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Dreyer und die Datenkrake

Trier. Das Smartphone gehört besonders bei jungen Leuten einfach zum Leben dazu: Über Facebook, Skype und WhatsApp werden Texte, Fotos und Filme ausgetauscht. Das Land gibt an Schulen per Workshop Tipps, wie man etwa unerwünschtes Mitlesen vermeidet oder die Rechte anderer wahrt. Frank Göbel

Trier. Falls Lady Gaga morgen über den Trierer Hauptmarkt schlendert — darf man sie dann einfach fotografieren und das Bild bei Facebook veröffentlichen? Womit verdient Google eigentlich sein Geld? Und: Wozu braucht eine Wasserwaagen-App Zugriff auf die gespeicherten Kontakte des Smartphones? Diese und weitere kniffelige Fragen stellt die Referentin Julia Szwerinski der Klasse 8 b der Trierer Kurfürst-Balduin-Realschule plus — und ermuntert die Schüler, durch eigene Recherchen Antworten zu finden.
Erkennbares Interesse


Die besondere Unterrichtsstunde, die die jungen Leute erkennbar fesselt, ist Teil eines halbtägigen Workshops des rheinland-pfälzischen Projekts "Medienkompetenz macht Schule". Mit dem will das Land junge Menschen über Fallstricke bei der Internetnutzung informieren. Dazu wird etwa vermittelt, wie Google, Facebook und andere Unternehmen mit persönlichen Daten umgehen und welche Möglichkeiten es gibt, allzu dreisten Missbrauch einzudämmen — aber auch, was man selbst beispielsweise mit den Fotos und Videos machen darf, die sich so mit der Zeit ansammeln.
1300-mal ist der Workshop in den vergangenen drei Jahren mit 40 000 Schülern realisiert worden. Er ist eine bundesweit einmalige Initiative, wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erklärt. Sie ist mit dem Landesbeauftragen für Datenschutz, Edgar Wagner, in die Trier-Wester Schule gekommen. Gemeinsam werden sie Zeugen davon, dass die Schüler durchaus ein Bewusstsein für die Problematik haben, vor ihr aber oft auch nur achselzuckend kapitulieren können. "Was macht ihr, wenn eine App Zugriff auf eure Kontakte haben will?", fragt Julia Szwerinski und ein Schüler sagt: "Na, da tippe ich halt auf okay, besser, als die App gar nicht nutzen zu können."
Ein Phänomen, das dem Datenschützer Wagner bestens bekannt ist: "Wir nennen es das Datenschutz-Paradox: Wenn man nach der Wichtigkeit des Datenschutzes fragt, wird der zwar anerkannt. Wenn man aber konkret fragt, was der Einzelne dafür macht, sieht das schon wieder anders aus."
Workshop-Leiterin Szwerinksi zeigt den Schülern Wege aus dem Dilemma. "Wir wollen den Schülern nicht einreden, dass sie sich von Facebook verabschieden sollen, nur weil es eine Datenkrake ist", erklärt Wagner. "Aber wir wollen ihnen das nötige Wissen vermitteln, damit sie selbst entscheiden können, wie sie damit umgehen." Der Schutz der persönlichen Daten wird quer durch die Gesellschaft diskutiert. Gerade in den vergangenen Tagen überschlugen sich die Nachrichten geradezu: Die besonders bei jungen Leuten sehr beliebte Smartphone-Anwendung Whats App ist von Facebook gekauft worden, beide Unternehmen sind bisher nicht für den allzu sorgsamen Umgang mit den ihnen anvertrauten Daten bekannt. Dreyer und Wagner sind sich einig, dass es aussichtslos ist, beim Datenschutz allzu sehr auf Kooperation der Anbieter zu hoffen. Die unterschiedlich gewachsenen "Datenschutzkulturen" seien kaum unter einen Hut zu kriegen, glaubt Wagner. Darum setze das Land eben lieber auf die Stärkung der Eigenverantwortung: Nicht nur über die Workshops, die auch in Grundschulen veranstaltet werden, sondern auch die Internetseite youngdata.de, die Jugendliche gezielt zum Thema anspricht und informiert.
Weitere Infos zu den Workshops gibt es unter
www.datenschutz.rlp.de
Tipps zum sicheren Umgang mit Smartphone und Internet liefert
www.youngdata.de
Extra

Marie-Christin Frank (15): "Ich habe auch ein Smartphone. Bisher war mir das Thema Datenschutz eher egal, aber nach dem Workshop werde ich wohl mehr darauf achten." Pedro Torres (14): "Datenschutz hat mich auch früher schon interessiert. Ich habe sogar Skype wieder deinstalliert, weil ich gelesen habe, wie unsicher das ist und dass man ganz schnell ausspioniert werden kann." Dieter Junk (15): "Ich bin mit meinem Smartphone den ganzen Tag bei Facebook, WhatsApp, Instagram, Skype. Ich stelle meine Profile aber sehr genau ein, damit keine Fremden meine Sachen sehen können. Jetzt weiß ich, dass ich das mit 18 wiederholen muss, weil Facebook dann alle Daten freigibt." (fgg)/TV-Fotos (3): Frank Göbel