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Ein Schandfleck mitten in Trier

Schutt mitten in der Stadt: Zurzeit dient der Paulusplatz als Abladestelle für Baumaterial der Ausbaumaßnahme Walramsneustraße. Tv-Foto: Marcus Stölb
Schutt mitten in der Stadt: Zurzeit dient der Paulusplatz als Abladestelle für Baumaterial der Ausbaumaßnahme Walramsneustraße. Tv-Foto: Marcus Stölb
Trier. Er liegt nur wenige Fußminuten vom Trierer Hauptmarkt entfernt und ist umgeben von denkmalgeschützten Gebäuden, doch aktuell wird der Paulusplatz vor allem zum Abladen von Baustoffen und Schutt genutzt. Dabei hätte die Fläche eigentlich eine Aufwertung verdient. Marcus Stölb

Trier. Detlef Jahn formuliert es diplomatisch: Die Hochschule würde sich "natürlich freuen, wenn der Platz noch ein wenig schöner würde", sagt ihr Kanzler mit feiner Ironie. So wie sich die Fläche aktuell präsentiert, kann sie nur schöner werden. Seit Wochen schon werden auf dem Paulusplatz Schutt und Baustoffe abgeladen. "Es handelt sich um Baumaterialien aus der Maßnahme ‚Ausbau Walramsneustraße‘, die aus Platzgründen nicht direkt bei der Baustelle gelagert werden können", erklärte ein Rathaus-Sprecher auf Nachfrage. Nach Abschluss der Arbeiten werde der Platz aber wieder geräumt, verspricht er.Zwischen City und Mosel


Doch mit einer Räumung ist es nicht getan. Seit Jahrzehnten ist man sich darin einig, dass die Brache zum Reigen jener innerstädtischen Plätze gehört, die aufgewertet werden müssten. So sahen es die Mitglieder einer von der Stadt berufenen Kommission "Plätze in Trier", und so war es auch erklärter Wille des Stadtrats. Während Domfreihof und Kornmarkt, Simeonstiftplatz und zuletzt Bischof-Stein-Platz umgestaltet wurden, stehen Porta-Nigra-Umfeld, Irminenfreihof und Rindertanzplatz noch aus - und eben der Paulusplatz.
Der wird täglich von Hunderten Schülern und Studierenden passiert, aber auch von zahlreichen Bewohnern des Viertels. Zudem liegt er zwischen Fußgängerzone und Mosel, könnte also auch hier eine Verbindung schaffen. "Ich werde täglich auf den Platz angesprochen", berichtet Marlies Bremer. Seit drei Jahren betreibt sie die Essbar. Das Bild, das sich vor ihrem Bistro bietet, verleidet ihr bisweilen die Laune: "Da wächst Unkraut, liegen Steine rum und ist ein Hundeklo; die Fläche ist nicht mal richtig befestigt." Gerne würde sie ein paar Tische und Stühle aufstellen und hierfür natürlich auch Pacht zahlen. Das Okay der Stadt habe sie hierfür, "aber so ist der Platz ja nicht nutzbar".
"Der Paulusplatz wäre ein hervorragender Quartiersplatz", sagt derweil Dominik Heinrich. Der Architekt und Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld regte vor Jahren an, zumindest ein paar Bäume zu pflanzen. Doch das sei von der Stadt abgelehnt worden, weil eine Gesamtplanung fehle. Derartiges forderte vor einem Jahrzehnt allerdings auch die damals noch als FH firmierende Hochschule. Als 2003 die frühere Kunstgewerbeschule umfassend saniert wurde, wollte man dies mit einer Aufwertung des Umfelds verbinden. Also trat die FH mehrfach an die Stadt heran. "Wir hätten uns mit dem Land und der Stadt abgestimmt und gemeinsam eine Planung entwickelt, die den gesamten Platz umfasst hätte", berichtet Jahn. Doch als vonseiten der Stadt außer Verständnis für das Anliegen nichts kam, "haben wir einseitig unseren Teil gemacht".
Seither präsentiert sich der Eingangsbereich der Hochschule in einem besseren Zustand, doch Jahn sagt auch: "Das ist nicht in Stein gemeißelt." Soll heißen: Würde die Stadt eine Umgestaltung des Platzes in Angriff nehmen, wäre man zu einem gemeinsamen Vorgehen nach wie vor bereit. Dass sich absehbar etwas tun wird, scheint jedoch wenig wahrscheinlich: "Aufgrund der Haushaltslage der Stadt und der aktuell anstehenden Projekte" sehe man "derzeit keine Finanzierungsmöglichkeiten zur Umgestaltung", teilte die Verwaltung mit.Meinung

Kleiner Platz in Not
Ob Domfreihof, Kornmarkt oder auch der Bischof-Stein-Platz: Triers umgestaltete Plätze können sich sehen lassen und haben wesentlich dazu beigetragen, die Attraktivität der Stadt deutlich zu erhöhen - für Touristen und Einheimische. Für den Paulusplatz gibt es bislang weder einen Plan noch das nötige Geld, um die Fläche aufzuwerten. Doch das rechtfertigt weder Nichtstun noch Desinteresse. Schließlich handelt es sich um einen für Trier einzigartigen Quartiersplatz: die geschlossene Bebauung, das Fehlen von Bausünden, aber auch seine Überschaubarkeit verleihen ihm einen ganz eigenen Charme. Obendrein sorgt die Hochschule für Leben im Viertel. Lieber heute als morgen würden die Studierenden die Fläche in Beschlag nehmen. Den großen Wurf wird es aber so schnell nicht geben, dafür fehlen die Mittel. Den Platz deshalb aber in seinem jämmerlichen Zustand zu belassen, wäre eine Schande und obendrein eine vertane Chance. Eine kleine Lösung muss nun her: eine angemessene Platzoberfläche, der ein oder andere Baum, ein paar Sitzgelegenheiten. Vor allem aber muss die Fläche wieder gepflegt werden! Bis zum kommenden Frühjahr müsste das machbar sein. Der Paulusplatz ist und bleibt auch dann ein Provisorium. Doch ein innerstädtischer Schandfleck, der sich als Schutthalde anbietet, darf er nicht mehr sein. trier@volksfreund.deExtra

Was wird aus St. Paulus? Seit Jahren plant die zuständige Pfarrei Liebfrauen, den 1907 errichteten neoromanischen Sakralbau profanieren zu lassen. Damit wäre der Weg frei für eine neue Nutzung. Doch weil sich eine solche Nutzung bislang noch nicht abzeichnet, ist noch offen, wann die Kirche entweiht wird, erklärt Domkapitular Hans Wilhelm Ehlen auf Nachfrage. Bei einem Wettbewerb des ehemaligen Bistumsarchitekten Professor Alois Peitz entwickelten vor drei Jahren Studierende der Hochschule schon mal Ideen für eine neue Nutzung. Die reichten von einer Kleinkunstbühne über ein Tanzcafé bis hin zu einem Restaurant. Wie in ehemaligen Kirchen neues Leben einziehen kann, zeigt das Beispiel Maastricht. Dort dienen einstige Gotteshäuser heute als Buchhandlungen, Cafés und Restaurants. mst