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Inklusion
Für schwerkranke Kinder dreht er am Rad

Wolfgang Keil überreicht Schirmherrin Malu Dreyer nach der Ankunft der Benefizradtour ein Schieferherz mit der fast korrekten Rekordsumme für die inklusive Nestwärme-Kinderkrippe. Kita-Leiterin Gertrud Dewald freut sich mit Nestwärme-Gründerin Elisabeth Schuh (halbverdeckt) über den hohen Betrag.
Wolfgang Keil überreicht Schirmherrin Malu Dreyer nach der Ankunft der Benefizradtour ein Schieferherz mit der fast korrekten Rekordsumme für die inklusive Nestwärme-Kinderkrippe. Kita-Leiterin Gertrud Dewald freut sich mit Nestwärme-Gründerin Elisabeth Schuh (halbverdeckt) über den hohen Betrag. FOTO: Anja Carron/Nestwärme / Anja Carron
Trier/Koblenz. Wolfgang Keil sammelt seit 15 Jahren mit dem Nestwärme-RadTeam Geld für die Betreuung von behinderten und nicht behinderten Kindern. Die Rekordsumme von 55 518 Euro für die Kinderkrippe macht sogar Ministerpräsidentin Malu Dreyer fast sprachlos. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Auf seinen neuen Ring mit dem eingravierten Nestwärme-Logo ist Wolfgang Keil besonders stolz. „Den habe ich gerade bekommen, weil ich mich seit zehn Jahren für die inklusive Kinderkrippe engagiere“, sagt der 68-Jährige. Der ehemalige KFZ-Meister aus Koblenz ist niemand, der mit den eigenen Leistungen prahlt. Auch wenn er maßgeblichen Anteil daran hat, dass das „RadTeam“ in den vergangenen 15 Jahren insgesamt etwa 300 000 Euro für den Verein Nestwärme und seine Angebote gesammelt hat.

Als Keil symbolisch ein Schieferherz mit der neuen Rekordspendensumme für 2018 an Schirmherrin Malu Dreyer überreichte, war selbst die Ministerpräsidentin kurz sprachlos. Die Zahl 55 018 war darauf zu lesen. Addiert mit den Spenden, die an diesem Tag noch hinzukamen, hat sich der Rekordbetrag sogar auf 55 518 Euro erhöht.

Das Geld kommt vor allem der Nestwärme-Kinderkrippe zugute, in der seit zehn Jahren gesunde, schwerkranke und behinderte Kinder nach einem als vorbildlich ausgezeichneten Konzept betreut werden (siehe Info). Das inklusive Angebot ist aktuell um eine weitere auf fünf Gruppen ausgebaut worden. Nun können dort Kinder zwischen zwei Monaten und vier Jahren betreut werden.

Dass er und seine Mitstreiter im RadTeam an der Erfolgsgeschichte der Kita großen Anteil haben, ist Wolfgang Keil bewusst. Denn wie Andreas Schäfer vom Nestwärme e.V. bestätigt, muss der Träger in jedem Jahr einen hohen Eigenanteil für das personell aufwendige Angebot tragen. 2017 betrug er 70 000 Euro. Die große Summe aus der Charity-Radtour kommt da wie gerufen.

Gespannt auf das Leben: Die kleine Cara ist eines der Kinder, die in der inklusiven Kita der Nestwärme betreut werden. Verena Schneider freut sich über die Arbeit mit dem Mädchen.
Gespannt auf das Leben: Die kleine Cara ist eines der Kinder, die in der inklusiven Kita der Nestwärme betreut werden. Verena Schneider freut sich über die Arbeit mit dem Mädchen. FOTO: Anja Carron/Nestwärme / Anja Carron

Seit 15 Jahren machen sich die Benefizradler in ihren Nestwärme-Trikots einmal im Jahr auf ihre mehrtägige Werbetour. „Die Idee dazu ist auf dem Rheinland-Pfalz-Tag in Bad Ems geboren worden“, erinnert sich Keil. Damals habe er gerade eine schwere Krebserkrankung überwunden gehabt. „Ich wollte etwas zurückgeben.“

Gemeinsam mit Ute Stenkamp begleitete der drahtige Koblenzer damals zwei Radfahrer auf ihrer fünftägigen Tour von Trier nach Meran in Italien. „Danach hatten wir das Gefühl, dass es damit nicht erledigt sein konnte.“ Ein eigener Verein wurde gegründet, um Spenden werben zu können. Im folgenden Jahr waren fünf Radfahrer unterwegs. Inzwischen macht sich in jedem Sommer ein Tross von mindestens 30 Frauen und Männern auf den 400 Kilometer langen Weg durch Rheinland-Pfalz und angrenzende Bundesländer, darunter zwei ehemalige Polizeipräsidenten und der Chef der JVA Wittlich.

„Mit unseren Trikots machen wir Nestwärme bekannt“, sagt Wolfgang Keil, der als Vereinsvorsitzender und Organisator seit 15 Jahren viel Herzblut in die Aktion einbringt. „Aber große Spenden sammeln wir mit der Radtour nicht.“ Deshalb habe er ein Glücksrad, Zelt und Tische angeschafft. „Ich bin auf jedem Event in Koblenz unterwegs und lasse samstags und sonntags das Glücksrad drehen. Für einen Euro sind kleine Preise zu gewinnen, die ich in der Regel von Sponsoren bekommen.“ Bei etwa 40 Veranstaltungen im Jahr ist der rotierende RadTeam-Vorsitzende inzwischen unterwegs. „Inzwischen bin ich bekannt und überall gern gesehen.“ Vor allem in den vergangenen Jahren ist durch dieses Engagement die jährliche Spendensumme für Nestwärme und explizit die inklusive Kindertagesstätte immer weiter gewachsen.

„Wenn ich fit bleibe, mache ich das weiter“, verspricht der 68-Jährige, der ein Freund deutlicher Worte ist. Die Krebserkrankung, die vor einigen Monaten neu ausgebrochen ist, soll das nicht verhindern. „Ich bin positiv gestimmt“, sagt Wolfgang Keil. „Zu meinem Krebs habe ich gesagt: Du bist ein Arschloch. Ich glaube, das hat er verstanden.“