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Ein atemberaubendes Hobby

Schon als Kind hat die 25-jährige Ines Zießau davon geträumt, wie ein Vogel lautlos durch die Luft zu fliegen. Inzwischen hat sie ihren Traum verwirklicht und ist seit 2010 Mitglied im Drachenfliegerclub Trier (DFC-Trier). Aufgezeichnet Karin Pütz

Angst? Nein, die darf man beim Drachenfliegen nicht haben. Aber Respekt vor den Wetterverhältnissen. Der Wind muss stimmen, bevor ich mich auf der Rampe von ihm in die Lüfte heben lasse. Beim Anlauf spüre ich, wie der Drachen mich beim ersten Schritt trägt, beim zweiten Schritt zieht er mich hoch, beim dritten Schritt hebe ich schon ab, und wenn ich dann in die Luft entlassen werde, ist das einfach traumhaft.
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Das Gefühl, in der Luft zu sein, ist unbeschreiblich. Bei einem meiner ersten Flüge in den Alpen flog sogar ein Steinadler ganz dicht neben mir. Das war einfach atemberaubend. Hier an der Saarschleife in Serrig freue ich mich, wenn die Bussarde mit mir fliegen. Es sieht fast so aus, als warteten sie nur darauf, dass man startet. Dann fliegen sie auch los und kreisen um uns Drachenflieger.
Der Drachenfliegerclub Trier unterhält mehrere Gelände, von denen aus man starten kann. Neben der Rampe in Serrig mit wunderschönem Ausblick auf die Saarschleife gibt es auch Abflugrampen in Neumagen-Dhron, Riol und Maring-Noviand, die je nach Windrichtung genutzt werden. Zusammen mit meinem Freund Timo, den ich seinerzeit durch das Drachenfliegen kennengelernt habe, komme ich extra aus Bergisch-Gladbach, um einige Stunden mit unseren Drachen in der Luft zu verbringen. Die Vereinsmitglieder des DFC Trier kommen teilweise von weit her. Bei uns in der Gegend gibt es ja nur kleine Hügel, die zum Drachenfliegen ungeeignet sind.
Der Verein hat keine festen Flugzeiten, wer Lust hat, packt seinen Drachen ein und fährt zur Rampe. Wer da ist, ist da. Meistens trifft man andere, die gerade den Drachen aufbauen und starten wollen.
Zum Teamsport wird das Drachenfliegen nur vor dem Start, wenn man jemanden braucht, der hilft, den Drachen zu halten. Die Ausbildung zum Drachenflieger verläuft in mehreren Etappen. Um alleine fliegen zu dürfen, benötigt man den A-Schein, den man innerhalb weniger Wochen abschließen kann. Man beginnt mit Laufübungen an kleinen Hügeln, bis man zum ersten Mal von einer großen Rampe startet. Ich vergleiche es mit dem Autofahren: Die Grundkenntnisse lernt man in der Schule, Erfahrungen muss man selber machen, die kommen mit der Praxis.
Vor allem habe ich bei diesem Sport gelernt, mich selbst einzuschätzen. Der Aufbau des Drachens ist für mich eine fast meditative Handlung, die mich auf den Flug vorbereitet. Ich baue den Drachen zusammen und checke, ob alles sitzt und nichts beschädigt oder locker ist, und freue mich auf das, was kommt.
Timo und ich stehen während des Fluges nicht per Funk in Verbindung, obwohl die Möglichkeit besteht. Wir genießen lieber die Stille in den Lüften. Aber vor sich hinträumen darf man nicht, alle Sinne laufen auf Hochtouren.
Aufgezeichnet von Karin Pütz
Extra

Der Drachenfliegerclub Trier besteht seit 1976 und hat 225 Mitglieder. Erster Vorsitzender ist Sascha Nilius. Mitgliedsbeitrag: 50 Euro jährlich, einmaliger Aufnahmebetrag 50 Euro. Kontakt: sascha.nilius@dfc-trier.com www.dfc-trier.com