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Kommunalpolitik
Die Vision vom fast autofreien Burgunderviertel

Die SPD Trier-Kürenz prescht vor bei autofreien Stadtvierteln: So könnte das Burgunderviertel in Trier-Kürenz die Trierer Vorreiterrolle übernehmen.
Die SPD Trier-Kürenz prescht vor bei autofreien Stadtvierteln: So könnte das Burgunderviertel in Trier-Kürenz die Trierer Vorreiterrolle übernehmen. FOTO: LH
Trier-Kürenz . Wenn es nach der SPD-Fraktion im Kürenzer Ortsbeirat geht, soll daraus Wirklichkeit werden. Erster Schritt:  ein Prüfauftrag an die Verwaltung. Von Ludwig Hoff

Es wäre Triers erstes autofreies Quartier, wenn der Antrag der SPD Trier-Kürenz von der Verwaltung in die Tat umgesetzt würde. Doch längst ist es noch nicht so weit, wenn es überhaupt dazu kommt. Denn: Machbarkeits-Zweifel werden in Teilen des Kürenzer Ortsbeirates laut. Dennoch: Die erste Hürde des SPD-Anliegens wurde genommen, indem im Rat beraten und dafür oder dagegen abgestimmt wurde. Ergebnis:  Acht Mitglieder schlugen sich auf die Seite des SPD-Antrages, sechs konnten sich nicht dafür begeistern. Also wandert der mehrheitlich beschlossene „Prüfauftrag“ ins Trierer Rathaus, wo sich die Fachabteilungen nunmehr mit dem Thema beschäftigen.

Von vorneherein verteufeln will die Trierer Gesellschaft für urbane Projektentwicklung (EGP)  als Mehrheitseigner von Liegenschaften und Areal seit vergangenem Jahr den Vorstoß nicht. EGP-Geschäftsführer David Becker weist indes auf viele noch zu klärende Fragen hin. Prüfenswert sei der Vorstoß allemal. Bezogen auf das Auto und seine Bis-zur-Haustür-Nutzung, oder besser auf den propagierten gänzlichen Verzicht in einem neu geplanten Burgunder-Areal, hat der SPD-Antrag durchweg radikale Züge: Stefan Wilhelm von den Kürenzer Sozialdemokraten zielt auf eine „hohe Lebensqualität“, die in einem autofreien Quartier zu erwarten wäre. Diesem Wunsch dürfte die gleich nebenan verlaufende und stark befahrene Kohlenstraße nicht entgegenstehen. Genau dies wird von Fredy Drumm (CDU) angezweifelt. Auch Ortsvorsteher Bernd Michels (CDU) kann sich mit einer Radikal-Lösung nicht so recht anfreunden. In der Praxis kaum durchführbar, findet Michels. Anders sei es bei einem verkehrsberuhigten Bereich, der ganz bestimmt eine Chance hätte. Aber in so einem Viertel ist Schrittgeschwindigkeit erlaubt, das Auto wäre also noch drin. Der im Ortsbeirat diskutierte SPD-Vorschlag  will den fahrbaren Untersatz aber gänzlich verbannen, ein Umstand, der für Menschen mit Behinderung nicht hinnehmbar sei, findet Harald Mander (CDU). Kerstin Jacob (SPD) sieht das hingegen nicht so: Warum solle das, was in Freiburg oder Hamburg möglich sei, nicht auch in Trier gelingen?

Stefan Wilhelm jedenfalls ist begeistert: Die etwas abseits gelegene Stellplatzanlage könne mit der Zeit dazu führen, das eigene Auto deutlich weniger zu nutzen. Auch könnten sich Kommunikationsmöglichkeiten ergeben, wenn man länger zu Fuß unterwegs sei.

In der Ausschusssitzung des Dezernats IV (Bauen/Verkehr)  machte die SPD derweil Eingeständnisse. Ein autofreies Burgunderviertel bedeute nicht, dass überhaupt kein Verkehr mehr stattfinde. Das Parken vor dem Haus soll aber Tabu sein.  Die Entscheidung trifft letztlich der Stadtrat.