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Er liebt die Römer, die Archäologie und seinen Vollbart

Trier. "Trier ist das absolute Non-Plus-Ultra", sagt Marcus Reuter, der neue Direktor des Rheinischen Landesmuseums in Trier. Dem TV stand er für ein "10 plus 10"-Interview Rede und Antwort.

Trier. Von der Römerstadt Xanten in die Römerstadt Trier: Marcus Reuter leitet seit gut drei Wochen das Rheinische Landesmuseum in Trier. Die TV-Redakteure Roland Morgen und Michael Schmitz hatten Gelegenheit zu einem "10 plus 10" Interview, das heißt: Zehn Fragen zur Sache und zehn Stichworte, die Reuter ganz spontan beantworten sollte.
Herr Reuter, Sie haben am 1. Juli Ihr neues Amt als Direktor des Landesmuseums angetreten. Haben Sie sich schon gut eingelebt?
Reuter: Ja, ganz hervorragend. Ich bin ungeheuer nett empfangen worden. Von der positiven Resonanz bin ich wirklich überwältigt. Ich fühle mich sehr wohl.
Sie haben als Student Trier und das Landesmuseum schon erlebt. Was hat sich seither in der Stadt und im Museum geändert?
Reuter: Im Landesmuseum ungeheuer viel. Meine Studentenzeit war in den späten 80er-Jahren. Die Ausstellung ist inzwischen komplett neu konzipiert worden. Das ist ein Quantensprung, man erkennt das Haus nicht wieder.
Was war Ihre Motivation, nach Trier zu kommen? Sie hatten ja einen interessanten Job in Xanten.
Reuter: Trier ist für jemanden, der sich mit römischer Archäologie beschäftigt, das absolute Non-plus-Ultra. Das antike Trier war im römischen Reich eine zentrale Metropole. Es ist ein Privileg und eine Verpflichtung, hier arbeiten zu dürfen.
Das Landesmuseum hat einige personelle Umbrüche hinter sich bringen müssen. Vor vier bis fünf Jahren gab es noch rund 90 Mitarbeiter, jetzt sind es etwa 70. Und in den kommenden Jahren werden einige Leistungsträger altersbedingt ausscheiden. Wie wollen Sie Personalkontinuität aufrecht erhalten?
Reuter: Es ist kein Geheimnis, dass die Lage der öffentlichen Hand schwierig ist, dass die Kassen leer sind und überall Personal eingespart werden muss. Dieser Diskussion kann man sich nicht verschließen. Ich selbst aber werde versuchen, alle Stellen, die in den nächsten Jahren frei werden, zu halten. Das kann gelingen, indem man versucht, die Stärken des Hauses noch deutlicher herauszustellen. Trier hat ein Museum, das wirklich internationalen Rang hat mit Weltklasse-Exponaten. Ich werde versuchen, das noch mehr in den Fokus zu rücken - auch mit großen attraktiven Ausstellungen. Wenn uns das gelingt, bin ich auch guter Dinge, dass ich den Stab der Mitarbeiter weitgehend halten kann.

