| 17:54 Uhr

Demonstration
Demo in Trier: Schule schwänzen für den Klimaschutz (Fotos/Video)

 Rund 300 junge Menschen demonstrierten für einen besseren Klimaschutz.
Rund 300 junge Menschen demonstrierten für einen besseren Klimaschutz. FOTO: Elisabeth Jäckel
Trier. Hunderte Schüler demonstrieren in der Trierer Innenstadt und fordern: Macht unsere Zukunft nicht kaputt. Von Elisabeth Jäckel

Als die 16-jährige Greta Thunberg im August letzten Jahres zum ersten Mal die Schule schwänzte, um stattdessen vor dem schwedischen Reichstag für den Klimaschutz zu demonstrieren, hätte sie sich wohl nicht träumen lassen, wie viele junge Menschen sich ihr anschließen. Rund ein halbes Jahr später tauschen in ganz Deutschland Schüler die Bleistifte gegen Plakate. In Trier trafen sich am Freitag rund 300 junge Menschen um gemeinsam unter dem Motto „Fridays for Future“ (Freitage für die Zukunft) für den Umweltschutz zu demonstrieren.

Initiiert wurde die Schülerdemo von 45 Organisatoren, eine von ihnen ist Ronja Heimann. Die Schülerin der Waldorfschule Trier engagiert sich schon länger für das Thema Umweltschutz. Sie ist aus diesem Grund Vegetarierin und versuchte sogar, ihre Mutter davon zu überzeugen, das Auto zu verkaufen. Als sie davon hörte, dass in mehreren Städten „Fridays for Future“ geplant werden, war für sie klar, dass sie auch in ihrer Heimatstadt eine Demonstration organisieren möchte.

Über Facebook, den Kurznachrichtendienst WhatsApp oder klassisch auf dem Schulhof versuchten die Schüler, möglichst viele junge Menschen von ihrem Vorhaben zu überzeugen. Lars Koster wurde im Bus von einem Bekannten angesprochen, ob er nicht Lust hätte, an der Demo teilzunehmen. Der 18-Jährige findet es wichtig, auf das Thema Klimaschutz aufmerksam zu machen - grade in Zeiten, in denen Klimaskeptiker immer lauter werden, wie er selbst sagt. Deshalb hat Koster selbst auch noch ein paar Freunde mitgebracht, wie Milan Kunkel. „Diesen Winter hat es zweimal geschneit, das ist doch nicht normal“, sagt Kunkel. Dass die beiden an diesem Freitagmorgen eigentlich in der Schule sein müssten, interessiert sie recht wenig. „Wir lernen nicht für eine zerstörte Zukunft“, steht auf ihrem Plakat.

In diesem Punkt sind sich alle anwesenden Schüler einig: Um in Zukunft auf diesem Planeten leben zu können, muss jetzt gehandelt werden. Das ist auch die Argumentation von Greta Thunberg, die das Projekt „Fridays for Future“ ins Leben rief. Bekannt wurde die 16-jährige Schwedin durch ihre Rede auf dem Weltklimagipfel in Polen, in der sie Politikern vorwarf, die Zukunft der nächsten Generation zu verspielen. Seitdem findet ihre Idee, freitags nicht zur Schule zu gehen und sich stattdessen für den Klimaschutz einzusetzen, immer mehr Anerkennung. So auch bei Pauline Tonner, die ebenfalls mit einem Plakat auf dem Domfreihof steht: „Es ist großartig, mit welcher Ernsthaftigkeit Greta Thunberg an das Thema Klimaschutz herangeht“, sagt Tonner. „Und das, obwohl sie um einiges jünger ist als ich.“ Alexander Istrtkov schließt sich dem an: „Politiker interessiert es scheinbar nicht, was mit unserem Planeten passiert, deshalb müssen wir jetzt handeln.“

Dass Umweltschutz bei jedem Einzelnen anfängt, dessen sind sich die Schüler bewusst. In den Rucksäcken sind kaum Einwegflaschen zu sehen, viele benutzen wiederverwendbare Flaschen. Auch Lars Koster versucht, so wenig Plastik wie möglich zu verwenden und keine Fertigprodukte zu kaufen. Die Psychologiestudentin Oti verzichtet wegen des Umweltaspekts auf Fleisch und fährt kein eigenes Auto. Ronja Heimann sieht in diesem individuellen Engagement das Besondere von „Fridays for Future“. Unabhängig von Parteien und Verbänden widmen sich junge Menschen dem gleichen Ziel: etwas zu verändern. Im Anschluss an die Demonstration durch die Fußgängerzone teilte die Polizei mit, alles sei störungsfrei verlaufen.

Schülerdemo in Trier gegen Klimapolitik FOTO: TV / Florian Blaes