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Domäne Trier stellt auf Biowein um

Trier. Mit einem neuen Konzept will die Staatliche Weinbaudomäne Trier neue Kunden gewinnen und ihren Bestand als Vorzeigebetrieb dauerhaft sichern. Nach einer Übergangsphase soll 2017 der erste offizielle Biowein verkauft werden. Marcus Hormes

Trier. Gleich drei Chefinnen steigen in robuster Kleidung in den Weinberg. Weinbauministerin Ulrike Höfken, Dagmar Barzen (Präsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier) und Ingrid Steiner (Leiterin der Staatlichen Weinbaudomäne Trier) haben sichtlich Spaß beim Fototermin am Donnerstag. Schnell hat das Trio einen Eimer voll Trauben gelesen - und verkündet anschließend entscheidende Neuigkeiten.
"Der Biowein boomt. Wir stellen ab 2014 auf ökologische Bewirtschaftung um und zeigen rentable Wege zum Ökoweinbau", kündigt Höfken an. Die Besonderheiten vor Ort wie Steillage, Stadtgebiet und Ausrichtung auf biologische Vielfalt prädestinierten die Domäne für diese Weiterentwicklung. Zudem böten sich große Chancen: "Deutschland ist mit über 30 Millionen Flaschen Importweltmeister von Öko-Wein. Diesen Markt wollen wir bedienen."
Die Domäne Trier bewirtschaftet insgesamt etwa 25 Hektar. Die jährlichen Verkäufe liegen bei 120 000 bis 140 000 Flaschen, umgerechnet 900 bis 1050 Hektoliter. Hubert Friedrich, Leiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum: "2012 hatten wir nur noch ein geringes Defizit. Wir streben einen voll kostendeckenden Betrieb an."Höhere Kosten, höhere Preise


Friedrich räumt ein, dass die biologische Produktion mit höherem Aufwand und höheren Kosten verbunden ist (siehe Extra). Dafür seien mit Biowein auch höhere Preise zu erzielen: "Wir werden daher unseren Kundenstamm vermutlich etwas umbauen müssen." Ab 2017 soll die Domäne die Bezeichnung Biowein verwenden dürfen.
Zentrales Element der Vermarktung ist die Betonung der hohen Qualität, Nachhaltigkeit und Bedeutung für Kulturlandschaft und Tourismus. Dagmar Barzen verweist auf die erfolgreichen Editionen hochwertiger Weine mit von Künstlern gestaltetem Etikett: "Beide Editionen sind ausverkauft." Die Aktion "Kunst und Kultur für alle Sinne" vom Juni werde fortgeführt. Ebenso die Zusammenarbeit mit der Uni Trier bei der Produktion des Uniweins.
Weitere Vorhaben: Die Domäne soll besser ans Wanderwegenetz angebunden werden. Und in diesem Zusammenhang ist ein kleiner Ausschank denkbar, etwa durch Nutzung der Terrasse hinter der Vinothek auf dem Gelände.Meinung

Experiment mit Breitenwirkung
Die Staatliche Weinbaudomäne Avelsbach hat eine jahrhundertealte Tradition. Doch das bedeutet nicht, alles beim Alten zu lassen. Gerade mit der bevorstehenden Umstellung auf Biowein wird der Betrieb seiner ureigenen Vorreiterrolle gerecht. Statt klassischer Versuchsprojekte wie früher ist die angekündigte ökologische Bewirtschaftung insgesamt ein großes Experiment, das private Winzer sehr genau beobachten werden. Es geht um den Nachweis, trotz höheren Aufwands und höherer Kosten unterm Strich genauso viel oder mehr verdienen zu können. Und um Hilfestellung, auf welche Weise das am besten zu schaffen ist. Die Wachstumsraten beim Biowein-Markt machen jedenfalls Mut. Der Innovationssprung dient der Domäne wiederum als Existenzberechtigung eines Staatsbetriebs. m.hormes@volksfreund.deExtra

1991 trat die erste EG-Öko-Verordnung in Kraft, die bestimmte Kriterien für ökologische (auch biologisch genannt) Landwirtschaft festlegt. So muss unter anderem auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet werden. Auch Bodenbearbeitung, Düngung und zahlreiche weitere Bereiche müssen bestimmte Anforderungen erfüllen. "Staatlich anerkannte Stellen kontrollieren die Einhaltung jährlich", erklärt Lotte Pfeffer-Müller, Vorsitzende des Bundesverbands ökologisch arbeitender Weingüter (Ecovin). Als neues Mitglied von Ecovin richtet sich die Domäne Trier auch nach den spezifischen Anforderungen des Verbands. cus