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Eine Ehrung für Aussöhnung und Frieden

Ein Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft: Für sein langjähriges Engagement verleiht der Anaffa-Vizepräsident Roland Bouvet (rechts) dem Trierer Adolf Welter (links) Urkunde und Medaille. TV-Foto: Lisa Bergmann
Ein Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft: Für sein langjähriges Engagement verleiht der Anaffa-Vizepräsident Roland Bouvet (rechts) dem Trierer Adolf Welter (links) Urkunde und Medaille. TV-Foto: Lisa Bergmann
Trier. Der 50. Jahrestag des Elysée-Vertrages wird nicht nur in der großen Politik gefeiert. Auch im Kleinen, auch hier in Trier gibt es Beispiele für eine gelungene deutsch-französische Freundschaft. In Trier ehrte die Gesellschaft der ehemaligen Soldaten der französischen Streitkräfte in Deutschland den Trierer Heimatforscher Adolf Welter. Lisa Bergmann

Trier. Am 22. Januar 1963 unterschrieben der französische Präsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer den Elysée-Vertrag, der die deutsch-französische Freundschaft besiegeln sollte. Den 50. Jahrestag nahm der Verein Gesellschaft der ehemaligen Soldaten der französischen Streitkräfte in Deutschland (Amicale Nationale des Anciens des Forces Francaises en Allemagne, abgekürzt Anaffa) zum Anlass, dem Heimatforscher Adolf Welter mit einer Medaille zu ehren.
Adolf Welter engagiert sich seit fast 60 Jahren für den Austausch zwischen Deutschland und Frankreich. So unterstützte er bereits 1954 den ersten Austausch zwischen Jugendlichen aus der Region und aus Frankreich. Seine vielfältigen Forschungen trugen viel dazu bei, die gemeinsame Kriegsgeschichte aufzuarbeiten.
Dementsprechend war die feierliche Verleihung der "Medaille zum 50. Jahrestag des Elysée-Vertrages" ein besonderes Anliegen für Roland Bouvet, der anlässlich dieses Datums auch zum Vizepräsidenten der Anaffa ernannt wurde. Dieser Vertrag habe damals eine uralte Rivalität beendet und Welter habe in der Region viel dazu beigetragen, begründete Bouvet die Wahl der Anaffa.
Welter selbst zeigte sich nicht nur für die Verleihung der Medaille dankbar, sondern auch für die Unterstützung, die die Anaffa und der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK) ihm in den vergangenen Jahrzehnten bei seinen Forschungen zukommen ließ. So habe ihm der VDK etwa eine Forschungsreise zu Kriegsgräbern auf fast dem gesamten Kontinent ermöglicht. Wenn Welter von dieser Reise spricht, ist er noch immer ergriffen: "Schaut man sich diese endlosen Reihen von Gräbern an, dann kann einem eigentlich nur ein Gedanke kommen: Nie wieder Krieg!"
Eine weitere Ehrung erhielt Welter von Günter Jakobs, dem VDK-Geschäftsführer im Bezirk Trier. Dieser überreichte ihm eine Medaille mit dem Motiv der heiligen Madonna von Stalingrad. Dieses Bild zeichnete der Feldarzt Kurt Reuber Weihnachten 1942 auf die Rückseite einer sowjetischen Landkarte, mitten im Kessel von Stalingrad. Das Original hängt heute in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Welter will sich weiter engagieren. In diesem Jahr plant er gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Frieden die Verlegung von neuen Stolpersteinen im Stadtteil Kürenz. Seine Forschungen haben ergeben, dass dort während des Krieges Deserteure erschossen wurden.