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Erster Sieg fürs "Gemeinschaftliche Wohnen"

Der rote Faden ist schon geknüpft: Die Initiativen Wohnsinnig und Zak wollen gemeinschaftlich und doch individuell wohnen. TV-Foto: Mechthild Schneiders
Der rote Faden ist schon geknüpft: Die Initiativen Wohnsinnig und Zak wollen gemeinschaftlich und doch individuell wohnen. TV-Foto: Mechthild Schneiders
Trier. Jung und Alt unter einem Dach: Die Initiativen Wohnsinnig und Zak ("Zusammen, Aktiv und Kreativ") streben eine alternative Lebensform an. Ihre Mitglieder wollen gemeinschaftlich und gleichzeitig individuell, ökologisch und barrierefrei wohnen. Nun führen sie mit Stadt und Entwicklungsgesellschaft Petrisberg Gespräche, um künftig ins Konversionsgebiet Feyen-Castelnau zu ziehen. Mechthild Schneiders

Trier. Sie fühlen sich gestärkt. Nicht nur durch den Stadtratsbeschluss vom November, in dem sich alle Parteien außer der CDU für die Förderung gemeinschaftlichen Wohnens ausgesprochen haben. "Wir haben Gespräche mit Oberbürgermeister Klaus Jensen geführt", sagt Natalie Luckner von der Gruppe Wohnsinnig. "Er findet unser Konzept, gemeinschaftlich und gleichzeitig individuell, ökologisch und barrierefrei zusammenzuleben, spannend." Das gemeinschaftliche Wohnen von Menschen unterschiedlicher Generationen und mit verschiedenen Fähigkeiten sei zukunftsweisend, sagt der OB gegenüber dem TV. "Wir werden das in großer Zahl brauchen."
Nun haben die Initiativen ihren ersten Sieg errungen: Das gemeinsame Projekt mit Zak, einem Arbeitskreis der Lokalen Agenda 21 (LA 21), hat beiden Projekten beim Wettbewerb "Ideen Initiative Zukunft" von der deutschen Unesco-Kommission und dem Drogeriemarkt DM ein Preisgeld von 1000 Euro beschert. "Das ist unser Grundstock für eine gemeinsame Projektberatung", sagt Lisa Ministeri von Zak. Die rund 20 "Wohnsinnigen" haben konkrete Pläne, wie sie leben möchten, und auch wo: im Konversionsgebiet Feyen-Castelnau. "Wir haben von Anfang an den Blick nach Feyen gerichtet", sagt Ministeri für Zak. Sie wolle auch künftig, wie jetzt am Markusberg, am Waldrand leben.
Es laufen bereits Gespräche mit der Entwicklungsgesellschaft Petrisberg (EGP), die das Feyener Gebiet entwickelt. "Das Thema steht bei uns auf der Agenda", bestätigt Melanie Baumeister von der EGP. Doch erst wenn detaillierte Pläne vorliegen, könnten Grundstücke eingeteilt und konkrete Angebote gemacht werden. Die EGP werde das Thema nach den Sommerferien in den Castelnau-Gesprächen aufgreifen.
Die Chancen dazu stehen seit dem Beschluss des Stadtrats im November 2010 nicht schlecht. Demnach sollen künftig in Bebauungsplänen und städtebaulichen Verträgen Flächen für Wohnprojekte ausgewiesen werden, in denen verschiedene Generationen, körperlich und psychisch beeinträchtigte Menschen sowie Alleinerziehende zusammenleben und sich in vielen Bereichen des täglichen Lebens unterstützen.
Wie es laufen könnte, zeige das Projekt Wohnart in Bad Kreuznach. "Die haben vor sieben Jahren mit fünf Leuten angefangen", erzählt Ministeri. "Als sie ein Grundstück hatten, kamen neue Interessenten hinzu." Auch sie bemerke steigende Nachfrage. So seien zum letzten Zak-Treffen elf neue Interessenten gekommen.
In Bad Kreuznach würden im Sommer in die zehn Wohnungen des ersten Bauabschnitts fast 30 Leute einziehen. Ein zweiter Bauabschnitt mit weiteren neun Wohneinheiten sei für 2012 geplant. "Die haben uns Mut gemacht", sagt Ministeri. "Wir wollen gemeinschaftlich wohnen - und wir werden es hinkriegen."
: GEMEINSCHAFTLICHE WOHNPROJEKTE


Die Initiative Zak trifft sich seit rund vier Jahren regelmäßig. Der Arbeitskreis der Lokalen Agenda Trier möchte der drohenden Isolation im Alter entgegenwirken. Kontakt: Lisa Ministeri, Telefon 0651/8200029. Wohnsinnig hat sich im August 2008 zusammengefunden, um gemeinschaftlich in den eigenen vier Wänden zu leben, ob als Familie, WG oder im Singlehaushalt. Die Initiative will gemeinschaftliches Eigentum erwerben, in das sich die Mitglieder einmieten. Die Gemeinschaft kümmert sich um alles rund ums Haus, auch die Renovierungen. Kontakt: Frank Brambring, Telefon 0651/1441299. mehi