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Bald wird es dunkel in der Pfarrkirche St. Paulus in Trier

Mission Freimachung fast erfüllt: Nur die Altarinsel und die Kreuzigungsgruppe sind von der Inneneinrichtung  übrig geblieben.
Mission Freimachung fast erfüllt: Nur die Altarinsel und die Kreuzigungsgruppe sind von der Inneneinrichtung übrig geblieben. FOTO: TV / Roland Morgen
Trier. Die entweihte Trierer Paulus-Kirche wird vorübergehend zum Ausstellungsort. Von Roland Morgen
Roland Morgen

Die Bänke stehen jetzt in der Nachbarkirche St. Antonius, in St. Margareta in Neunkirchen-Seelscheid (NRW) und einer polnischen Kirche, die Orgel erklingt jetzt in St. Hubertus in Aach, die Sakristeiglocke läutet im Kloster Himmerod. Die drei Glocken gehen in den nächsten Wochen an den „Hunsrück-Dom“ St. Michel in Kirchberg. Die am 5. November 2017 profanierte – sprich: entweihte – Pauluskirche in Triers Altstadt steht weitgehend leer und damit einer neuen Nutzung nur wenig im Wege. „Verscherbelt“ worden sei nichts. „Es war uns wichtig, dass die Einrichtungsgegenstände möglichst für kirchliche Zwecke weitergenutzt werden. Deshalb haben wir uns mit den neuen Besitzern auf Freundschaftspreise verständigt“, berichtet Thomas Schiffler (58), Verwaltungsratsvorsitzender der Innenstadtpfarrei Liebfrauen, zu der Paulus gehörte. Hans- Günther Ullrich (57), Interims-Seelsorger von Liebfrauen, freut es zudem, dass liturgisches Gerät wie Kreuze, Kelche und Monstranzen, aufgeteilt auf die übrigen vier Gotteshäuser, in seinem Sprengel bleiben: „Wir sind demütig mit diesen Dingen umgegangen, die zum Teil Geschenke von Gläubigen waren.“

Nachdem diverse Kunstgegenstände ins Dommuseum gewandert sind, hat der mit dem Räumungsmanagement beauftragte Verwaltungsrat Ferdinand Häckmanns (70) nur noch zwei große Posten auf der Liste: die Turmuhr samt Läutewerk und die Altarinsel. Beides soll „in ebenfalls gutem Einvernehmen mit dem Amt für kirchliche Denkmalpflege“ neue Besitzer finden. Ein Sonderfall ist die 520 Jahre alte Kreuzigungsgruppe, die seit 1968 in der Apsis steht – als Dauerleihgabe der Stadt, die allerdings im Falle einer Rückgabe nicht wüsste, wohin damit. Was mit dem Denkmal geschieht, ist ebenso offen wie die Zukunft des ausgedienten Kirchengebäudes und seinem Areal. „Wir wollen die gesamte Liegenschaft bis November an den Markt bringen“, erläutert Thomas Schiffler. Alleine die Kirche zu verkaufen, sei „keine Option“; erst der 3800 Quadratmeter große Gesamtbering mit historischem Pfarrhaus (Paulusplatz) sowie Pfarrheim und einem Wohnhaus (beides Böhmerstraße) ergebe eine „wirtschaftlich sinnvolle Einheit“.

Aber bevor möglicherweise in einem Jahr ein Käufer auf den Plan tritt („Es gibt schon einige Interessenbekundungen“), kommt es zu einer bemerkenswerten Zwischennutzung: Die Nikolaus-Koch-Stiftung und das Land wollen als Mieter das 111 Jahre alte Ex-Kirchengebäude für das hochkarätige interaktive Ausstellungsprojekt „Dialog im Dunkeln“ nutzen (siehe Info).

Der nächste große Schritt der Freimachung von St. Paulus steht für kommenden Freitag, 24. August, auf dem Programm. Dann werden die Gebeine von Hieronymus Jaegen (1841-1919) umgebettet, dessen Grab sich im rechten Seitenschiff befindet. Die künftige Grabstätte von Triers „heimlichen Heiligen“ (der Seligsprechungsprozess läuft seit 1939) befindet sich im Inneren der Marktkirche St. Gangolf. Bereits nach Gangolf „umgezogen“ ist im Mai das Grab von Dechant Jakob Roschel (1854-1933), dem Bauherrn der Pauluskirche. Ironie der Geschichte: Roschel wurde in Kirchberg geboren, wo nun die Glocken von St. Paulus läuten.

Wartet auf eine neue Nutzung: die im November 2017 entweihte Pauluskirche in der Trierer Altstadt. Foto: Roland Morgen
Wartet auf eine neue Nutzung: die im November 2017 entweihte Pauluskirche in der Trierer Altstadt. Foto: Roland Morgen FOTO: TV / Roland Morgen
1905/07 in neuromanischem Stil erbaut: die Pauluskirche.
1905/07 in neuromanischem Stil erbaut: die Pauluskirche. FOTO: TV / Roland Morgen