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Gefräßiger Neubürger: Immer mehr Schwarzmundgrundeln in der Mosel

Trier. Lange freute sich Fischereiaufseher Guido Eberhardt „über jeden Fisch“, den er in hiesigen Gewässern sichtete. Die Freude hat ein Ende: Mit den Schwarzmundgrundeln hat sich eine fremde Fischart explosionsartig in der Mosel vermehrt. Gabriela Böhm

Wenn Guido Eberhardt am Moselufer angelt, macht er reiche Beute. 160 Fische hat der amtlich verpflichtete Fischereiaufseher in drei bis vier Stunden an der Angel. Glücklich macht ihn das keineswegs. Denn die Fische mit den Saugflossen an der Brust sind über Donau und Rhein eingewanderte Schwarzmundgrundeln: zehn bis 20 Zentimeter kleine Fische, großer Kopf, der Rest sind Schwanz und Flossen.

Als Guido Eberhardt vor zwei Jahren erstmals seine Sorgen wegen der Vermehrung der Schwarzmundgrundeln dem Trierischen Volksfreund berichtete, fielen bereits Wörter wie "Plage" oder "explosionsartige Vermehrung". Das Vorkommen der Fische hat sich seitdem drastisch vergrößert. "Ein ganzer Teppich ist dort unten", sagt Eberhardt und deutet ins Wasser.

Egal, welchen Köder er im Wasser habe, egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit er angele: Die gefräßigen Grundeln schießen aus ihrem Versteck unter Steinen hervor und schnappen zu. Fische wie Rotaugen, die Eberhardt eigentlich gerne angeln würde, hat er so gut wie gar nicht mehr am Haken. Schwarzmundgrundeln sollen zwar genießbar und sogar wohlschmeckend sein. Aber der Aufwand für die Zubereitung sei viel zu groß, sagt Eberhardt.

Seine schlimmste Sorge: Die Schwarzmundgrundeln seien Laichräuber anderer Fischarten und störten damit das natürliche System. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord bestätigt die Nahrungskonkurrenz zu heimischen Grundfischarten. Auch Laich und Jungfische anderer Arten seien gefährdet.

"Da die neuen Arten ihre natürlichen Feinde nicht mitbringen, dauert es einige Zeit, bis vorhandene Arten die Zugewanderten als Beute nutzen und sich in der Folge ein ökologisches Gleichgewicht einstellt", beruhigt Sprecherin Sandra Hansen-Spurzem. Maßnahmen gegen die "Neubürger" würden sich auf die Fischerei beschränken. Angler, so die Sprecherin Hansen-Spurzem, hätten eine gesetzliche Pflicht, gefangene Arten nicht einheimischer Fische dem Gewässer zu entnehmen. Außer als Speisefisch seien die Grundeln als Köderfisch verwertbar.

Für Eberhardt ist dies kein Trost. "Es macht keinen Spaß mehr! Ein einziges Rotauge in zwei Stunden, nach zehn Minuten sind die gefräßigen Grundeln da!", sagt er. "Wozu sollen Angler dann noch den Angelschein und das Futter bezahlen?"