Stichwort attraktive Groß-Ausstellungen: Sie haben in Baden-Württemberg die Landesausstellung "Imperium Romanum. Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau" als wissenschaftlicher Referent begleitet. Wie wichtig sind solche Großausstellungen für ein Museum?
Reuter: Für Trier und das Rheinische Landesmuseum sind sie in ihrer Bedeutung gar nicht hoch genug zu veranschlagen. Jedes Museum lebt im Grunde von seinen Sonderausstellungen. Wenn ich die Dauerausstellung eines Museums einmal besucht habe, ist der Reiz, noch einmal hinzugehen, ja eher gering. Wie so etwas funktioniert, hat in Trier ja auch die Konstantin-Ausstellung 2007 gezeigt. Und ich möchte mittelfristig auch dahin kommen, dass wir etwa alle drei Jahre eine überregional bedeutsame Ausstellung im Landesmuseum realisieren. Sicherlich wird das nicht mehr in dem großen Rahmen wie bei Konstantin gelingen, aber ich glaube, das geht auch mit einem etwas geringeren Budget.
Apropos: Haben Sie denn schon eine Idee, wer der nächste Konstantin wird?
Reuter: Die Frage kommt nach drei Wochen in Trier natürlich noch etwas früh. Da steht jedenfalls noch nichts fest. So eine Ausstellung braucht ein großes kulturgeschichtliches Thema und den Bezug zu Trier. Ich persönlich finde zum Beispiel, dass Kaiser Nero eine faszinierende Persönlichkeit ist. Und ein Thema, das jedermann schon irgendwann mal begegnet ist.
Das Landesmuseum stellt nicht nur aus, es gräbt auch, es forscht. In Trier wird auch an anderen Stätten zur Antike geforscht: an der Universität Trier. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit vor?
Reuter: Da sehe ich eine ganze Palette von Möglichkeiten. Es gibt ja bereits einen Kooperationsvertrag. Ganz konkret könnte ich mir vorstellen, dass man gemeinsame Forschungsprojekte auch über EU-Mittel macht, Studenten könnten an Grabungen teilnehmen, sie könnten sicher auch in größerem Umfang als bisher Praktika machen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Studenten Abschlussarbeiten über Ausgrabungen oder einzelne Fundstücke machen - das passiert ja teils auch schon.
Brot & Spiele: Unter diesem Titel wird das römische Erbe in Trier spielerisch vermarktet. Was halten Sie von dieser Art der Geschichts-Vermittlung?
Reuter: Prinzipiell finde ich das sehr gut, weil man damit eine relativ große Gruppe von Menschen erreicht, die vielleicht nicht unbedingt ins Museum gehen. Es ist wichtig, dass Geschichte für viele Menschen auf diese Art und Weise erlebbar wird. Für Trier muss ich dazu sagen, dass ich die Veranstaltung noch nicht direkt miterlebt habe - das werde ich aber im Sommer sicherlich nachholen.
Nochmal Brot & Spiele: Die ARD sendete unter diesem Titel kürzlich eine Samstagabendshow aus Ihrer bisherigen wissenschaftlichen Heimat Xanten. Wann kommt die Fortsetzung aus Trier?
Reuter: (lacht) Das kann ich Ihnen noch nicht sagen. Aber man muss natürlich ernsthaft versuchen, so etwas mal zu realisieren. Denn der Werbe-Effekt ist riesig. Ob es so eine Sendung gibt, hängt aber natürlich von vielen Faktoren ab, und das kann das Rheinische Landesmuseum kann das ja leider nicht alleine steuern.
Ihr Vorgänger hat das Landesmuseum ja als eine Art Karrieresprungbrett nutzen können. Wo sehen Sie sich in zehn, in 20 oder 22 Jahren?
Reuter: (lacht) In 22 Jahren werde ich voraussichtlich die Pensionsgrenze erreichen. Es ist kein Geheimnis, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Und für jemanden, der sich mit römischer Archäologie beschäftigt, kann es eigentlich keine Steigerung mehr geben. Meine Liebe zur Archäologie wird lebenslang bleiben. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass mich noch irgendwas hier aus Trier weglockt.Extra

Als Chef bin ich… vermutlich sehr umgänglich - aber fragen Sie lieber meine Mitarbeiter. Meine erste Porz Viez… steht noch aus. Wohnungssuche in Trier ist… ziemlich stressig! Mein Smartphone... ist Luxus und Belastung zugleich. Sport ist… ein guter Ausgleich. Ich habe Eishockey gespielt, mittlerweile bin ich auf ausdauerndes Wandern umgestiegen. Wer mich richtig ärgern will, der sollte… intrigant sein. Ich koche am liebsten… Gerichte, die schnell gehen, weil mir oft die Zeit fehlt. Am meisten ärgert sich meine Lebensgefährtin immer über… meine vielen Termine am Wochenende und abends. Ohne meinen Vollbart… Geht gar nicht! Den liebe ich heiß und innig und werde ihn nicht abrasieren. Urlaub 2012… fand bisher nicht statt, ich hoffe aber, dass ich mich im Herbst nochmal zwei Wochen verabschieden kann. mic/rm.Extra

Marcus Reuter, geboren am 19. Oktober 1966 in Gießen, Abitur 1987 am Pestalozzi-Gymnasium Idstein/Taunus, war in seiner Wehrdienstzeit aktiver Militärfallschirmspringer bei der Luftlandebrigade 26 in Saarlouis. Nach Studium und Promotion in provinzialrömischer Archäologie in Freiburg und Grabungen in mehreren Bundesländern wechselte er 2003 in den Museumsbereich. Seit 2005 arbeitete er für das vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) betriebene Römermuseum in Xanten, das er seit 2009 leitete. rm.