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Eine Uni, größer als Trier

"Zai jian...": Seine Trierer Freunde wünschen Johannes Michael Witzel alles Gute und viel Erfolg im fernen China. Foto: Michael Hoff
"Zai jian...": Seine Trierer Freunde wünschen Johannes Michael Witzel alles Gute und viel Erfolg im fernen China. Foto: Michael Hoff
TRIER-KERNSCHEID. Der Trierer Johannes Michael Witzel studiert in Aachen Maschinenbau und nimmt mit einer Gruppe von 22 Studenten an einem Austauschprogramm mit China teil: Ein Jahr lang wird er an der renommierten chinesischen Tsinghua Universität in Peking studieren. ARRAY(0x7666cce8)

Johannes Michael Witzels Interesse für Technik und Naturwissenschaft reicht bis in seine Kindheit zurück, als er noch mit seinen Freuden in selbst gebauten Seifenkisten über die Höhen von Hockweiler und Kernscheid fuhr. "Nach der Grundschule ging ich auf das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, wo ich in den Fächern Physik und Mathematik entsprechend gefördert wurde", erinnert sich Witzel. In der 11. Klasse baute er zusammen mit seinen beiden Mitschülern Thilo Becker und Christoph Gotters aus einem handelsüblichen Föhn und einer einfachen Briefwaage einen Windkanal und untersuchte die "Aerodynamik beim Radfahren", was dem Schülerteam den zweiten Platz beim Regionalwettbewerb "Jugend forscht" einbrachte. Der Schulzeit folgten Praktika in Industrie-Betrieben und schließlich das Maschinenbau-Studium an der Technischen Hochschule in Aachen. Ob Leichtbau-, Motor-, oder Medizintechnik, das Ingenieurstudium hat für Witzel viele faszinierende Facetten. "Vielleicht ist der Traum vom selbst entwickelten Automobil eine Fortsetzung des Traums von der ersten Seifenkiste", scherzt er. Von der Möglichkeit des Austauschprogramms mit China hat Witzel vor einem Jahr von einem Freund erfahren und sich prompt beworben. Es folgte eine Vorbereitungszeit von einem Jahr, in dem so manche bürokratische Hürde genommen werden musste. Neben fachlichen Tests und einem Sprachkurs mussten die Teilnehmer eine ganze Fülle von Gutachten, Empfehlungsschreiben und Gesundheitszeugnissen zusammentragen.Trierer Postkarten als Zahlungsmittel

Seiner Verantwortung als "Botschafter" seines Landes und als Trierer ist sich der Student bewusst. "Die Stadt Trier ist als Karl-Marx-Geburtsstadt in China natürlich ein Begriff. Ich habe sogar schon von dem Gerücht gehört, dass die Postkarten des Karl-Marx-Hauses in China als Zahlungsmittel anerkannt werden", bemerkt Witzel mit ironischem Unterton. Die chinesische Mentalität und Kultur habe sich ihm während des Studiums durch die Bekanntschaft vieler chinesischer Kommilitonen erschlossen, erzählt er weiter. Der Arbeitseinsatz, den die Chinesen an den deutschen Hochschulen an den Tag legten, sei schon begeisternd: "Ich bin gespannt, ob die Motivation der Bevölkerung in China ähnlich hoch ist. Und natürlich wird es interessant sein, eine Stadt mit solch gigantischen Ausmaßen kennen zu lernen." Die Technische Hochschule Tsinghua zählt rund 200 000 Studenten und ist mit ihren Wohnheimen, Einkaufsalleen, Schwimmbädern, Stadien und dem eigenen Opernhaus selbst eine kleine Stadt im Zentrum Pekings. Wer von den deutschen Studenten aus Aachen in der Ferne Asiens Erfolg hat, dem winkt bei einem erfolgreichen Abschluss des Studiums in der Heimat zusätzlich der Master-Titel der renommierten chinesischen Hochschule.