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Ehranger B-422-Baustelle: Frust über Dauersperrung - Informationspolitik der Stadt Trier lässt Fragen offen

Arbeiten mit Hochdruck: Zahlreiche Bautrupps der Firma Schnorpfeil sind an verschiedenen Stellen der Baustelle am Werk. TV-Foto: Friedhelm Knopp
Arbeiten mit Hochdruck: Zahlreiche Bautrupps der Firma Schnorpfeil sind an verschiedenen Stellen der Baustelle am Werk. TV-Foto: Friedhelm Knopp FOTO: Friedhelm Knopp (f.k.) ("TV-Upload Knopp"
Trier-Ehrang/Kordel. Kein Durchkommen gibt es seit April in Ehrang für den Verkehr aus dem Raum Kordel. Ehrang selbst ist durch die Baustelle in zwei Hälften geteilt. Erst sollte die Sperrung bis Juli dauern. Dann verlängerte das Trierer Tiefbauamt auf Ende August. Aber auch dieser Termin ist hinfällig. Friedhelm Knopp

Trier-Ehrang/Kordel. "Ich weiß zwar, was alles geplant ist, aber keiner bei der Stadt sagt mir, was wirklich wann gemacht werden soll und wie lange es dauert", stöhnt der Ehranger Ortsvorsteher Thiébaut Puel. Er vermutet, dass "da irgendetwas nicht so schnell gegangen ist". Und der Kordeler Ortsbürgermeister Medard Roth (FWG) beschwert sich im Namen seiner Gemeinde und der Nachbardörfer über die Ehranger B-422-Dauersperrung. Deren Bewohner sind davon seit Monaten am härtesten betroffen. Gerade aus dem Urlaub zurück, hat Roth erfahren, dass die angekündigte Öffnung des wichtigsten Trier-Zugangs wieder keinen Schritt vorangekommen ist. Roth zum TV: "Das ist ein Unding. Was machen die mit uns? Mich interessiert die Sache ab sofort auch politisch."

Anfang August sei er zuletzt auf der Baustelle gewesen, da habe es plötzlich "voraussichtlich Ende Oktober" geheißen. Ein Vorstoß Roths beim Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) endete vergangene Woche mit dem Hinweis, dass der Chef erst am 22. September für einen Termin frei sei. Sobald Bürgermeister Wolfgang Reiland (CDU) von der Verbandgemeinde Trier-Land aus dem Urlaub zurück sei, so Roth, werde er mit ihm zunächst beim neuen Trierer Baudezernenten Andreas Ludwig vorsprechen.

Gelassen reagiert Bertrand Adams, der seinen Metzgerei-Grillstand für den Ehranger Markt aufbaut. "Ich kann nur bestätigen, dass die dort ganze Arbeit leisten", sagt das Trierer CDU-Stadtratsmitglied. Bei Großprojekten laufe es halt nicht immer so glatt wie zunächst geplant. Adams: "Hier machen einige die Welt verrückt wegen ein paar Terminverschiebungen. Aber kommt es bei so einem Projekt auf drei Wochen mehr oder weniger an?" Die Ehranger sollten stattdessen froh sein, dass die Stadt hier endlich Nägel mit Köpfen mache.

Tatsächlich ist diese Baustelle nicht nur zeitlich lang: Die Trasse der neuen B-422-Ortsumgehung reicht von der Einmündung Karrenbachtal bis zur Kyllstraße, wo sie später in einen Kreisel einmünden soll. Die neue Ortsumgehung führt quer durch ein ehemaliges Industriegelände. Bevor sie auf die neue Trasse schwenkt, zwängt sich die Straße - hier heißt sie noch Friedhofstraße - zwischen einer felsigen Steilwand und der Kyll vorbei. Dort, unterhalb eines einzelnen Wohnhauses im Hang, stand einmal die sogenannte Blumenfabrik. An ihrer Stelle sichern heute frische Betonwände den Hang. Etwas weiter ortseinwärts entsteht derzeit die neue Anbindung zur Oberstraße in Richtung Ehrang-Mitte.

Ein Jahr nach Baubeginn ist fast nichts geblieben, wie es war. Dennoch wirken weite Teile der neuen Umgehung noch unfertig - planierter Schotter statt frischer Asphalt prägen auf sehr vielen Metern das Bild. An verschiedenen Stellen arbeiten Trupps der beauftragten Firma Schnorpfeil an Details wie Randsteinen oder Pflasterungen. LKW kippen tonnenweise Schotter auf Halde. Dazu sind weitere Fachbetriebe auf dem Gelände tätig. Die Terminlage scheint aus dem Ruder gelaufen zu sein. Immerhin gab es gestern auf der Baustelle eine inoffizielle Erklärung von einem Mitarbeiter - "aber bitte ohne Namen". Danach seien die letzten 140 Meter der Friedhofstraße bis zur Karrenbachstraße so marode gewesen, dass sie entgegen der ersten Planung auch erneuert werden mussten. Das habe alles verzögert.

