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Wetter
Freud und Leid – Winter im Trierer Land (Videos + Fotos)

 Spaß am Mattheiser Weiher. Die Schüler aus Heiligkreuz freuen sich über die weiße Pracht.
Spaß am Mattheiser Weiher. Die Schüler aus Heiligkreuz freuen sich über die weiße Pracht. FOTO: Rainer Neubert
Trier/Schweich/Waldrach. Weil die Straßenreinigung mit Eisregen gerechnet hatte, ging im Berufsverkehr nichts mehr. Schüler kommen nicht zum Unterricht. Von unseren Reportern

Die zweijährige Amelie macht große Augen und strahlt übers ganze Gesicht. Zum ersten Mal sieht sie Schnee und kann es kaum erwarten, aus dem Kinderwagen zu klettern. Als sie am späten Donnerstagvormittag von ihrer Mutter Lena Skorzisko im Kinderwagen über die leidlich festgetretene Schneedecke auf dem Weg an den Mattheiser Weihern geschoben wird, ist das große Verkehrschaos schon Geschichte. Nur einen Schneeballwurf entfernt bauen die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Mariahof begeistert an ihren beiden Schneemännern. Das Chaos vom Morgen ist für sie kein Thema.

Impressionen eines Wintertags in Trier FOTO: Rainer Neubert

Winterdienst Kurz nach Mitternacht hatte es angefangen zu schneien. Bis zum Morgen waren etwa zehn Zentimeter der weißen Pracht gefallen. Genug, um im Trierer Land für ein Verkehrschaos zu sorgen.  „Der Winterdienst der Stadtreinigung hatte am Donnerstag in der kritischen Frühschicht 38 Fahrzeuge und 80 Mitarbeiter im Einsatz“, sagt Ernst Mettlach, Pressesprecher der Stadt Trier. Geräumt worden sei ab 5 Uhr.

Probleme habe es im Berufsverkehr gegeben, heißt es aus dem Rathaus: „Einige Mitarbeiter konnten wegen des Schneefalls nicht rechtzeitig zum Schichtbeginn  erscheinen.“ Zudem sei der Winterdienst aufgrund der Wettervorhersage auf überfrierende Nässe statt auf Schneefall eingestellt gewesen. „Andernfalls hätte die Schicht bereits um 4 Uhr begonnen.“ Geräumt worden sei entsprechend des Alarmplanes: Priorität haben die für die Versorgung und den Verkehr wichtigen Durchgangsstraßen, Steigungen und Gefällstrecken, danach folgen die übrigen Straßen.  „Bei starkem Schneefall wie am Donnerstag haben wir Streustufe eins, bei der wir uns auf verkehrswichtige und unfallträchtige Straßen konzentrieren.“

 Nach den ergiebigen Schneefällen in der Nacht hieß es auch in der Trierer City: Aus dem Weg mit der weißen Pracht!
Nach den ergiebigen Schneefällen in der Nacht hieß es auch in der Trierer City: Aus dem Weg mit der weißen Pracht! FOTO: Roland Morgen

Bus und Bahn Um 7.30 Uhr kapitulierte der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Trier (SWT) und stellte den Busverkehr ein. Die rund 80 Stadtbusse, die unterwegs waren,  steuerten „Haltestellen an, von wo aus die Fahrgäste auf einem sicheren Fußweg zu ihren Zielen kommen konnten“, erläutert SWT-Verkehrschef Michael Schröder. Ein Teil der Busse sei zurück zum Betriebshof in der Gottbillstraße gefahren, andere an Haltestellen geblieben, wo die Fahrer gewartet hätten, dass es weitergeht.

„Nicht wir waren das Problem, sondern andere Verkehrsteilnehmer“, betont Schröder. Zahlreiche Verkehrsunfälle oder auf schneeglatter Straße querstehende Fahrzeuge hätten den SWT-Verkehrsbetrieb dazu bewogen, die Notbremse zu ziehen: „In dieser Situation wollten wir weder andere noch uns selbst in Gefahr bringen.“ Kein SWT-Fahrzeug sei von einem Unfall betroffen gewesen. Um 9.50 Uhr sei der Betrieb nach und nach wieder aufgenommen werden. Auf Umlandverbindungen wie der Linie 30 kam es noch bis zur Mittagszeit zu Verspätungen.

 Die Fahrerin dieses Autos wurde leicht verletzt, nachdem ihr Fahrzeug auf der L 141 zwischen Schweich und Hetzerath von der Straße abkam und sich überschlug. Ihr einjähriges Kind blieb glücklicherweise unverletzt.  Foto: Polizei Schweich
Die Fahrerin dieses Autos wurde leicht verletzt, nachdem ihr Fahrzeug auf der L 141 zwischen Schweich und Hetzerath von der Straße abkam und sich überschlug. Ihr einjähriges Kind blieb glücklicherweise unverletzt. Foto: Polizei Schweich FOTO: Polizei Schweich

Ein umgestürzter Baum hat am Donnerstag gegen 6.40 Uhr eine Regionalbahn vor dem Kuckuckslaytunnel zwischen Kordel und Trier-Ehrang gestoppt. Der aus Nordrhein-Westfalen kommende Zug erfasste die Krone des Baumes, der offenbar wegen zu hoher Schneelast auf die Gleise gefallen war. Verletzt wurde niemand. Der Triebwagen wurde beschädigt. Die Eifelstrecke war gesperrt; der Baum wurde von der Feuerwehr entfernt. Die Regionalbahn war auf dem Weg von Gerolstein nach Trier.

