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Geburtstagswunsch: Saftiger Schweinsbraten - Trierer Alt-OB Felix Zimmermann wird 80

Trier/Kassel. Schon fast ein Vierteljahrhundert kein Trierer mehr, aber dennoch an seiner alten Wirkungsstätte unvergessen: Felix Zimmermann, von 1980 bis 1989 Oberbürgermeister von Trier, feiert an diesem Sonntag seinen 80. Geburtstag - und denkt mit Wehmut an Trier, wie er im TV-Interview gesteht.

Trier/Kassel. Er galt als Idealbesetzung für den Posten des Stadtoberhaupts in den 1980ern, als die 2000-Jahr-Feier Trier international in den Blickpunkt rückte. Keine Casting-Show hätte einen geeigneteren Repräsentanten hervorbringen können als Felix Zimmermann, kunstsinniger Schöngeist von barocker Statur und weltmännischem Habitus, und selbstverständlich war er auch Gourmet. Es schien so, als hätte Trier fast 200 Jahre nach der französischen Revolution wieder einen Kurfürsten, und zwar einen der raren Sorte, die auch beim Volk beliebt war. Zimmermann inszenierte Trier und sich auch selbst gleich mit. Am Sonntag feiert er seinen 80. Geburtstag. TV-Redakteur Roland Morgen unterhielt sich mit ihm über alte Zeiten und aktuelle Pläne.
Wie geht\'s, Herr Zimmermann?
Felix Zimmermann (lacht): Interessante Frage. Gehen geht leider ganz schlecht. Ich bin ja ohnehin auf den Rollator angewiesen - Folge einer Lungenembolie 2003 und all den Malaisen, die dadurch entstanden sind. Kürzlich bin ich leider gestürzt, was einen Klinikaufenthalt nach sich zog. Ich versuche nun, wieder einigermaßen auf die Beine zu kommen.
… um auch mal wieder Trier zu besuchen?
Zimmermann: Ja, das würde ich liebend gerne. Vom Weißhaus auf die Stadt blicken, vielleicht sogar um die Riveris-Talsperre herum spazieren. Früher bin ich da mal gejoggt …
Sie hätten ja nicht aus Trier weggehen müssen…
Zimmermann: Da treffen Sie einen wunden Punkt. Ich habe später oft damit gehadert, Trier verlassen zu haben. Aber meine damalige Frau Eugenia hatte gemeint, ich solle endlich mal etwas Geld verdienen. Das konnte ich dann als Geschäftsführer des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) mit Sitz in Köln. Dennoch: Das hat mir nicht die berufliche Erfüllung gebracht und die Freude gemacht wie meine Aufgabe als OB von Trier.
Und dieser Job ist ja unerwartet spannend geworden, obwohl viele Leute damals meinten: Der Felix macht das richtig. Nach der 2000-Jahr-Feier ist erst mal lange nichts los in Trier.
Zimmermann: Das hatte ich - offen gestanden - auch angenommen. Aber ich konnte nicht ahnen, was für eine dramatische Entwicklung sich anbahnte: das Ende der Sowjetunion, die deutsche Wiedervereinigung, die Konversion. Binnen ein, zwei Jahren war die Welt eine völlig andere. Und für Trier als ehemals zweitgrößter französischer Militärstandort überhaupt ergaben sich ungeahnte Chancen und Herausforderungen.
Haben Sie Ihren Nachfolger Helmut Schröer um seinen Job beneidet?
Zimmermann: Durchaus. Doch ich muss auch sagen, dass er und Baudezernent Peter Dietze als Hauptverantwortliche die Mammutaufgabe Stadtentwicklung mit Bravour gemeistert haben. Zu meiner Zeit war Dietze Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Statistik und schon damals einer der fähigsten Köpfe im Rathaus. Mit Helmut Schröer stehe ich in regem Kontakt.
Wenn Sie an Ihre Zeit als Stadtoberhaupt zurückdenken: Was fällt Ihnen - abgesehen vom Repräsentationsmarathon im Jubiläumsjahr 1984 - spontan ein?
Zimmermann: Ganz spontan: die Ernennung Oswald von Nell-Breunings 1981 zum Ehrenbürger seiner Geburtsstadt. Ich hatte ihm angeboten, ihn mit meinem Dienstwagen in Frankfurt abholen zu lassen. Aber er bestand darauf, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Das habe er sein ganzes langes Leben so gehandhabt. Eine ungemein bescheidene Persönlichkeit und gerade auch deshalb so faszinierend.
Oswald von Nell-Breuning wurde 101. Könnten Sie sich solch ein Alter auch für sich vorstellen?
Zimmermann: Unbedingt! Auch wenn mein Körper momentan nicht so richtig mitspielt. Aber geistig fühle ich mich jung und beweglich. Meiner Frau Bärbel habe ich es zu verdanken, dass ich jetzt erst mal die 80 schaffe.
Das müssten Sie bitte genauer erklären.
Zimmermann: Ich sag\'s ja ungern, aber sie hat es geschafft, mich auf Diät zu setzen und zu einer vernünftigen Lebensweise anzuhalten. Das stinkt mir manchmal, und dann möchte ich ausbüxen, um etwas Anständiges zu essen. Doch dann besinne ich mich wieder auf meine heute sehr asketische Lebensweise.
Das klingt nach einer starken Persönlichkeit.
Zimmermann: Oh ja, das ist meine Frau. Sie hat mich gut im Griff - trotz meines etwas störrisch-widerborstigen Charakters. Zu meiner Verteidigung möchte ich anführen, dass sie neun Jahre jünger ist als ich und entsprechend energischer.
Bei der Beisetzung ihrer ersten Frau 2003 waren Sie nicht dabei. Obwohl Sie damals längst geschieden und wiederverheiratet waren, haben Ihnen viele Menschen das verübelt.

