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Ein Leben mit dem Schmerz

Beim Walken findet die 43-jährige Ursula Martini Ablenkung von den Schmerzen. TV-Foto: Louisa Klein
Beim Walken findet die 43-jährige Ursula Martini Ablenkung von den Schmerzen. TV-Foto: Louisa Klein
Chronische Schmerzen bedeuten für Betroffene eine tägliche Herausforderung, den Alltag zu meistern. So auch für die 43-jährige Ursula Martini aus Trier, die seit 20 Jahren unter chronischen Rückenschmerzen leidet. In der Selbsthilfegruppe "Chronische Schmerzen" erfährt sie Unterstützung. Von unserer Mitarbeiterin Louisa Klein

Trier. Ein Leben ohne Schmerzen - für die meisten Menschen ist das selbstverständlich. Chronisch Schmerzkranke können davon nur träumen. Die Trie rer in Ursula Martini zum Beispiel, die seit einem Unfall 1990 an chronischen Rückenschmerzen leidet. Seitdem hat die 43-Jährige viele Therapien und Medikamente ausprobiert. Für die Betroffenen ist es oft ein langer Weg herauszufinden, was für sie persönlich hilfreich ist.

Neben typischen Therapien wie autogenem Training oder Muskeltiefen-Training sind es vor allem individuelle Entspannungstechniken, die Erleichterung in den Alltag bringen können.

Den Alltag zu Meistern ist eine Herausforderung



"Man kann nicht den ganzen Tag an die Schmerzen denken", sagt Ursula Martini. "Es geht einfach darum, dass man etwas tut. Etwas das einem hilft, sich aus dem Schmerzgewirr herauszudenken." Sie selbst hat lange Zeit Thai-Chi gemacht, heute geht sie walken. Aber nicht nur Sport, auch kreative Hobbys wie Malen oder Töpfern können helfen, sich für einige Zeit auf andere Gedanken zu bringen. Bei vielen alltäglichen Dingen müssen chronisch Schmerzkranke Abstriche machen: "Ich könnte mir zum Beispiel niemals einen Kinofilm anschauen, der drei Stunden dauert", erzählt Martini.

Alleine das Meistern des Alltags ist schon eine große Herausforderung. "Man kann nicht viel im Voraus planen", berichtet die Patientin weiter. "Wenn ich heute eine Verabredung für morgen Abend treffe, weiß ich nicht, ob ich die auch wirklich werde wahrnehmen können." Zu groß sei die Unberechenbarkeit des Schmerzes. Das könne langfristig auch zu Schwierigkeiten im sozialen Umfeld führen, denn vielen Außenstehenden fehle das Verständnis für diesen Zustand. "Wenn keine äußeren Verletzungen zu sehen sind, ist es für manche Leute schwer nachvollziehbar, dass man ständig Schmerzen haben kann", erzählt Martini.

Was ihr dann hilft, sind die Gespräche mit Gleichgesinnten in der Selbsthilfegruppe "Chronische Schmerzen", die sich alle drei Wochen in der Familienbildungsstätte Trier trifft. Dort können sich die Betroffenen austauschen und einander Tipps geben, beispielsweise über neue Therapien und Medikamente, oder einfach über das persönliche Befinden und den Umgang mit den Schmerzen. Einige der Treffen stehen auch unter einem bestimmten Motto, für Ende Mai ist beispielsweise eines zu dem Thema Homöopathie geplant.

"Manchmal machen wir aber auch einfach nur einen Spaziergang oder gehen Pizza essen", sagt Martini. Für ein Stückchen Normalität.

Kontakt zur Selbsthilfegruppe vermittelt die Trierer Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle (Sekis) unter Telefon 0651/141180 oder per E-Mail an kontakt@sekis-trier.de

ExtraVon chronischem Schmerz spricht man nach einer Definition des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, wenn Schmerz länger als sechs Monate anhält oder immer wiederkehrt. Oft sei kein Zusammenhang mehr zwischen dem Schmerz und der Schädigung beziehungsweise der Erkrankung, die einst den Schmerz auslöste, erkennbar. "Der Schmerz hat seine Warnfunktion verloren und ist zu einem eigenständigen Krankheitsbild geworden." Schätzungen zufolge leiden in Deutschland rund sechs Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Bei 500 000 bis 600 000 Patienten liegt ein schwer therapierbares Schmerzsyndrom vor. Rückenschmerzen stellen die häufigste Form chronischer Schmerzen dar, Kopfschmerzen stehen an zweiter Stelle. (red)