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Gemeinsame Herzenssache

"Existenzgründer" im eigenen Reich: Raúl Huerga und Partnerin Sandra Weiß. Foto: Roland Morgen
"Existenzgründer" im eigenen Reich: Raúl Huerga und Partnerin Sandra Weiß. Foto: Roland Morgen
TRIER. "Der muss bekloppt sein", sagen viele über Raúl Huerga (37), der mit einer ungewöhnlichen Entscheidung für Gesprächsstoff sorgt. Er hat den sicheren Job als Direktor des Park-Plaza-Hotels aufgegeben, um sich als Gastronom selbstständig zu machen. Gemeinsam mit (Lebens-) Partnerin Sandra Weiß (28) führt er das komplett umgebaute ehemalige "Mephisto" als "Cuba Viejo" weiter: "Das mag aus finanzieller Sicht verrückt sein. Aber wir erfüllen uns einen Wunschtraum. Das zählt." ARRAY(0xf5668678)

Es ist eine der spannendsten Personalia des Sommers in Trier: Raúl Huerga hat das Park Plaza verlassen. Spannend vor allem deshalb, weil sich dahinter weitaus mehr verbirgt als ein in der Hotellerie nicht unüblicher Direktorenwechsel. Huerga, seit dem Eröffnungsjahr 2002 Chef der Vier-Sterne-superior-Nobelherberge am Nikolaus-Koch- Platz, ist aus freien Stücken gegangen, um das zu realisieren, was schon seit 13 Jahren vorhatte: Eine eigene Kneipe haben, die so ganz anders sein soll." Warum gerade jetzt und warum gerade in Trier? Da kommt Sandra Weiß ins Spiel, die Frau im Leben des zuvor zweimal verheirateten 37-Jährigen. Die beiden kennen sich seit acht Jahren, mehrfach kreuzten sich die beruflichen Wege der beiden. Seit August 2005 arbeitet Sandra Weiß ebenfalls im Park Plaza. Da funkte es, und dann bekam Huergas Traum den entscheidenden Schub: "Sandra ist die Starke. Ohne sie würde ich wohl immer noch träumen, ohne dass etwas passiert wäre." Die 28-Jährige bastelte kräftig mit an Huergas Gastro-Konzept einer Wohlfühl-Kneipe mit Lounge, Restaurant und frischer Küche. Drei Objekte standen schließlich zur Auswahl: ein Mini-Hotel in Spanien sowie in Trier das Ex-Kabinenbahn-Restaurant am Zurlaubener Ufer und das ebenfalls seit Jahren leer stehende "Mephisto" Ecke Irminenfreihof/Kalenfelsstraße. Die Varianten 1 und 2 schieden wegen zu großen Finanzbedarfs aus, das "Mephisto" gefiel beiden ("und unserer Bank") so sehr, dass sie ihr Konzept noch einmal umstrickten, um auch den Biergarten mit einbeziehen zu können. Drinnen sieht es so aus, wie der Name "Cuba Viejo" ("Alt-Kuba") verheißt. Vor vier Wochen war Eröffnung. Raúl Huerga tauschte Business-Anzug gegen Jeans und Polo-Shirt, steht seinem alten Arbeitgeber aber in der Übergangsphase noch mit Rat und Tat zur Seite. Auch den Kontakt zur seiner Nachfolgerin Elisabeth Schug stellte er her. Sandra Weiß folgt ihrem Geschäfts- und Lebenspartner kommende Woche: Sie hat ihren Job als Park-Plaza-Empfangschefin zum Monatsende gekündigt. Ein Doppel-Abschied ohne Wehmut? "Nein, natürlich nicht ganz", sagt Huerga. "Aber es ist schon ein tolles Gefühl, sein eigener Herr zu sein. Wenn ich morgens das Cuba Viejo betrete, dann fühle ich mich wie in einer anderen Welt." "Hier steckt unser Herz drin", ergänzt Sandra Weiß.Ein Mann, drei Staatsangehörigkeiten

Die Affinitäten zu Kuba, Karibik und Lateinamerika kommen nicht von ungefähr. Huerga ist geboren in Frankenthal, aber aufgewachsen in Kolumbien. Der begnadete Tänzer (mehrfacher Baden-Württemberg-Meister in Salsa, Mambo Boogaloo) und einstige Tanzschul-Betreiber hat neben der deutschen und kolumbianischen auch die spanische Staatsbürgerschaft. Mit seiner aus Mannheim stammenden Partnerin wohnt er in einer ehemaligen Schnapsbrennerei in Riol - "weil es dort so schön ruhig ist" . Das berufliche Herz schlägt aber in Trier. Huerga: "Ich hatte anfangs Befürchtungen. Aber inzwischen kenne und schätze ich die Trierer. Bei näherem Hinsehen sind sie nicht verschlossen und dickköpfig." Aber als Gäste Teil eines wahr gewordenen Traums.