Zimmermann: Dann wissen diejenigen nicht, wie es damals um mich bestellt war. Ich hatte Eugenia noch drei Wochen vor ihrem Tod besucht. Zur Trauerfeier konnte ich nicht kommen, weil meine körperliche Verfassung es in jenem Moment nicht zuließ.

Vor einem Jahre ist ihr Buch "Ein OB tischt auf" mit Anekdoten aus ihrer Trierer Zeit erschienen. Damals sagten Sie, dass Sie an ihren Memoiren arbeiten. Wie steht es damit?
Zimmermann: Ganz gut. Ich bin jetzt bei etwa 650 Seiten angelangt, 800 dürften es insgesamt werden. Und es handelt sich nicht nur um vergnüglichen Lesestoff, sondern auch um ein noch sehr ungewürdigtes Kapitel der neueren deutschen Geschichte. Nämlich die Zeit nach der Wiedervereinigung, als sich die großen westdeutschen Stromkonzerne den Energiemarkt in den neuen Bundesländern unter den Nagel reißen wollten.
Und Sie haben dagegengehalten …
Zimmermann: Selbstverständlich! In meiner Eigenschaft als VKU-Hauptgeschäftsführer habe ich mich entschieden gegen diesen Alleinvertretungsanspruch zur Wehr gesetzt. Mit dem damaligen VKU-Präsidenten Manfred Rommel habe ich schlussendlich erreicht, dass es eine Renaissance der unabhängigen Stadtwerke in der ehemaligen DDR gab. Ich bin landauf landab gereist und habe unzählige Vorträge gehalten. Das war echte Kärrnerarbeit, auf deren Ertrag ich stolz bin. Heute haben wir eine vollkommene Wiederbelebung der Stadtwerke-Szene.

Und was macht der Maler Felix Zimmermann?
Zimmermann: Malen - eine weitere Leidenschaft. Danke der Nachfrage. Ich habe gelegentlich sehr kreative Phasen und bin experimentierfreudig. Zu abstrakten Arbeiten haben sich im inzwischen auch Pop-Art-verwandte gesellt. Und im Lauf der Jahre sind die Bilder größer und farblich expressiver geworden. Ich habe mich bereits an die zwei Mal drei Meter große Leinwand gewagt - ein echtes Ungetüm! Bilder von mir hängen in der Privatgalerie Graf Kanitz in Frankfurt, Kennedyallee. Im Internet finden Sie etwas von mir unter kunsthandel.de

Ihr persönlicher Geburtstagswunsch zum 80?
Zimmermann: Ein schöner saftiger Schweinsbraten mit Knödeln halb und halb. Ersatzweise Pellkartoffeln mit Butter. Ich werde das mit meiner Frau verhandeln. rm.Extra

Felix Zimmermann, geboren am 25. August 1933 in München, wuchs auf am badischen Bodensee und studierte Jura in München und Köln. Nach beruflichen Anfängen als Rechtsanwalt und Justiziar wurde er Leiter der Stadtwerke Trier, dann Direktor der Stadtwerke Augsburg. Von 1980 bis 1989 war Zimmermann Oberbürgermeister der Stadt Trier und übernahm anschließend für zehn Jahre den Posten des Hauptgeschäftsführers des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) in Köln, dem heute mehr als 1400 Energie-, Wasserversorgungs- und Abfallunternehmen angehören. Felix Zimmermann hat einen Sohn (seine Tochter ist 2011 gestorben), zwei Enkel und einen Urenkel. Er lebt in Kassel in der Seniorenresidenz Augustinum. rm.