Schulen In etlichen Schulen in Trier und dem Umland standen die Lehrer am Donnerstagmorgen vor halbleeren Klassen: Viele Schüler waren zu Hause geblieben. In der Moselland Realschule plus in Trier-Ehrang war es besonders krass: Nur 60 Schüler und Schülerinnen hatten es am Donnerstag bis gegen 9 Uhr dorthin geschafft. Schon am Vortag hatte es Ausfälle gegeben, berichtet eine Mitarbeiterin im Sekretariat. „Insbesondere aus Zemmer, Zerf, Sirzenich und auch aus Kordel zum Beispiel waren einige Schüler schon am Mittwoch wegen verschneiter Straßen nicht pünktlich. Und auch einige Lehrer kamen zu spät.“

Am Humboldt-Gymnasium in Trier fehlte nach Schätzung der Schule rund ein Drittel der 1000 Schüler. Die Schüler aus den umliegenden Orten und den Höhenstadtteilen von Trier hatten zumindest auf dem üblichen Weg keine Chance, zum Unterricht zu kommen. Einige Eltern versuchten, ihre Kinder per Auto zur Schule zu bringen – und blieben dabei prompt selbst in einem der vielen Rückstaus stecken, die sich durch Unfälle, umgestürzte Bäume und querstehende Busse und Lkw vor allem im Umland von Trier gebildet hatten.

„Grundsätzlich liegt die Entscheidung, ob ein Schulweg zumutbar ist, bei den Eltern“, erläutert Miriam Lange, Pressesprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), der oberen Schulbehörde. Viele Schulen würden die Eltern zu Beginn eines jeden Schuljahres befragen, ob bei extremen Witterungslagen die jeweiligen Kinder früher heimgeschickt werden dürfen oder ob sie bis zum regulären Unterrichtsende in der Schule bleiben sollen.

Die Keune-Grundschule auf dem Kürenzer Plateau erkundigte sich  bei allen Eltern der Kinder, die zum Unterricht gekommen waren, ob sie die Schüler und Schülerinnen abholen wollen und können. „Gegen 10.30 waren alle Kinder der Keune-Grundschule dann wieder zu Hause und der Unterricht war beendet“, berichtet ADD-Sprecherin Lange. Auch an der Integrierten Gesamtschule auf dem Wolfsberg bei Trier-Mariahof habe kein regulärer Unterricht stattgefunden.

„Die Schulen haben hinsichtlich ihrer Vorgehensweise bei widrigen Wetterverhältnissen unterschiedliche Regelungen“, erläutert Behördensprecherin Lange. Einheitliche Regelungen seien nicht sinnvoll, da die Schülerschaft sich jeweils unterschiedlich zusammensetze. Für den heutigen Freitag gelten ebenfalls individuelle Regeln: Je nach Lage können die Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken. Dass Schulen geschlossen blieben, Unterricht ausfalle oder verkürzt werde, sei nicht vorab geplant – kurzfristige Änderungen könnten sich bei entsprechender Wetterlage aber ergeben.

Unfälle Während die Feuerwehr für das Trierer Stadtgebiet nur kleinere Einsätze im Zusammenhang mit der winterlichen Witterung meldete, stand bei der Polizei das Telefon am Donnerstag ab 7 Uhr nicht mehr still: Umgefallene Bäume, in Gräben gerutschte Autos und witterungsbedingte Unfälle hielten die Helfer im Trierer Umland auf Trab. Hier die wichtigsten Einsätze laut Mitteilung der Polizei: Wegen starken Schneefalls musste die B 418 bei Wintersdorf gegen 7 Uhr komplett gesperrt werden.  Zur selben Zeit verlor auf der B 49 bei Igel ein Lkw die Bodenhaftung und stellte sich quer. Es kam laut Polizei zu längeren Rückstaus im Berufsverkehr. Ebenfalls gegen 7 Uhr hat sich auf der Pellinger Straße (B 268) ein Bus quergestellt. Ein Unfall wurde auch vom Pluwiger Hammer gemeldet. Auf der B 51 zwischen Tawern und Konz-Könen versperrte  ein Baum die Fahrbahn.

Besonders schlimm erwischte es die Luxemburg-Pendler. Ab 4 Uhr stellten sich auf dem Berg nach der Ehranger Brücke (B 52) zahlreiche Lkw quer und blockierten die gesamte Strecke. Mitarbeiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) und der Polizei sperrten die Straße schließlich komplett. Es bildete sich ein Rückstau, der bis zur Höhe Mülldeponie Mertesdorf und über die A602 bis zum Moseltaldreieck reichte. Einsatzkräfte des LBM mussten auch umgestürzte Bäume auf der L 151 zwischen Ehrang und Hermeskeil und auf der B 51 zwischen Tawern und Konz-Könen beseitigen. Es kam zu großen Behinderungen.

Einen 30-minütigen Stromausfall gab es wetterbedingt gegen 11.25 Uhr in Trier-Ehrang und Umgebung. Ein Baum war wegen der Schneelast auf einen Strommast an der B 422 zwischen Kordel und Ehrang gefallen.