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Literatur
Stefan Andres und „Der hinkende Gott“

Schweich/Trier. Erfolgreiche Schulprojekte und Initiativen der Stefan Andres-Gesellschaft red

Präsident Wolfgang Keil hat in der Jahreshauptversammlung der Stefan-Andres-Gesellschaft (StAG) im Niederprümer Hof (Schweich) die große Bedeutung des Schriftstellers und Müllersohns aus Dhrönchen für die literarische Kultur der Moselregion herausgestellt. Fast schon traditionsgemäß beehrte die Tochter von Stefan Andres, Irene Maria Röhrscheid-Andres mit ihrem Ehemann auch in diesem Jahr die Gesellschaft mit ihrem Besuch und dokumentierte damit ihre tiefe Verbundenheit mit den Bewahrern des literarischen Erbes ihres Vaters.

Wolfgang Keil würdigte vor allem die Kooperationen der Gesellschaft mit verschiedenen Schulen, die zum Teil schon seit Jahren mit großem Erfolg unterschiedliche Andres-Projekte auf den Weg gebracht haben. So gab es beispielsweise eine „Schreibwerkstatt“ am Stefan-Andres-Gymnasium (SAG) Schweich mit prämierten Arbeiten von Elisabeth Cartus, Emily Riemann, Michael Schroeder und Lukas Prümm. Der erstmals mit 250 € dotierte vergebene Stefan-Andres-Abiturpreis ging an die Schülerin Ina Tönnissen, die die beste Abiturarbeit im Fach Deutsch verfasst hatte.

Originelle und von großem Einfallsreichtum zeugende Arbeiten präsentierten Schülerinnen und Schüler der Stefan-Andres-Realschule plus mit Fachoberschule . Ihr buntes aus Farbstiften entstandenes „Unser Steff-Projekt“ (einschließlich eines schmucken Weinetiketts) wurde bereits in der Schweicher Synagoge ausgestellt. Für die beste Fachabiturleistung im Fach Deutsch wurden zudem mit einem Preisgeld von 200 € Barbara Stieglmeier und Konstantin Erschens ausgezeichnet.

Stefan Andres war auch Thema der achten Klasse am Peter-Wust-Gymnasium Wittlich, wo der Roman „Die unsichtbare Mauer“ behandelt und in Verbindung unter anderem mit Gerhard Hauptmanns „Die schlesischen Weber“ ein beachtenswertes sozial- und ideengeschichtliches Panorama entstand.

Der Stefan-Andres-Gedächtnislauf, der im Vorjahr zum 30. und letzten Mal von der Laufgemeinschaft Mittelmosel Leiwen ausgerichtet worden war, wird nahtlos unter der Regie des Lauftreffs Schweich am 16.September erneut gestartet.

Höhepunkte der Gesellschaft im Berichtsjahr war der unter dem Motto „Literatur und Weinkultur“ stehende beliebte Gesellschaftsabend, der „Die Stadt und die Städter“ zum Thema hatte.

Wolfgang Keil berichtete sehr detailliert über die Vereinnahmung und versuchte Instrumentalisierung des Schriftstellers Andres im Dritten Reich unter dem Aspekt der Distribution. Recherchiert von Andres-Forscher Manfred Moßmann gibt es zu dieser Thematik inzwischen ein umfangreiches Belegmaterial von mehr als 100 Seiten und 50 Zeitungsexemplaren. Geradezu sensationell mutet es heute an, dass zwischen 1933 und 1945 sogar in regimehörigen Zeitungen Andres-Texte erschienen sind, obwohl diese, oft geschickt verklausuliert, kritische Botschaften enthalten. So erschien beispielsweise am 18.Februar 1939 in der Frankfurter Zeitung, der Vorläuferin der heutigen FAZ, ein groß aufgemachter Bericht über eine Goebbels-Rede anlässlich der Automobilausstellung in Berlin und auf derselben Seite die Andres-Erzählung „Der hinkende Gott“ – für jeden aufmerksamen Leser, auch für die FZ-Redaktion, gefährliche Persiflage auf den gehandicapten NS-Propagandaminister, dessen Verhalten Andres 1960 in seiner biografischen Notiz „Ein Junge vom Lande“ (1960) mit „Hahnsprüngen des kleinen Vorstadtmephisto“ verglichen hat.

Stefan Andres hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. Er war ein fleißiger und von großen Ideen beflügelter Autor; ähnlich wie Nobelpreisträger Thomas Mann, an dessen literarischem Vermächtnis wir uns nach wie vor erfreuen.