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Soziales
Flüchtlingskonferenz im Bistum Trier: „Integration ist die Aufgabe der Stunde“

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Symbolbild: dpa FOTO: dpa / Arne Dedert
Trier. Integration als strategisches Schlüsselthema ganzheitlich in den Blick nehmen: Dieses Ziel hat sich die sechste Flüchtlingskonferenz gesetzt. So diskutierten die ehrenamtlichen, kirchlichen und politischen Teilnehmer.

Gastgeber war das vom Diözesancaritasverband und dem Bistum getragene Willkommensnetz, das ein neu entwickeltes Konzept mit dem Titel „Soziale Teilhabe“ vorstellte.

„Das Thema Integration – wie finden wir zu einem Zusammenhalt – ist die Aufgabe der Stunde“, betonte Dr. Hans Günther Ullrich, Leiter der Abteilung Ehrenamt, Bildung und Gesellschaft im Bistum Trier, in seinem Impulsreferat. „Das Betonen von nationalen Grenzen kann momentan vielleicht Überforderungen abwehren, es ist aber keine Antwort auf die eigentlich gestellte Frage.“

Das in vier Felder gegliederte Konzept „Soziale Teilhabe“ sei der Versuch, die Frage, was Integration wirklich bedeute, begrifflich konkret zu fassen. Sanaz Khoilar, Referentin für Flucht und Asyl, erklärte zum Entstehen des Konzepts, Integration sei oft mit Spracherwerb, Arbeit oder Aneignung von kulturellem Wissen verbunden, aber die Ebene „Beziehung und Mitwirkung“ komme oft zu kurz. „Das haben wir in unserem Konzept besonders hervorgehoben, dass die Beziehung zwischen den Menschen – das, was den Kitt der Gesellschaft ausmacht – ein wesentlicher Teil von Integration und sozialer Teilhabe ist.“

Das Konzept wirft die Frage auf, was Teilhabe konkret bedeutet, wenn eine Person mit all ihren seelischen, geistigen, materiellen und gesellschaftlichen Bedürfnissen wahrgenommen wird. In die vier Handlungsfelder Beziehung, Kompetenzen, Eingliederung in gesellschaftliche Teilsysteme und Mitwirkung gegliedert, soll es die Aufgaben systematisieren, die es bei der Integration von geflüchteten Menschen gibt. Ziele im Feld Beziehung seien etwa, neue soziale Bindungen einzugehen, eine Vertrautheit mit Kulturen und Gemeinschaften zu erreichen, und alte und neue Bezüge in Einklang zu bringen. Die Aufgabe der Kirche liege vor allem darin, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen und den Dialog zu fördern. Die vielen Ehrenamtlichen und  Hauptamtlichen könnten durch persönliche Beziehungen zu Geflüchteten den Weg ebnen für Integration und Teilhabe. Beim Feld Eingliederung in gesellschaftliche Teilsysteme sei es Aufgabe der Kirche und zivilgesellschaftlicher Institutionen und Verbände, gleichberechtigte Teilhabechancen für alle Menschen in Systemen wie Politik, Gesundheitswesen, Religion einzufordern und durch gezielte Förderangebote zu unterstützen. Unter Mitwirkung nennt das Willkommensnetz schließlich das Mitgestalten und Sich-Einbringen in Gesellschaft, etwa durch Vereine oder
Interessenvertretungen.

Positive Vorbilder aus der Flüchtlingsarbeit für diesen Ansatz von Integration gibt es genug, wie die Vorstellung von vier Praxisbeispielen zeigte. So präsentierte Manfred Beuth aus der Nähe von Koblenz das 2016 ins Leben gerufene Projekt „Wandern mit Freunden Koblenz“ – eine Multikulti-Wandergruppe, in der Flüchtlinge und einheimische Wanderfreunde gemeinsam die Region an Rhein und Mosel entdecken. Oder das durch den Diözesancaritasverband ins Leben gerufene Projekt „Familien im Blickwinkel“.

Ob das Konzept „Soziale Teilhabe“ Fuß fassen kann und ob die Gesellschaft bereit für eine solche Integrationsaufgabe ist, darüber diskutierten der Trierer Generalvikar Dr. Ulrich Graf von Plettenberg, Miguel Vicente, Beauftragter für Migration und Integration in Rheinland-Pfalz, Klaus Kunz, Stabstelle für Integration im Saarland, und Anja Peters, Leitung der Abteilung Soziale Sicherung und Teilhabe im Diözesan Caritasverband Trier, mit Moderator Stefan Weinert. Generalvikar von Plettenberg sagte: „Wir haben die humanitäre und christliche Pflicht, Geflüchteten zu helfen. Das sind Menschen, von denen wir etwas lernen können. Ich würde sagen, die Flüchtlinge sind eine Bereicherung, wir müssen die Situation als Chance begreifen.“

Auch Anja Peters stellte klar, dass die Kirche einen Auftrag auf der Basis des Evangeliums habe, Geflüchteten zu helfen. Miguel Vicente mahnte, man müsse auch akzeptieren, dass es eine andere Sicht auf das Thema gebe und dass nicht jeder für eine gesellschaftliche Öffnung sei. Es sei hier enorm wichtig, auf sachlicher Ebene miteinander darüber zu sprechen, eine Streitkultur zu entwickeln. Genauso wahr sei aber auch, dass es Grenzen gebe, wo auch kein Reden mehr helfe, auch bei politischen Parteien.

Infos  zur Flüchtlingsarbeit im Bistum gibt es online unter www.willkommens-netz.de.