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Genossenschaft zum Mitmachen wird 25 Jahre

Der kleine Leon rutscht, während sich die Wogebe-Festgäste zum Foto aufstellen. TV-Foto: Friedemann Vetter
Der kleine Leon rutscht, während sich die Wogebe-Festgäste zum Foto aufstellen. TV-Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter (ClickMe)
Trier. Die Wohnungsgenossenschaft Am Beutelweg hat es geschafft, das ehemals heruntergekommene Viertel um die Thyrsusstraße in Trier-Nord zu sanieren und aufzuwerten. Nun feierte sie ihren 25. Geburtstag mit einem Fest der Bewohner. Die Wünsche des Geschäftsführers: sozial und wirtschaftlich bleiben. Manuel Beh

"Ich habe es nie bereut, in den Beutelweg gezogen zu sein", erklärt Franca Günther (47) mit einem zufriedenen Lächeln. Sie habe schon vor der Gründung der Wohnungsgenossenschaft Am Beutelweg (Wogebe) dort gewohnt und die Entwicklung des Viertels miterlebt: "Alle meine fünf Kinder sind in Trier-Nord aufgewachsen. Gerade der Zusammenhalt freut mich besonders", sagt Günther.

Die Wogebe begeht ihr 25-jähriges Bestehen mit einer kleinen Feier. Herbert Schacherer, Geschäftsführer der Genossenschaft, betont: "Auf den Tag genau, sogar auf die Stunde genau vor 25 Jahren wurde die Wogebe gegründet." Rund 60 Mitglieder und Bewohner sind zu Kaffee und Kuchen auf dem zentralen Spielplatz zusammengekommen.Ziel: bezahlbarer Wohnraum


Gründungsmitglied Bernd Steinmetz hat nicht gedacht, dass die Genossenschaft so alt werden würde: "Damals war es uns einfach ein Anliegen, den Menschen in den ehemaligen Kasernengebäuden weiterhin bezahlbaren Wohnraum zu gewähren. Oft werden den Menschen in den sozial benachteiligten Vierteln Vorwürfe gemacht. Wir wollten nicht kritisieren, sondern handeln."

Heute gilt die Wogebe als Vorreiter. Ihr Konzept basiert darauf, dass die Bewohner bei der Sanierung mithelfen und sich aktiv an den Arbeiten in ihrem Viertel beteiligen. "Wir sind eine Genossenschaft zum Mitmachen. Die räumliche Trennung von ärmeren und reicheren Gegenden in Trier-Nord möchten wir verhindern - ein Stadtteil für alle soll sich entwickeln", erläutert Schacherer. Und es scheint zu funktionieren: Auf den Straßen spielen Kinder, ihre Eltern unterhalten sich, und Rentner gehen gemeinsam spazieren.

Joel Dier (9) gefällt besonders der angelegte Spielplatz - ein Treffpunkt für Groß und Klein: "Hier kann ich viele Freunde treffen, die alle in der Nähe wohnen. Auch im Kindergarten und in der Grundschule bin ich schnell." Seine Spielkameradin Janina Wollmann (8) mag ihre große Wohnung und die vielen Grünanlagen im Viertel. Dennoch merkt sie kritisch und selbstbewusst an: "Die vielen Zigarettenkippen im Sandkasten stören mich."

Theo Jakobs (76) ist ins Beutelweg-Viertel gezogen, da er ein gewisses Alter erreicht habe, wie er sagt: "Ich möchte Menschen um mich herum haben und lobe mir die kurzen Distanzen zu den Geschäften. Auto muss ich nun nicht mehr fahren, ich nehme den Bus." Er finde es wichtig, sich in die Gemeinschaft einzubringen und mit anderen Menschen den Kontakt zu suchen - die Chemie stimme einfach, sagt Jakobs.

Schacherer wünscht sich für die Zukunft, dass sich die Entwicklung des Viertels und der Wogebe so fortsetze wie bisher: sozial und wirtschaftlich. Steinmetz fügt hinzu: "Ich hoffe, dass die Bewohner noch größeren Anteil an der Gemeinschaft nehmen. Sie sollen die Wogebe weniger als normalen Vermieter wahrnehmen und verstehen."
Weitere Infos gibt es im Internet auf der Seite:

wogebe.deExtra

Die Wohnungsgenossenschaft Am Beutelweg (Wogebe) wurde am 21. März 1991 gegründet, als mehrere Kasernengebäude in Trier-Nord durch den Bund verkauft werden sollten. Die Stadt interessierte sich nicht für die Immobilien. Viele Bewohner mit niederem Einkommen fürchteten um ihre Wohnungen. Um zu verhindern, dass ein privater Investor die Gebäude saniert und die Mieten erhöht, entwickelte der emeritierte Hochschulprofessor Heinz Ries das Konzept der Genossenschaft. Heute ist die Wogebe Eigentümerin von rund 500 Wohnungen im Beutelweg-Viertel.