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Fußgängerzone unerwünscht

Peter Dietze
Peter Dietze FOTO: Foto: Friedemann Vetter
TRIER. Seit fast 20 Jahren kämpft ein Anwohner dafür, das Jakobsspitälchen der Trierer Fußgängerzone zuzuschlagen. Er war sogar bereit, den Großteil der Kosten für den Ausbau des Verbindungssträßchens zwischen Fleisch- und Metzelstraße zu übernehmen – alles vergebens. Von unserem Redakteur <br>DIETER LINTZ

Dieter Aulmann gehört nicht zu denen, die leicht aufgeben. Man könnte auch sagen: Der Trierer Hotelier ist zäh. Und Zähigkeit braucht er auch für sein Anliegen, wie ein Blick auf seine stattliche Korrespondenz mit der Stadtverwaltung zeigt. Am 16. April 1987 schrieb Aulmann erstmals an die Stadt – der Oberbürgermeister, dessen Sekretariat ihm damals antwortete, hieß Felix Zimmermann. Er ließ mitteilen, man werde überprüfen, ob das Jakobsspitälchen in die Fußgängerzone einbezogen werden könne. Seither füllt der Vorgang ganze Aktenordner, hat manchem Architekten und Advokaten gutes Geld und manchen Verwaltungsbeamten zur Weißglut gebracht. Nur passiert ist wenig. Immer noch endet die Fußgängerzone nach einem Viertel des Jakobsspitälchens. Dahinter schließt sich ein unansehnlicher Schlauch von Straße an, in dem sich trotz Parkverbots Autos gegenseitig im Weg stehen, während ihre Fahrer den kurzen Fuß-Weg in die City suchen. "Ein miserabler Zustand", schimpft Dieter Aulmann, dem das Gebäude mit dem gleichnamigen Hotel und den Arkaden-Geschäften gehört. Er ist einer von drei Anliegern der Straße, und die Situation nervt ihn seit Jahren. Seine Vision ist eine hübsch gepflasterte Fußgängerzone bis zur Metzelstraße, vielleicht mit einem Wasser-Rinnsal und einem Brunnen, geziert von einer Jakobus-Figur, passend zum Namensgeber der Gasse. Dass sich damit auch der Nutzwert seiner Liegenschaften verbessern würde, stellt er nicht in Abrede. Alle Jahre wieder ist er am Augustinerhof vorstellig geworden, hat reihenweise Gesprächspartner verschlissen. 1992 stellte der damalige Wirtschaftsdezernent Neuhaus eine Aufwertung zur Fußgängerzone in Aussicht – nichts passierte. Mitte der 90er-Jahre ließ die Stadt verlauten, man wolle zwar, könne aber nicht, wegen der Kosten. Daraufhin erklärte sich Aulmann bereit, die Finanzierung privat zu übernehmen. Er holte einen Kostenvoranschlag ein, wollte loslegen. Aber seine Planung entsprach nicht den Ansprüchen der Stadt. Wieder lag die Sache eine Zeit lang auf Eis, bis Aulmann Anfang 2000 einen weiteren Anlauf nahm. Er ließ erneut einen Plan ausarbeiten, diesmal auf öffentlich-rechtlichem Niveau. Er erklärte sich bereit, bei einem Ausbau nicht nur seinen Anteil zu übernehmen, sondern auch den der Stadt. Aber er erntete wieder ein "njet". Die anderen beiden Anlieger seien gegen den Ausbau, teilte das Baudezernat mit. So lange das so sei, wolle man nicht mit Zwang arbeiten. Schließlich, so Baudezernent Peter Dietze gegenüber dem TV, gebe es "kein überwiegendes öffentliches Interesse" an der Umgestaltung, das eine verpflichtende "Zwangs"-Ausbaumaßnahme rechtfertige. Ein weiteres Mal legte der unermüdliche Aulmann eine Schippe nach. Er werde auch die Anteile der anderen Anlieger vorfinanzieren, so dass auf die Stadt keinerlei Verpflichtungen zukämen. "Nein danke", beschloss im Januar der zuständige Ausschuss. Einstimmig. Die Stadt sei "absolut unwillig, irgend etwas am Ausbauzustand der Straße zu ändern", teilte das renommierte Anwaltsbüro Gaube&Jeromin seinem Mandanten Aulmann etwas ratlos mit. Der versteht nun die Welt nicht mehr. "Da will man der Stadt etwas Sinnvolles schenken, und sie nimmt es nicht", rätselt der Unternehmer. Die Fleischstraße will keine Ausweitung

Licht ins Dunkel bringt der Baudezernent. Die "Einstellung der Gewerbetreibenden zu Fußgängerzonen" habe sich in den vergangenen Jahren geändert, befindet Peter Dietze. Ende der 80er-Jahre habe es "eine Tendenz zur Ausweitung" gegeben, heute nicht mehr. So habe die Anliegergemeinschaft Fleischstraße deutlich gemacht, dass man die derzeitige Lösung im Jakobsspitälchen bevorzuge. Gegen diese mächtige Lobby wird Aulmann es schwer haben, auch wenn seine Ausbauvorschläge das Stadtbild erheblich verbessern könnten. Immerhin hat er mit der Galerie Kaschenbach den zweiten von drei Anliegern inzwischen auf seine Seite gezogen. Er kämpft weiter. Der Mann ist eben zäh.