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Eigene Antenne im Garten

Seit mehr als 60 Jahren ist Hans-Henning Heß unter seinem Rufzeichen DJ7HH aktiv und berichtet von seinen Begegnungen beim Amateurfunk. Seine Passion für ein heute fast unbekanntes Hobby hält an. Im TV erzählt er von seinen Erfahrungen.

Meine erste Begegnung mit dem Thema Radio und Funk hatte ich durch die Heftreihe Hobby, in der damals ein Artikel war: "Das Radio aus der Seifendose". Das hat mich sehr fasziniert und bis zum heutigen Tage festgehalten. Inzwischen sind es schon fast 65 Jahre. Damals war das mit dem Amateurfunk alles nicht so leicht wie heute, man musste nach Möglichkeiten, etwas zu lernen, suchen. Wo finde ich Ansprechpartner und wo gibt es Lehrgänge? Zum Glück habe ich damals in Frankfurt gewohnt, und dort gab es einen Ortsverband mit schon 500 Mitgliedern. Dort waren wir Jugendliche sehr willkommen und konnten direkt einen Amateurfunklehrgang machen. Wir haben nach einem Dreivierteljahr intensiver Arbeit dann mit etwa zehn Mann die Amateurfunkprüfung gemacht. Ich war erst 17 und habe deswegen nicht direkt die Lizenz bekommen, sondern erst zu meinem 18. Geburtstag mit der Post. TV-Serie Mein Verein

Damals war das Funken, technisch gesehen, noch in einem sehr einfachen Rahmen gehalten: Man hat selbst kleine Empfänger gebaut, ein bisschen auf Kurzwelle zugehört und die erfahrenen Funker, die schon in der ganzen Welt Verbindungen hatten, bewundert. Wir Jugendlichen hatten das Glück, dass viele der älteren Mitglieder uns gerne geholfen haben, Sender zu bauen und diese in Betrieb zu nehmen. Am Anfang haben wir fast nur gemorst, also telegrafiert, weil das technisch einfacher umzusetzen war. Danach kam dann die Telefonie, also das Sprechen dazu. Die Telefonie hat sich bis heute so weit durchgesetzt, dass man für die Amateurfunkprüfung gar nicht mehr telegrafieren können muss, was früher Bedingung war. Heute nimmt das Interesse am Morsen seltsamerweise wieder zu, was aber den Vorteil hat, dass auch in ihren technischen Möglichkeiten beschränkte Funkamateure rund um die Welt kommunizieren können. Ich hatte damals sehr großes Interesse an weiten Verbindungen und habe dadurch viele Amteurfunkfreunde in Südamerika und Afrika gewonnen. Diese Männer und Frauen habe ich in den Jahren darauf auch fast alle bei zahlreichen Besuchen - auch mit mehreren Funkfreunden aus Trier - persönlich kennengelernt. Man geht in Amateurfunkerkreisen häufig sehr familiär miteinander um und lädt sich gegenseitig ein. Die Verbindungen bleiben meistens bis zum Lebensende bestehen.Der Ortsverband hier in Trier besteht schon seit den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg und hat im Moment etwa 50 bis 80 Mitglieder. Wir machen vom Verband aus viele Veranstaltungen zusammen, was ich sehr schön finde. Beim Kindertag in Konz zum Beispiel hatten wir einen Stand und haben dann den Kleinen den Amateurfunk vorgestellt.Leider ist es heute sehr schwierig, Nachwuchs zu finden, weil die meisten über Handy und Internet weltweit vernetzt sind. Aber es gibt große Unterschiede zwischen Handy und Funk. Wir Amateurfunker sind keine anonyme Masse. Es ist individueller, weil man ein Hobby teilt, dass auch eine gewisse persönliche Anstrengung erfordert. Man trifft sich auch auf Messen. Die beste Möglichkeit dafür ist die HAM-Radio-Messe, das größte europäische Treffen für Amateurfunker, das jedes Jahr in Friedrichshafen stattfindet. Aufgezeichnet von Sabrina Lambers Extra

Der Deutsche Amateur-Radio-Club ist 1950 gegründet worden. Mit mehr als 38 000 Mitgliedern ist er der größte Zusammenschluss deutscher Funkamateure. Trier ist einer der 1050 Ortsverbände; die Mitglieder treffen sich jeden zweiten Freitag im Monat um 19 Uhr im Restaurant "Glashaus" in Tarforst. sml darc.de