoma, Vorsitzender des Trierer Jazzclubs, begleitet ihn auf dem Sopransaxofon zum Song "Do You Remember". Einige Gäste kennen das Stück aus der im November aufgeführten Jazzoper "Blue Sheets".

Alle Bands kommen aus Trier oder dem Umland, alle spielen Jazz - und doch klingt keine wie die andere an diesem Abend. Die Gruppe In Flow, die bisher für ihren Swing bekannt war, experimentiert seit kurzem mit lateinamerikanischen Rhythmen. Besonders ihre Interpretation von Wes Montgomerys "Cariba" kommt gut an. Das Trierer Trio Dreispiellos deckt mit verspieltem, ausgelassenem, mitunter rockigem Stil eine gänzlich andere Seite des Jazz ab. Die Gäste wippen und schnipsen mit. Wäre mehr Platz im Saal, einige würden jetzt sicher tanzen.

Nils Thoma vom Jazzclub steht gleich drei mal als Musiker auf der Bühne. In seiner Formation ad hoc besingt er mit vier Nachwuchsjazzern im selbst komponierten Stück "Locus n.a." die Notlage eines Touristen, der in einer fremden Stadt mal dringend muss, doch plötzlich sind sie alle weg: alle Cafés, alle öffentlichen Toiletten. Ein geradezu aktueller Song, nachdem es nun auch eine Toilettendebatte in Trier gibt (der TV berichtete).

Dem Veranstalter, dem Jazzclub Trier, geht es inzwischen besser. Klagte Thoma letztes Jahr noch über ein Nachwuchsproblem, kann er dieses Mal berichten, dass der Vorstand inzwischen sogar mehr Mitglieder umfasst (acht) als in der Satzung vorgesehen (fünf).

Insgesamt sind 350 Menschen Mitglied. Auch die Bands stärken mit ihrem Auftritt den Verein: Sie alle spielen, ohne einen Cent dafür zu verlangen. bel