Offizielle Informationen der Stadt Trier, dem Bauherrn der Ortsumgehung, tröpfeln spärlich bis gar nicht. Im Juli hatte das städtische Presseamt auf Nachfragen des TV eine Pressekonferenz angesagt. Die wurde per E-Mail einen Tag vorher am 28. Juli "wegen eines Krankheitsfalls" abgesagt. Danach hieß es auf Anfragen öfter "nächste Woche" oder "in 14 Tagen". Inzwischen ist es September. Am Freitag kündigte das Pressamt eine Erklärung für Ende dieser Woche an (der TV berichtete am Samstag).Meinung

Und das Rathaus schweigt
Jahrzehntelang hatten die Ehranger auf ihre B-422-Ortsumgehung gewartet - nun wird sie Wirklichkeit. Und das gleich in großer Ausführung, da hat die Stadt Trier richtig Geld angefasst - auch wenn es ihr schwerfällt. Angesichts der finanziellen und technischen Dimensionen erscheint daher der Ärger über mehrfach verschobene Fertigstellungstermine zunächst kleinlich. Doch es ist nicht das mehrfach verzögerte Ende der Sperrung, was die Leute in Ehrang und im Raum Kordel nervt. Schlimmer ist die unmögliche Informationspolitik der Stadt, die für Privatanlieger und Gewerbetreibende jegliche Planung verhindert. Das fängt beim Heizölkauf an und endet mit Kundenterminen in der Südeifel. Seit Wochen geht das nun so, und niemand im Trierer Rathaus scheint in der Lage zu sein, über das Warum und Wieso eine verlässliche Auskunft zu geben. Dass deshalb Ärger und Gerüchte über die Vertuschung von angeblich schweren Mängeln aufkommen, ist verständlich. Die Stadt Trier muss ihre Informationspolitik im Interesse der Bürgerfreundlichkeit grundsätzlich überprüfen. trier@volksfreund.deExtra

Für Hunderte Trier-Pendler aus dem Raum Kordel ist die Straße seit Anfang Mai voll gesperrt. Die offizielle Umleitung über die B 51 verlängert die Fahrt um rund 15 Kilometer. Eine enge und zeitraubende Umleitung über Butzweiler ist auch keine Alternative. Die Bewohner der "abgeschnittenen" nördlichen Ehranger Ortsteile erhielten eine Behelfszufahrt durch den Meulenwald. Aber die wird zum Leidwesen der Anlieger auch von "Transitreisenden" aus der Südeifel genutzt. Und wenn's auf der Heide brennt, darf die Trierer Feuerwehr nicht mit ihren schweren Fahrzeugen die Behelfsstrecke nutzen, sondern die Kordeler müssen aus großer Distanz im Notfall ersatzweise ran. Selbst Heizöllieferungen werden wegen der Beschränkungen zum Riesenproblem (der TV berichtete). f.k.Extra

Werner Ort (58), Ehrang: "Ich wohne auf der Hinteren Heide und bin eben zu Fuß über die Baustelle in den Ort runtergegangen. Dort sieht es aus, als würden die erst im November fertig. Aber warum das so ist, erfährt man nicht. Es ist doch verständlich, dass sich die Anwohner regelrecht vera... fühlen." Mario Steuer (38), Ehrang: "Ich habe einen Innenausbaubetrieb hier im Ort und Kunden im Raum Kordel. Da geht schon mal eine Stunde mehr drauf mit der Fahrerei. Ärgerlich ist auch, dass keiner sagen kann, wann die Sperrung vorbei ist. Schön ist aber schon heute die Ruhe in der Oberstraße, die uns wohl erhalten bleibt." Fulvio Gurini (52), Ehrang: "Ich habe mit meinem Eiscafé an der Kyllstraße einen großen Kundenstamm bei den Durchfahrern aus dem Raum Butzweiler und Kordel. Der ist seit der Sperrung natürlich weg. Mein Umsatzverlust liegt bei 15 bis 20 Prozent. An so einer wichtigen Straße müsste in zwei Schichten gearbeitet werden." f.k.

FOTO: Friedhelm Knopp (f.k.) ("TV-Upload Knopp"
FOTO: Friedhelm Knopp (f.k.) ("TV-Upload Knopp"
FOTO: Friedhelm Knopp (f.k.) ("TV-Upload Knopp"