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Forschung
Neues Forschungsprojekt an der Uni Trier: Fünf Millionen Euro für Gedichte

Festkolleg zum Forschungsprojekt  „Russischsprachige Lyrik in Transition“
Festkolleg zum Forschungsprojekt „Russischsprachige Lyrik in Transition“ FOTO: Universität Trier
Trier. Die Universität Trier ist jetzt Mittelpunkt internationaler Forschung zur Lyrik der letzten 30 Jahre in Europa, Asien und Amerika.

Satiriker Jan Böhmermann, Poetry-Slammerin Julia Engelmann und das Rapper-Duo Kollegah und Farid Bang haben eines gemeinsam: Sie haben ein Gedicht geschrieben und lösten damit eine Welle der Begeisterung beziehungsweise Empörung aus. Lyrik, bewegt die Gemüter: Aktualität zeichnet das hoch dotierte, geisteswissenschaftliche Forschungsprojekt „Russischsprachige Lyrik in Transition“ aus, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit fünf Millionen Euro gefördert wird und an der Universität Trier angesiedelt ist.

„Lyrik ist nicht mehr nur das, was man in der Schule gelernt hat, elitär, schwierig, abgehoben“, sagte Professorin Henrieke Stahl beim feierlichen Eröffnungsabend des Forschungskollegs an der Universität Trier. Für sie gilt: „Lyrik ist hautnah, sie berührt, aber sie verletzt auch, geht unter die Haut. Gerade in totalitären Staaten sind Gedichte eine künstlerische Ausdrucksform freier Gedanken“. Das fasziniert die Wissenschaftlerin als Leiterin des Forschungskollegs „Lyrik in Transition“, und damit erklärt sie den Forschungszweck.

Die Bewilligung des Projekts erhielt die Gruppe schon vor einem Jahr; der Startschuss fiel zum 1. Oktober 2017. Schon im ersten halben Jahr des Projekts fanden Konferenzen in Moskau, Washington, Tokyo und Trier statt. Stahl hat ein Forschungsnetzwerk aufgebaut, dem sich inzwischen mehr als 200 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus 23 Ländern und mehr als zehn Fachgebieten angeschlossen haben. Die Slavistin betritt damit Forschungsneuland, was die Deutsche Forschungsgmeinschaft (DFG) erkannt hat, indem sie das Projekt mit fünf Millionen Euro unterstützt. Eine solche Kolleg-Forschungsgruppe ist eines der höchst dotierten Programme der DFG und ging mit dem Lyrik-Kolleg zum ersten Mal nach Rheinland-Pfalz.

Für Grußworte und Festrede reisten Wissenschaftsminister Konrad Wolf und Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum an. Konrad Wolf bezeichnete die Lyrik-Forschung als Leuchtturm der Universität Trier: „Das neue Forschungsnetzwerk ist ein einmaliges Zentrum für vergleichende Forschung zur Gegenwarts-Lyrik. Es ist ein wichtiger Beitrag zur Profilbildung der Universität Trier“. Auch der ehemalige Amtsträger Gerhart Baum unterstrich in seiner Festrede im Audimax, dass die DFG in Zeiten des Umbruchs, in der sich die Welt befindet, ihr Geld genau richtig investiere: „Die Kreativen brauchen Freiräume, um die Zukunft neu zu gestalten.“

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Kollegs analysieren Lyrik und beobachten in ihr unsere Zeit. Aber sie sitzen nicht nur vor Texten, diskutieren auf internationalen Konferenzen darüber, sie treffen auch Autoren und arbeiten eng mit ihnen zusammen. Auch fördern sie den wissenschaftlichen Nachwuchs. Am Eröffnungsabend begleiteten fünf Künstler aus Russland, Armenien, Japan und Deutschland die Reden, indem sie Gedichte vortrugen, die Zeilen mit Bewegungen und Jonglage interpretierten oder mit Videosequenzen unterstrichen.

Universitätspräsident Michael Jäckel ist von dem Kolleg begeistert: „Die Forschungsgruppe ist einer der größten Erfolge der Trierer Geisteswissenschaft. Ich bin stolz, dass sie sich die Universität Trier als Standort ausgesucht hat.“