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Ein seltener Fall von Doppelbegabung - Bill Marsh, Sänger und Kampfsportler, wird 70 Jahre alt

Bill Marsh in seinen beiden Elementen: Beim Abschied der Black Cats im Brunnenhof mit Sohn James, Ehefrau Gisela und dem im vergangenen Jahr gestorbenen Sänger Oliver Rohles (oben, von links), und als Karateka mit einer seiner zahlreichen Urkunden. TV-Foto: Archiv/ Ralf H. Jakobs, Annika Stehno, Cenk Cigde
Bill Marsh in seinen beiden Elementen: Beim Abschied der Black Cats im Brunnenhof mit Sohn James, Ehefrau Gisela und dem im vergangenen Jahr gestorbenen Sänger Oliver Rohles (oben, von links), und als Karateka mit einer seiner zahlreichen Urkunden. TV-Foto: Archiv/ Ralf H. Jakobs, Annika Stehno, Cenk Cigde
Trier. Er hat die Trierer Musikszene über Jahre mitgeprägt, etlichen Schülern die Philosophie des Karate-Sports beigebracht, zahllose Zuhörer mit seiner sanften Soul-Stimme gestreichelt: Am Sonntag wird Bill Marsh 70 Jahre alt. Wer ihn sieht, mag's nicht glauben. Dieter Lintz

Trier. Es war, wie so vieles im Leben, der blanke Zufall. Im November 1966 machte sich an einem kühlen Abend ein amerikanischer GI aus Birkenfeld auf den Weg nach Hermeskeil, wo im beliebten Tanzcafé Gondola eine Trierer Beat-Band namens "The Black Cats" auftrat. Spontan sprang der junge Mann, er hieß Bill Marsh, auf die Bühne, sang ein Lied mit - und wurde bald darauf der Sänger der Black Cats.
Ein Jahr später, Marsh hatte seinen Freund Mel Jackson überredet, ebenfalls als Sänger einzusteigen, passierte etwas Dramatisches: Bill Marsh erhielt den Marschbefehl nach Vietnam. Doch in Trier war er inzwischen so populär, dass sich der damalige Bürgermeister Paul Kreutzer massiv für ihn einsetzte.
Er sei als Symbol der Völkerfreundschaft für Trier unverzichtbar, schrieb der Politiker an den Oberkommandierenden der US-Truppen in Deutschland. Und das Wunder passierte: Marsh wurde freigestellt, und er blieb in Trier - auch der Liebe wegen.Zahlreiche Karategürtel


Die Black Cats blühten auf, tourten europaweit, spielten im Vorprogramm der Beach Boys, füllten mit Wilson Pickett, Aretha Franklin, Alexis Korner, Spencer Davis und den Hollies die Säle. Der Plattenverlag Emi-Electrola nahm sie unter Vertrag, das ZDF drehte ein Porträt.
Doch dann flog die Band auseinander: Manche, wie Mel Jackson oder Edgar Bösen alias Alb Hardy, strebten erfolgreich Richtung Profi-Karriere. Andere wollten ihre "bürgerliche Existenz" nicht einem unberechenbaren Show-Business opfern.
Für Bill Marsh war es die Gelegenheit, neben der Musik ein anderes Talent weiter zu entwickeln: jenes für asiatischen Kampfsport. Das entsprechende Faible hatte er stets gepflegt, auch als Musiker. "Er hat auf den Tourneen überall und in jeder Pause trainiert", erinnert sich Edgar Bösen. Entgegen allen Musiker-Klischees mied Marsh auch Alkohol und Zigaretten, hielt Körper und Stimme fit. Das zahlte sich bei den diversen Comebacks der Black Cats aus. 1984, zum Trierer Stadtjubiläum, stand er auf dem Hauptmarkt erstmals nach 14 Jahren wieder mit den alten Kollegen auf der Bühne. 1987 ging es weiter, in den 90er Jahren war die Band vielfältig aktiv, produzierte sogar eine CD. Doch dann kamen Schicksalsschläge wie der Tod von Mel Jackson, und die Black Cats gaben 2004 ihr Abschiedskonzert.
Derweil hatte Bill Marsh einen Karate-Gürtel nach dem anderen erworben, bekam den Titel eines amerikanischen Großmeisters, holte den achten Dan des Shorinji Ryu Karate und wurde feierlich zum Shihan, dem "Lehrer der Meister" ernannt. Auch mit 70 ist sein Körpereinsatz perfekt - nur dass, wie er einräumt, "die Knochen manchmal etwas knacken". Was nichts macht, denn "Karate ist eine Lebensaufgabe, bei der es mehr um Charakterbildung als um Kampf geht".
Geblieben ist aber auch die geschmeidige Eleganz der Soul-Stimme, seit gut einem Jahr auch wieder im Rahmen einer Band mit alten Kollegen und Weggefährten. "MixxTape" heißt die Combo, von der man noch in größerem Rahmen hören wird.
Seinen Geburtstag will Bill Marsh aber in kleinerem Rahmen feiern, mit der Familie um Ehefrau Gisela, Tochter Janet und Sohn James, die Trierer Basketball-Legende. "Die letzten Nuller habe ich groß gefeiert", verrät er, "diesmal soll es etwas ruhiger zugehen."