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Erneut Zwangspause für Trierer Kirmes an Allerheiligen

FOTO: Roland Morgen
Trier. Die selbe Prozedur wie im vergangenen Jahr: Die Allerheiligenmesse auf dem Viehmarkt muss ausgerechnet an Allerheiligen von 13 bis 20 Uhr schließen. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) setzt erneut das Feiertagsgesetz durch. Die Stadt teilt die restriktive Gangart nicht, sieht sich aber weisungsgebunden. Roland Morgen

Bis Mittwochnachmittag hatte Werner Weeber noch ein Fünkchen Hoffnung. Denn der 40-jährige Schausteller und Cheforganisator der Allerheiligenmesse auf dem Viehmarktplatz hatte tags zuvor in einem Schreiben an ADD-Präsidentin Dagmar Barzen darum gebeten, die Aufsichtsbehörde möge doch an Allerheiligen die Kirmes so wie bis 2011 üblich ohne große Einschränkungen über die Bühne gehen lassen. Unterzeichnet haben den Brief alle 14 Viehmarkt-Schausteller. Die Absage kam per Mail: Die ADD bleibt bei ihrer 2012 erstmals eingenommenen Haltung und erlaubt den Kirmesbetrieb am 1. November nur von 11 bis 13 und von 20 bis 22 Uhr.
"Frustrierender Tag"

Für Weeber und seine Kollegen "eine herbe Enttäuschung" und ein Schlag ins Kontor: "Der 1. November war immer der bestbesuchte um umsatzstärkste Kirmestag. Nun müssen wir die Besucher um 13 Uhr wieder wegschicken und hoffen, dass sie um 20 Uhr wiederkommen." Eine Hoffnung, die sich vor einem Jahr nicht bewahrheitete. Weeber erinnert sich an einen "frustrierende Tag für uns Kirmesleute wie auch für die Besucher".
Um zu verhindern, dass es noch einmal lange Gesichter gibt, hat OB Klaus Jensen das Gespräch mit Landesregierung und Kirche gesucht. Parallel dazu unternahm das städtische Ordnungsamt Vorstöße in Richtung ADD und Ministerien, um, wie es Rathaus-Pressesprecher Ralf Frühauf formuliert, "eine andere Rechtsauffassung als die derzeit geltende herbeizuführen, die wir wie 2012 nicht teilen". Resultat: siehe oben. Die am 19.Oktober erteilte fachaufsichtliche Weisung der ADD an die Stadt gilt immer noch. Klartext: Die Stadt muss gegen ihre Überzeugung darüber wachen, dass sich am Freitag zwischen 13 und 20 Uhr kein Kinderkarussell dreht und kein Autoscooter fährt.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Haltung der katholischen Kirche: Hatte man im Generalvikariat bislang keine Probleme mit Kirmestreiben an Allerheiligen, so wird nun offenbar zurückgerudert. "Allerheiligen ist ein stiller Feiertag, und die Menschen müssen auch mal zur Ruhe kommen. Deshalb begrüßen wir die die Einhaltung des Feiertagsgesetzes", antwortete Bistums-Pressesprecher André Uzulis auf TV-Anfrage.
Angebote der Schausteller, von 13 bis 20 Uhr auf musikalische Beschallung und Lautsprecherdurchsagen zu verzichten, haben nicht gefruchtet. "Das würde nichts am Vergnügungscharakter eines Volksfestes ändern, das typischerweise von Fahr- und Belustigungsgeschäften geprägt ist", stellt ADD-Sprecherin Eveline Dziendziol klar. Es gebe keine Spielräume.

Die Allerheiligenmesse auf dem Viehmarktplatz dauert noch bis einschließlich Sonntag, 3. November. Tägliche Öffnungszeiten: 11 bis 22 Uhr, am Wochenende bis maximal 23 Uhr - ausgenommen Allerheiligen. meinung: Von allen guten Heiligen verlassen

Dass die ADD bei ihrer harten Haltung bleibt, ist die eine Sache. Dass es aber auch ein Jahr nach der erstmaligen strikten Anwendung des 1970 erlassenen Landesfeiertagsgesetzes noch keinerlei Anzeichen einer Liberalisierung gibt, ist der eigentliche Skandal. Jeder sollte für sich selbst entscheiden dürfen, wann und wie er seiner Verstorbenen gedenkt.
So aber ist die Gesetzesauslegung eine völlig überflüssige Gängelung mit unzeitgemäßer Begründung. Der Gesetzgeber - der Landtag - als Spaßbremse noch vor der katholischen Kirche, die jetzt erst zurück rudert und ihre Schäfchen vor Unstille schützen will.
Da wünscht man sich als liberaler Katholik einen jüdischen oder muslimischen Mitbürger, der Widerspruch einlegt und auf juristischem Weg den Feiertagsgesetz-Nonsens aushebelt.
r.morgen@volskfreund.deEXTRA: Allerheiligen

Allerheiligen (1. November) ist ein gesetzlicher "stiller" Feiertag, für den das Landesfeiertagsgesetz spezielle Regelungen trifft. Öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen sind nur dann erlaubt, wenn der ernste Charakter - an Allerheiligen das Gedenken an alle Heiligen, Märtyrer und Verstorbene - gewahrt bleibt. Um dem stillen Charakter von Allerheiligen umfassend Ausdruck zu verleihen, sind neben Unterhaltsveranstaltungen auch öffentliche Versammlungen und Tanzveranstaltungen verboten