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Freck langsam: Internet-Kult aus Trier

Nette Jungs auf der Jagd nach dem Rock: Diese Szene aus „Freck langsam“ zeigt Regisseur Michael Schu, Darsteller Harry Feider und Drehbuchautor Jürgen Becker (von links). TV-Foto: Willi Speicher
Nette Jungs auf der Jagd nach dem Rock: Diese Szene aus „Freck langsam“ zeigt Regisseur Michael Schu, Darsteller Harry Feider und Drehbuchautor Jürgen Becker (von links). TV-Foto: Willi Speicher
Finsterlinge stehlen den Heiligen Rock und wollen ihn an den meistbietenden der herbeieilenden Unterweltbosse versteigern - komplett auf Trierer Platt. Die Parodie "Freck langsam" der Hobbyfilmer Michael Schu und Jürgen Becker ist noch gar nicht fertig, aber dennoch schon Kult im Internet. Von unserem Redakteur Jörg Pistorius Von Jörg Pistorius

Trier. Trierisch für Anfänger, Zugereiste und Besucher: "Freck" ist ein Imperativ und steht für die Aufforderung "Stirb". Filme wie "Stirb langsam" - 1988 der große Durchbruch von Bruce Willis als Hollywoods Experten für größtmögliche Zerstörung - hatten Jürgen Becker und Michael Schu im Hinterkopf, als sie vor einem Jahr beschlossen, einen eigenen Film zu machen. Auf Trierisch. Mit Action. Gangstern. Frauen. Autos.

Schu ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein erfahrener Hobbyfilmer, sein Lieblingsmotiv sind PS-starke Boliden. Aus dem neuen Film sollte jedoch "was Größeres" werden - mit skurrilen Charakteren, schönen Kulissen, einem Trier-bezogenen Thema und jeder Menge Sprüche auf Trierisch.

"Die Arbeitsteilung war dann schnell klar", erzählt Schu. "Ich bin für Kamera, Schnitt und Gesamtregie zuständig." Das Drehbuch und die Trierer Sprüche kommen von Jürgen Becker. "Der Film ist eine Gangsterkomödie in Mundart", sagt dieser. "Jeder Darsteller redet sein Platt." Dennoch bleibt "Freck langsam" fast immer auch für Nicht-Trierer verständlich. "Nur in wenigen Sequenzen brauchen wir eigentlich Untertitel."

Das Thema des Films stand ebenfalls schnell fest. "Es sollte eng mit Trier zusammenhängen", so Schu. "Wir haben über Wahrzeichen der Stadt nachgedacht. Dabei fiel uns der Heilige Rock ein." Die berühmte Reliquie wird gestohlen und soll in der Unterwelt versteigert werden. "Die Bosse kommen alle nach Trier und wollen den Rock", sagt Schu. Eine gute Ausgangslage für ein gepflegtes Chaos im Bruce-Willis-Stil.

Nur hat Bruce Willis ein Millionenbudget, ein Heer von Stuntleuten und riesige Kulissen, die er in Schutt und Asche legen kann. Becker und Schu haben nichts von alldem. "Wir wollten ja auch nie ein kommerziell verwertbares Projekt aufziehen und damit Geld verdienen", sagt Jürgen Becker. "Es ging uns einfach nur darum, einen vielleicht zehnminütigen Film mit ein paar Freunden als Darstellern zu drehen und damit Spaß zu haben." Ein Budget gibt es nicht, "Freck langsam" soll nichts kosten. Doch was dann geschah, haben die beiden Hobbyfilmer nicht erwartet.

Der Film sprach sich rum in Trier. Immer mehr Leute kamen auf Schu und Becker zu und wollten mitspielen. Mittlerweile hat "Freck langsam" 70 Darsteller. Kein Voll- oder Halbprominenter aus dem Showgeschäft ist dabei, alle sind Freunde, Bekannte und Interessierte, die dafür keinen Cent bekommen. Auch von einer Gesamtlänge von zehn Minuten ist keine Rede mehr. "Am Ende werden es wohl eher 60 Minuten", kündigt Becker an.

Nicht nur potenzielle Darsteller rennen Becker und Schu die Tür ein. "Immer mehr Firmen und Institutionen wollen uns unterstützen", erzählt Schu, und man sieht ihm die Begeisterung an. "Plötzlich geht alles auf dem kleinen Dienstweg." Viele Türen öffnen sich für das "Freck-langsam"-Team, Unternehmen und Institutionen bieten Requisiten und Szenarien an, "von denen wir anfangs noch nicht einmal geträumt haben", sagt Becker. "Irgendwann hieß es sogar, wollt ihr vielleicht auch was sprengen? Kommt doch immer gut." Sie wollten.

Als die beiden Filmemacher eine knapp dreiminütige Vorschau von "Freck langsam" auf Youtube, der weltweit größten Internet-Plattform für Hobbyvideos, veröffentlichten, brachen endgültig alle Dämme. Mehr als 11 000 Youtube-Nutzer haben diesen Trailer mittlerweile gesehen, in jeder Stunde werden es mehr. Eine immer größere Fan-Gemeinschaft wartet auf den Film. "Wir brauchen noch ein paar Drehtage", sagt Michael Schu. "Die Premiere ist für Ende September geplant." Wo und wann genau? Demnächst im TV.

Meinung

Pure Begeisterung

Wenn "Freck langsam" in einigen Wochen Premiere feiert, können seine Macher Michael Schu und Jürgen Becker mehrere Dinge festhalten. Erstens: Trierer Platt erlebt zurzeit einen Boom. Ihr Film liegt voll im Trend und bestätigt das enorme Unterhaltungspotenzial der Mundart. Zweitens: Wer ein Jahr lang hart an einer solchen Idee arbeitet, jede Menge Zeit und viel Herzblut in sie investiert und keine Sekunde lang an finanziellen Profit denkt, der hat den Applaus der immer zahlreicher werdenden Fans absolut verdient. Drittens: Je mehr Leute mit dem Projekt "Freck langsam" in Berührung kommen, umso größer wird es, umso mehr Menschen wollen unbedingt dabei sein, umso kleiner werden die sonst üblichen Hürden der Bürokratie und der langen, zähen Genehmigungsverfahren. Das Ergebnis ist nicht nur ein Film über Trier, sondern auch von Trier - ein spontan gewachsenes Gemeinschaftsprojekt, getragen von nichts anderem als purer Begeisterung. Das ist so selten, dass man es wirklich festhalten sollte. j.pistorius@volksfreund.de