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Fußballlegende Ratinho will ehemaliges Romikulum in Trier-Nord zu einem brasilianischen Restaurant machen

Das “Zaubermäuschen„ am Grill: Ex-Fußballprofi Ratinho will das Romikulum zu einem brasilianischen Restaurant machen.
Das “Zaubermäuschen„ am Grill: Ex-Fußballprofi Ratinho will das Romikulum zu einem brasilianischen Restaurant machen. FOTO: Friedemann Vettertter
Trier. Er gehört zu den ewigen Helden des 1. FC Kaiserslautern, war einer der Hauptdarsteller der legendären Meisterschaft 1998 in der Fußball-Bundesliga und eröffnet kommende Woche am 5. August ein brasilianisches Restaurant in Trier. Everson Rodrigues alias Ratinho spricht mit dem TV über seine Liebe zum Fußball und zum Grillen. Jörg Pistorius

Auf dem Betzenberg nannten sie ihn "Zaubermäuschen" im wahrscheinlich herrlichsten Fußballsommer, den die Fans des 1. FC Kaiserslautern jemals erlebt haben. In Trier tritt Ratinho als Grillmeister an: Er wird das Restaurant Romikulum auf dem Romikagelände in der Trierer Metternichstraße übernehmen und als brasilianisches Grillrestaurant weiterführen. Die Eröffnung ist bereits fest geplant: Am Mittwoch, 5. August, soll es losgehen. Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren.

"Ich habe schon zu meiner Zeit als Profi immer darüber nachgedacht, was ich nach der Karriere machen werde", erzählt der 44-jährige Brasilianer, der von der förmlichen Anrede "Sie" und einem "Herrn Rodrigues" nichts wissen will. Einfach Ratinho - das reicht. "Hast du damals gesehen, wie wir in Kaiserslautern gespielt haben?", will er wissen. Aber klar. Ratinho freut sich. "Das war wirklich eine total unglaubliche Zeit."

Warum dann der Wechsel in die Gastronomie? "Fußball ist ein sehr enges Geschäft. Als Trainer bist du immer abhängig vom Vorstand und den Resultaten deiner Mannschaft." Er schaut sehr ernst, als er das sagt, aber dann beginnt er zu strahlen. "Grillen hat mir immer schon enorm viel Freude gemacht. Deshalb bin ich heute auch 15 Kilo schwerer."

Ratinhos Start als Profigastronom liegt noch nicht lange zurück. 2012 eröffnete er in Kaiserslautern das Restaurant Sabor Brasil. "Das Konzept stammt aus Südamerika", erklärt er. Sein Haus sei eine Churrascaria, ein traditionelles Restaurant, wie man es in Südbrasilien findet. Dessen Spezialität ist gegrilltes Fleisch (Churrasco) in vielfältigen Variationen.

"Auch die Atmosphäre ist enorm wichtig", sagt Ratinho. "Eben reine südamerikanische Lebensfreude. Nur wenn ich selbst Freude empfinde, kann ich sie auch verbreiten. Genau das habe ich in Trier vor." Musik, Tanz und Samba spielen deshalb in der Churrascaria eine ebenso wichtige Rolle wie die sich am Grill drehenden Fleischspieße.

Dieses Konzept will Ratinho nach Trier bringen. Aus dem alten Romikulum soll ein zweites Sabor Brasil werden. Tanz und Samba inklusive. "Trier ist eine Stadt mit viel Leben", sagt der Ex-Fußballprofi und Grillmeister. "Ein guter Standort." Sein Küchenteam bestehe aus Brasilianern. Am Dienstag, 4. August, will Ratinho eine Generalprobe mit geladenen Gästen organisieren. Am 5. August werde dann die große Eröffnung folgen. "Wir werden keinen Mittagstisch anbieten, sondern uns auf die Abende konzentrieren", erklärt er. Das Feiern und Zelebrieren des Grillens passe auch nicht zu einem oft zeitlich engen und schnellen Mittagessen.

Extra: Romikulum

Das Romika-Gelände im Norden der Stadt Trier hat eine bewegte Geschichte. Die Josef-Seibel-Gruppe aus dem pfälzischen Hauenstein, die weltweit 3000 Mitarbeiter beschäftigt, hatte die insolvente Romika 2005 übernommen. Seit 2007 residiert Romika Shoes auf dem ehemaligen Militärgelände. Die Gesellschaft hatte dort zeitweise eine gläserne Produktion. Eines der Gebäude wurde zu einer Gaststätte umgebaut und verpachtet. Ihr Name: Romikulum.

Im Juli 2014 übernahm der Zweckverband Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART) das 23.000 Quadratmeter große Areal und will bis 2019 große Teile seines aktuellen Standorts in der Löwenbrückener Straße in den Norden verlegen. Das ehemalige Romikulum und zukünftige Sabor Brasil ist davon nicht betroffen. Es wird von der Josef-Seibel-Holding gemietet und an Ratinho unterverpachtet. Die Fans der Ü30-Partys in der Metternichstraße können tief durchatmen: Im Romika-Großzelt gehen die Partys weiter.

Extra: Ratinho

Der 1. FC Kaiserslautern stieg in der Saison 1996/1997 aus der zweiten in die erste Bundesliga auf und wurde in der Spielzeit 1997/1998 im direkten Durchmarsch Deutscher Meister. Eine Riesensensation. Ratinho gehörte zur Stammelf und war im Angriff der kongeniale Partner von Andreas Buck. Otto Rehhagel war der Trainer des Teams. Unvergessen sind die schönen Bilder nach dem 1:0-Auftaktsieg der Lauterer gegen Bayern München: Rehhagel springt mit der Wasserflasche in der Hand über die Bande und rennt strahlend auf die Fankurve zu. Giovanni Trappatoni trainierte damals Bayern München, die Vizemeister wurden. Seine legendäre Wutrede „Schwach wie eine Flasche leer“ und „Was erlauben Struuuunz“ lief ebenfalls im Kaiserslauterner Meisterjahr 1998.