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Sport
Das ist der Plan für die neue Eiszeit in Trier

Die Ruine der alten Eishalle in der Diedenhofener Straße.
Die Ruine der alten Eishalle in der Diedenhofener Straße. FOTO: Trierischer Volksfreund / Hans Krämer
Trier. Vor vier Jahren gründeten Trierer Eishockeycracks einen Förderverein. Der Weg zu ihrem Ziel, einer neuen Eishalle in Trier, ist weit und mühsam. Sie gehen ihn dennoch unbeirrt. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Wie sieht wahre Begeisterung und Überzeugung aus? Wer mit dem Trierer Vermögensberater Jürgen Fring über Eishockey spricht, erhält eine passende Antwort auf diese Frage. Fring grinst, als er sagt: „Den Wert eines Einfamilienhauses habe ich auf der Autobahn aus dem Auspuff geblasen, als ich meine Tochter immer wieder nach Mannheim zum Training gefahren habe.“ Dreimal pro Woche. Über eine lange Zeit. Frings Tochter Kathrin spielt heute im Frauenteam der Eisbären Berlin in der Bundesliga. „Dafür hat sich jeder Kilometer dreimal gelohnt“, sagt ihr Vater.

Jürgen Fring gehört zum Vorstand des 2014 gegründeten Fördervereins Eishalle Region Trier. Dieser Verein hat seitdem viel Applaus und Zustimmung bekommen, denn eine Eishalle für Trier und Umgebung ist ein hochemotionales Thema. Die Schließung der alten Halle 2009 (siehe Info) halten viele immer noch für einen der größten Fehler, den die Stadtverwaltung Trier in den letzten 20 Jahren gemacht hat.

Doch natürlich gab es nicht nur Applaus. Das ist doch nur Träumerei, sagten die Skeptiker. Eine neue Eishalle ohne finanzielle Hilfe der Stadt, des Landes, des Bundes, der Welt? Woher sollen die dazu notwendigen acht bis zehn Millionen Euro denn kommen? Wer wird den laufenden Betrieb finanzieren?

„Das sind völlig berechtigte Einwände“, sagt Fring. „Aber wir haben in den vergangenen vier Jahren wesentlich mehr getan, als vor uns hin zu träumen.“

Der Förderverein hat in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung nach Flächen gesucht, die für eine neue Eishalle infrage kommen. „25 standen auf der Liste, daraus wurden nach näherer Analyse dann acht, dann zwei.“ Schließlich blieb nur eine übrig: der alte Standort in der Diedenhofener Straße im Industriegebiet Euren, in dem die dachlose Ruine der alten Halle heute noch steht. Das Gelände will sich der Verein für zwei Jahre reservieren lassen. „Wir hätten dann das Vorkaufsrecht“, sagt Fring. „Das nächste Gespräch mit der Stadt findet am 20. Dezember statt.“ Wenn auch der Stadtrat zustimmt, steht die Reservierung. Die Entscheidung fällt wohl im Januar.

„Dieser Schritt ist enorm wichtig, denn ohne Grundstück hat es keinen Sinn, bei Investoren oder Banken vorzusprechen“, sagt Jürgen Fring. Der Verein stehe mit mehreren Banken in Kontakt. Diese wird er von seinem Konzept überzeugen müssen, denn ein großer Investor ist nicht in Sicht. Deshalb muss der Verein es selbst machen.

„Viele werden uns jetzt wieder Träumer nennen“, sagt Fring. Die Mitglieder des Fördervereins wollen eine Gesellschaft gründen, die zur Trägerin der neuen Halle werden soll. „Wir diskutieren noch, ob es eine GmbH, eine Genossenschaft oder eine andere Gesellschaftsform wird“, sagt Fring. „Aber schon jetzt steht fest, dass wir bereit sind, in dieser Form die Verantwortung für unser Projekt zu übernehmen.“

Die Banken werden Pläne, Konzepte, Bedarfsanalysen und viele andere Belege sehen wollen. Fring öffnet einen sehr dicken Ordner. „Im Jahr 2015 hat die Stadt Trier im Rahmen des Sportentwicklungskonzepts eine Befragung von 3000 Bürgern und 120 Vereinen in Auftrag gegeben“, sagt er. Darin enthalten war die Frage, welche Form der Sportstätte man in Trier am meisten vermisst. Zwölf Prozent der Befragten haben den Begriff „Eishalle“ eingetragen.

Frings Ordner enthält auch konkrete Baupläne eines Architekten. „Allein seine Arbeit hat uns bisher 12 000 Euro gekostet“, sagt er. Insgesamt habe der Verein bisher 25 000 Euro in das Ziel investiert, in Trier wieder eine Eishalle zu haben.

Doch der Kernpunkt sind die Kosten. Fring weiß das und hat auch darauf eine Antwort. 600 000 Euro für den Kauf des Grundstücks, sieben Millionen Euro für den Bau der Halle, 500 000 Euro für die Beseitigung der vorhandenen Ruine. „Die Kosten für den laufenden Betrieb liegen nach unserer Rechnung bei 580 000 Euro pro Jahr“, sagt er.

All diese Summen muss die neue Gesellschaft aufbringen und erwirtschaften. Dazu kommt eine notwendige Rücklage für die Wartung und  technische Probleme. „Das ist möglich“, sagt Jürgen Fring. „Wir werden eine Gastronomie haben, die auch Gästen ohne Ticket für die Halle offen steht.“ Die Eishalle selbst soll an zehn Monaten im Jahr geöffnet sein und eine Eisfläche anbieten. „In zwei Sommermonaten  kommt das Eis weg, dann werden wir Inline-Hockey auf einem Kunststoffbelag anbieten.“

60 000 zahlende Besucher pro Jahr müssen nach der Rechnung des Fördervereins kommen, damit diese Rechnungen aufgehen. Zum Vergleich: In der alten Halle, die sechs Monate im Jahr geöffnet war, glitten in den Spitzenzeiten 34 000 Besucher über das Eis.

Jürgen Fring ist sicher: „Wir glauben an diese Halle und werden unser Ziel erreichen.“