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Firmenchefs motivieren Gymnasiasten

Johannes Kiefer, Firmenchef und Vorsitzender des Kreises Junger Unternehmer, bespricht mit Neuntklässler Mathis dessen Bewerbungsmappe. TV-Foto: Katja Bernardy
Johannes Kiefer, Firmenchef und Vorsitzender des Kreises Junger Unternehmer, bespricht mit Neuntklässler Mathis dessen Bewerbungsmappe. TV-Foto: Katja Bernardy
Trier. Es wurde kritisch beäugt, jetzt ist es ein Muss von oberster Stelle: Berufsvorbereitung an Gymnasien. Mitglieder des Kreises Junger Unternehmer (KJU) gaben Schülern am Auguste-Viktoria-Gymnasium (AVG) zum zweiten Mal ein Bewerbertraining. Das Üben bedeutet weit mehr als Mappen erstellen und Vorstellungsgespräche vorbereiten. Katja Bernardy

Trier. Ann-Cathrin Cordier (14) führt vor rund dreißig neugierigen Mitschülern mit dem Immobilienmakler und KJU-Vorsitzenden Johannes Kiefer ein realitätsgetreues Vorstellungsgespräch. Der Thalfanger Firmenchef hat viele Fragen: Etwa wie fit die Schülerin in Excel und Word ist, möchte er wissen. Und weil ihr Sprachen liegen, bittet er Ann-Cathrin, sich in Französisch vorzustellen.
Nach zehn Minuten analysieren Kiefer und die Neuntklässler das Gespräch von der Körpersprache bis zu den Antworten. Danach schaut der Trainer mit jedem einzelnen Schüler und fachmännischem Blick die vorab abgegebenen, im Deutschunterricht erstellten Bewerbungsmappen durch. So lernen die Gymnasiasten, worauf es den Chefs ankommt. Auch in den anderen der insgesamt fünf Gruppen wird der Tag X geübt, und die KJU-Mitglieder Thomas Simon (IT-Haus), Christian Neuschreiber (IT Works), Ole Seidel (alta 4), Thomas Stiren (rdts AG) und Johannes Kiefer (Werner Kiefer GmbH) geben weitere Tipps: "Macht Praktika und sucht euch Nebenjobs", rät Kiefer. Schnuppern sei wichtig.
Dass Bewerbertrainings an Gymnasien stattfinden, ist recht neu. Die Umsetzung der Idee, Gymnasiasten mehr Einblicke ins Berufsleben zu gewähren, beschreibt AVG-Orientierungsstufenleiterin Leonie Eiden-Benedum als mühsamen Prozess. Zusammen mit ihrem Kollegen und Schullaufbahnberater Karl-Josef Ludwig hatte sie sich für eine umfassendere Berufsvorbereitung starkgemacht. Gegen manche Vorbehalte: "Das ist nicht unser Kerngeschäft, wir wollen die Schüler für die Hochschulen aufstellen", sei das Hauptargument der Kritiker gewesen. "Doch diese Arroganz konnte geköpft werden", sagt Eiden-Benedum.
Auch aufgrund der Unterstützung durch Institutionen von der Handwerkskammer über die Arbeitsagentur bis hin zum KJU. Heute wird ein sogenanntes Berufswahlportfolio - eine Sammelmappe, die vom Bewerbungsschreiben bis hin zum Praktikumsbericht am Ende der Schulzeit alles enthält, was man zum Berufseinstieg braucht - von der 9. Klasse bis zum Abitur erstellt. Das schreibt das rheinland-pfälzische Bildungsministerium mittlerweile vor.
Schüler erfahren mehr über sich


"Zu Recht", findet Eiden-Benedum. Denn Bewerbertraining sei auf vielerlei Ebenen auch Bewusstseinsarbeit. "Stärken-Schwächen-Analysen etwa helfen dem Schüler, mehr über sich selbst zu erfahren und helfen bei der Wahl der Leistungskurse", sagt die Lehrerin. Und nach den Unterrichtsstunden mit "echten" Firmenchefs etwa sei ein Motivationsschub festzustellen. Das bestätigt Ann-Cathrin Cordier: "Das Training und die Rücksprache haben mir gezeigt, dass ich mich in ein paar Fächern noch mehr anstrengen möchte."
Auch KJU-Chef Kiefer könnte etwas gelernt haben: Dass sein Ziel, sich mehr für die Verbindung zwischen Schule und Wirtschaft einzusetzen, bei Schülern und Lehrern gut ankommt.