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Freude über ein zweites Leben

"Unglaublich, was die Ärzte gemacht haben": Mehmed Catovic mit (von links) seinen Eltern Elvija und Osman, seinem Bruder Swajo und Dr. Andreas Junge.Foto: Katja Krämer
"Unglaublich, was die Ärzte gemacht haben": Mehmed Catovic mit (von links) seinen Eltern Elvija und Osman, seinem Bruder Swajo und Dr. Andreas Junge.Foto: Katja Krämer
TRIER. Es ist erst einige Wochen her, als Mehmed Catovic bei Bitburg mit seinem Lastwagen schwer verunglückte. Ärzteteams des Trierer Brüderkrankenhauses gewannen den Kampf um sein Leben. "Deutschland war zweimal, in den schwersten Momenten unseres Lebens, für uns da", sagt Catovics Vater Osman. ARRAY(0x1614f240)

"Mein lieber Sohn Mehmed, jetzt muss ich mir bewusst sein, dass ich dich für immer verloren habe", hatte Osman Catovic gesagt, als er seinen Sohn das erste Mal auf der Intensivstation im Brüderkrankenhaus Trier sah. Mehmed Catovic, der aus Sarajevo in Bosnien stammt, war in der Nähe von Bitburg mit seinem 40-Tonner frontal gegen einen Sattelzug geprallt (der TV berichtete). "Es war ein großes Glück, dass er am Unfallort sofort durch den schnellen Eingriff der Feuerwehr Bitburg, der Polizei und der Rettungskräfte versorgt werden konnte", sagt Osman Catovic heute."Er war kurz vor klinisch tot"

Nach der Bergung brachte der Hubschrauber "Christoph 10" den lebensgefährlich verletzten 24-Jährigen ins Brüderkrankenhaus nach Trier. Tagelang kämpften Ärzteteams und das Pflegepersonal um das Leben von Mehmed. "Er war kurz vor klinisch tot", sagt Dr. Andreas Junge, Chefarzt der Unfallchirurgie. Das Unfallopfer erhielt 120 Blutkonserven. Vierzig Mal wurde der junge Mann operiert. Sein rechtes Bein musste amputiert werden - doch sein Leben konnte er behalten. Nach 25 Tagen im Koma wachte Mehmed auf. "Er hat sich unerwartet und exzellent erholt", sagt Junge. "Es ist ein Wunder", sagt seine Mutter Elfija Catovic. Die Eltern und sein Bruder Swajo sind nach Deutschland gekommen, um Mehmed in seiner schweren Zeit beizustehen. Unzählige Stunden haben sie seitdem im Brüderkrankenhaus verbracht, haben gehofft, gebangt und sind heute unendlich dankbar. "Dass Mehmed überlebt hat, hat viele Gründe", sagt Bettina Heuer, Oberärztin der Anästhesie und Intensivstation. Er habe Glück gehabt, dass er in ein Notfallmedizinisches Zentrum eingeliefert worden sei, in dem entsprechende Abteilungen zusammenarbeiten, das sehr gut ausgestattet ist und über ein ausreichendes Blutdepot verfügt. "Dass er jung ist und morgens eingeliefert wurde, spielte eine Rolle", sagt die Oberärztin. Die Medizinerin betont, dass viele Menschen an dem Heilungserfolg teilhaben. "Angefangen von den Menschen, die in der Blutbank arbeiten, bis hin zu den Ärzteteams." Wer die Behandlungskosten übernehmen wird, ist noch ungeklärt. "Den größten Teil wird das Brüderkrankenhaus Trier übernehmen", sagt der Kaufmännische Direktor Bruder Peter Berg. Mehmeds Knochenbrüche und Wunden heilen, und er kann schon wieder lachen. "Ich werde weiterkämpfen, um so schnell wie möglich gesund zu werden", sagt er, während er krankengymnastische Übungen mit seinem linken Arm macht. Seit einigen Tagen ist der willensstarke Patient in einer Rehabilitations-Klinik in Bad Münden. Dort wird ihm eine Prothese angepasst, und er wird wieder laufen lernen - in ein neues Leben. "So wird mein Bruder auch eine Chance in Bosnien haben", sagt Swajo Catovic. "Wir danken Gott und den vielen Menschen für ihren unermüdlichen Kampf um Mehmeds Leben und allen, die uns unterstützt haben", sagt Vater Osman Catovic immer wieder. Innerhalb von zehn Minuten habe er ein Visum erhalten. Das Amt für Ausländerangelegenheiten in Trier habe sehr viel für die Familie getan. "Unglaublich" sei jedoch, "was die Ärzte gemacht haben". "Das Schicksal wollte es, dass Deutschland mir und meiner Familie zweimal in den schwersten Momenten unseres Lebens geholfen hat", sagt Osman Catovic. Im Jahr 1992 brach der Krieg in Bosnien aus. Osman Catovic, seine Frau und die vier Kinder mussten die Heimat verlassen, um ihr Leben zu retten. "Damals wurden wir in Heidelberg freundlichst empfangen und lebten dort vier Jahre menschenwürdig", sagt der Vater. "Und das zweite Mal erfuhren wir nun in Trier wunderbare Hilfe."