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Sicherheit
Feuerwehr Trier: Bereit für ein biblisches Unglück

Ein harter Job: Zwei Feuerwehrmänner sind im Einsatz bei einem Wohnungsbrand in Trier-Süd.
Ein harter Job: Zwei Feuerwehrmänner sind im Einsatz bei einem Wohnungsbrand in Trier-Süd. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Fast 1900 Einsätze umfasst der Jahresbericht 2017 der Feuerwehr Trier, den Dezernent Thomas Schmitt am Dienstagabend präsentiert hat. Darin geht es um die steigende Zahl der Einsätze, aber auch um große Katastrophen. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Amtsjargon wirkt immer mal wieder unfreiwillig lustig. Nicht in diesem Fall. Die theoretische große Katastrophe vom rasenden Inferno bis zum Flugzeugabsturz in der City heißt im Behördendeutsch „Massenanfall von Verletzten“. Die Feuerwehr Trier muss auch darauf vorbereitet sein – neben ihrer täglichen Pflicht, zu allen kleinen und großen Bränden und Unfällen auszurücken. Das tat sie im Jahr 2017 genau 1858-mal – im Schnitt fünfmal pro Tag.

Herbert Albers-Hain, seit vielen Jahren der Chef der Berufsfeuerwehr Trier, präsentierte am Dienstagabend den Fraktionen des Stadtrats den Jahresbericht 2017, der die gesamte Feuerwehr der Stadt Trier als komplexes System darstellt, inklusive der freiwilligen Feuerwehren und der Rettungsdienste. Der sogenannte „Massenanfall an Verletzten“ ist ein wichtiges Kapitel dieses Berichts, denn er dokumentiert die Einsatzbereitschaft aller Trierer Rettungskräfte im Fall eines biblischen Unglücks. „Das sind Fälle, die hoffentlich nie eintreten“, sagt Feuerwehrdezernent Thomas Schmitt (CDU).

„Die Stadt Trier kann überdurchschnittlich schnell auf Notfälle mit vielen schwer verletzten Patienten reagieren“, erläutert Albers-Hain. Diese Leistungsfähigkeit der Rettungskräfte beruhe auf mehreren Faktoren, allen voran die Doppelfunktion der Feuerwehrbeamten im Rettungsdienst und im Brandschutz. Dazu kommen die medizinische Ausstattung zur Erstversorgung von 25 Schwerverletzten und eine schlagkräftige zweite Welle der Hilfsorganisationen und freiwilligen Feuerwehren mit vielen ehrenamtlichen Helfern.

Denn die professionellen Feuerwehrbeamten bilden zusammen mit den ehrenamtlich aktiven Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehren und der Rettungsdienste – das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Arbeiter Samariter Bund (ASB) und der Malteser Hilfsdienst (MH) – eine straff organisierte und komplexe Einheit, die von der integrierten Leitstelle gelenkt und koordiniert wird. Der Zuständigkeitsbereich dieser Leitstelle umfasst 629 Feuerwachen mit 910 Einheiten, 32 Rettungswachen und zwei Hubschrauberstandorte in der Stadt Trier und den Landkreisen Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Vulkaneifel. Mehr als 127 000 Einsätze in der gesamten Region wurden 2017 von Trier aus koordiniert.

Die Sicherheit in der Stadt Trier wird gewährleistet von aktuell 213 hauptamtlichen Mitarbeitern der Berufsfeuerwehr und insgesamt 424 Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehren in elf Löschzügen von Ruwer bis Zewen und der Hundestaffel. 123 dieser 424 ehrenamtlichen Brandbekämpfer gehören der Jugendfeuerwehr an. Dazu kommen 142 Helfer von ASB, DRK und MH.

Das heißt. Insgesamt 779 professionelle und ehrenamtliche Brandbekämpfer und Rettungskräfte kümmern sich rund um die Uhr im die Sicherheit in der Stadt Trier. Auch dafür hat der Amtsjargon einen Begriff, er lautet „nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr“.

Die Zahl der täglichen Einsätze ist von 2016 auf 2017 klar gestiegen, sowohl bei der Berufsfeuerwehr als auch bei den freiwilligen Feuerwehren der Stadt Trier. Die professionellen Brandbekämpfer rückten 1858-mal aus, im Schnitt fünf malpro Tag. Das sind 134 Einsätze mehr als im Jahr davor. Nicht immer lodern dabei Flammen: Nur 645 der 1858 Einsätze waren Brände, der Rest bestand aus technischen Hilfeleistungen, der Abwehr von Gefahrstoffen, Brandsicherheitswachen und auch falschen Alarmen durch Heimrauchmelder oder automatische Brandmeldeanlagen. Die Einsatzzahlen der freiwilligen Feuerwehren stiegen 2017 von 225 auf 362, davon 93 Brände.

Zu den großen Zielen für das Jahr 2018 gehört eine definitive Entscheidung für den Standort einer neuen Hauptwache. Das Polizeigelände in der Südallee ist der Favorit, die Stadt Trier will dem Land diese Fläche abkaufen. Doch noch kann Dezernent Schmitt keinen Abschluss vermelden. „Alle Parteien sind sich handelseinig, aber das schriftliche Angebot des Landes fehlt noch“, teilt Schmitt mit. Frühestens 2024 soll die neue Wache eröffnet werden (der TV berichtete).