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"Fremde Nasen putzen"

Wolfgang Schulz, Ursula Schönhofen, Anny Groß, Heimleiterin Gisela Zell und Irmgard Christmann (von links): langjährige freiwillige Helfer vor den Stufen des Echternacher Hofes. Foto: Anita Lozina
Wolfgang Schulz, Ursula Schönhofen, Anny Groß, Heimleiterin Gisela Zell und Irmgard Christmann (von links): langjährige freiwillige Helfer vor den Stufen des Echternacher Hofes. Foto: Anita Lozina
TRIER. (red) Der "Echternacher Hof", der von den Vereinigten Hospitien geleitet wird, beherbergt 25 Bewohner aus ganz Rheinland-Pfalz, die an Multipler Sklerose erkrankt oder hirnorgangeschädigt sind. ARRAY(0x27de63f68)

Zusätzlich zu seinen Mitarbeitern kann er auf einen Stamm von 18 ehrenamtlichen Helfern blicken, wobei der überwiegende Teil bereits seit 10-20 Jahren mit an Bord ist. "Sie handeln sehr eigenverantwortlich", stellt Heimleiterin Gisela Zell schnell klar. Dies schade der Einrichtung allerdings nicht; die ehrenamtlichen seien sehr verlässlich und damit eine durchgehende Konstante für die Bewohner, die zum größten Teil kaum noch soziale Kontakte pflegten. Der "Besucherdienst", wie die Arbeit der Freiwilligen genannt wird, soll genau diesem Umstand Abhilfe leisten. Jedem Helfer wird ein Bewohner zugewiesen, den er meist wöchentlich besucht. Wie diese Zeit jedoch genutzt wird, liegt fortan bei den Beiden. "Ich erledige viele Besorgungen mit, über Kleidung und Kosmetika bis hin zur Videoausleihe", erzählt Helferin Anny Groß. "An anderen Tagen wiederum gehen wir einfach einen Kaffee trinken." Bei anderen Bewohnern ist die Lage schwieriger, da sie kaum noch imstande sind, außer Haus zu gehen oder gar zu antworten. "Dann erzähle ich einfach drauf los, über ein Thema, dass den Bewohner interessieren könnte", erzählt Helfer Wolfgang Schulz. Dieser veranstaltet zudem jeden Freitag einen Gesprächskreis im Hof, der sich vor allem spirituellen und existenziellen Fragen widmet. "Die Auseinandersetzung damit hilft ihnen, mit ihrer Krankheit besser fertig zu werden", erklärt Schulz. Durch diese Erkrankung sei die Klientel oft auch sehr anstrengend, ergänzt Zell. "Hier erwartet einen keine liebe, nette, alte Oma." Die meisten Bewohner könnten kaum sprechen, daher gebe es oft keine Rückmeldung oder Anerkennung. "Manchmal kommt man auch ganz umsonst." Auch müsse man sich erst an die besonderen Eigenheiten der Erkrankten gewöhnen. "Als ich anfing, war meine größte Sorge, dass ich in der Öffentlichkeit Essen anreichen oder fremde Nasen putzen muss. Mittlerweile mache ich das seit 14 Jahren!" schmunzelt Groß. Ebenso gewöhne man sich schnell an das spezielle Gebärden und die Laute der Erkrankten. "Außerdem müssen sich die Bewohner auch erst an uns gewöhnen", stellt Freiwillige Ursula Schönhofen klar. Überhaupt sei der Besuchs-dienst keine "Einbahnstraße", sondern helfe auch den Freiwilligen. "Teilweise entstehen sogar richtige Freundschaften", erzählt Helferin Irmgard Christmann. Zusätzlich lerne man mit schwierigen Situationen umzugehen, und eigene Alltagsprobleme leichter zu bewältigen. Trotz Mitarbeitern verschiedenster Berufe, wie Altenpfleger oder Heilerzieher, möchte auch Heimleiterin Zell die freiwilligen Helfer nicht missen. "Sie sind es, die das Leben aus der Stadt zu uns ins Haus bringen."