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Handel
Geschäftsleute warnen vor einem Globus-Markt in Trier

Eine solche Metzgerei – das Bild zeigt den Globus-Markt in Rüsselsheim – soll auch in Trier entstehen.
Eine solche Metzgerei – das Bild zeigt den Globus-Markt in Rüsselsheim – soll auch in Trier entstehen. FOTO: Claus Morgenstern / Trierischer Volksfreund
Trier. Die Globus-Gruppe hat vor, für 40 Millionen Euro ein Warenhaus in Trier-Euren zu bauen. Diese Idee hat nicht nur Freunde. Gutachter sollen klären, ob das Projekt den Innenstadthandel gefährdet.
Jörg Pistorius

In der Niederkircher Straße in Trier-Euren hat der Globus-Konzern bereits 2017 ein Areal gekauft, um dort ein modernes Warenhaus mit einer Verkaufsfläche von 10 000 Quadratmetern zu bauen.

Dieser Standort liegt nahe der Hauptachse Luxemburger Straße (siehe Grafik). 40 Millionen Euro will Globus investieren und vor Ort angeblich bis zu 400 Arbeitsplätze schaffen (der TV berichtete). Es wäre keine Premiere in Trier, denn Globus ist schon seit Jahren mit einem Baumarkt im Gewerbegebiet Castelforte vertreten.

Die Hürden Doch bis zur Grundsteinlegung muss das Unternehmen, dessen Warenhäuser und Fachmärkte einen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften (siehe Info), noch einige Hürden nehmen.

Die höchste ist das vom  Stadtrat Trier beschlossene Einzelhandelskonzept 2025+. Darin heißt es unter anderem: „Die Etablierung von großflächigem Einzelhandel mit zentrenrelevantem Sortiment ist nur innerhalb des Alleenrings möglich.“ Von diesem ist das Industriegebiet Euren weit entfernt.

Die Gutachten Zwei Gutachterbüros beschäftigen sich zurzeit mit der Frage, ob Globus nach Trier kommen darf und soll. Die Cima Beratung und Management GmbH  aus Köln hat die 2015 beschlossene Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts im Auftrag der Stadt Trier erarbeitet, ist aber jetzt für die Globus-Gruppe aktiv. „Derzeit laufen die Untersuchungen der Verträglichkeit unseres Vorhabens im Hinblick auf die Trierer Innenstadt sowie zentrale Versorgungsbereiche“, bestätigt Globus-Sprecherin Isabel Conz.

Die Stadt Trier will diese Frage ebenfalls klären und hat die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) mit der aktuellen Fortschreibung des Konzepts beauftragt. Die Ergebnisse sollen „im dritten Quartal 2018“ vorliegen, darin stimmen beide Seiten überein.

Das sagt Globus Sprecherin Conz legt die Pläne auf den Tisch. „Wir planen die Ansiedlung eines neuen Globus-SB-Warenhauses in der Region Trier nach dem Vorbild unserer modernsten Märkte in Koblenz und Rüsselsheim.“

Lebensmittel seien der absolute Schwerpunkt. „Bis zu einem Drittel stellen wir selbst vor Ort her, etwa in unserer Metzgerei oder Bäckerei. Zudem legen wir großen Wert auf regionale und lokale Produkte und Lieferanten.“ Dazu komme eine Vorkassenzone mit Angeboten wie einer Apotheke, einem Friseur und einem Schuh- und Schlüsseldienst.

Eine Gefahr für die Innenstadt sieht die Globus-Sprecherin nicht, im Gegenteil. „Globus belebt den Handelsstandort Trier“, sagt sie. „Erfahrungen mit unserem Warenhaus in Saarbrücken-Güdingen belegen, dass positive Kopplungseffekte mit der Innenstadt existieren.“ Der Markt im Stadtteil Güdingen ist sechs Kilometer von der Saarbrücker Innenstadt entfernt. Der in Trier geplante Markt werde „stark lebensmittellastig“ sein, „zentrenrelevante Sortimente wie Textilien führen wir nur untergeordnet.“

Das sagt die Stadt Professor Johannes Weinand, der Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Statistik, schildert auf Anfrage des TV, welche Ziele die Stadt mit der Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts erreichen will. Der langjährige Amtsleiter spricht von einem „umfassenden Überblick, welche Betriebe je Branche im Oberzentrum Trier bislang noch fehlen und welche Verkaufsflächenspannen verträglich umsetzbar sind.“

Außerdem soll die Untersuchung Aussagen treffen, wie und mit welchen Ansiedlun­gen sich das Oberzentrum Trier zukünftig weiterentwickeln muss, „um adäquate Antworten auf die Entwicklungen in Luxemburg, in der Region und auch in Bezug auf den Onlinehandel geben zu können.“

Kurz gefasst: Was hat Trier schon im Überfluss, was kann Trier noch verkraften oder sogar gebrauchen? Und wie passt ein Globus-Markt in dieses Bild? Beide Gutachten werden sich mit diesen Fragen beschäftigen. Die Ergebnisse werden dem Stadtrat als Diskussions- und Entscheidungsgrundlage dienen – voraussichtlich im Herbst.

Das sagen die Skeptiker Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, Matthias Schmitt, nimmt auf Bitte des TV Stellung. „Die IHK trägt das Trierer Einzelhandelskonzept mit und hält es unverändert für sinnvoll“, sagt Schmitt. „Eine Ansiedlung in der diskutierten Größenordnung am geplanten Standort widerspricht dem Konzept.“

Schmitt plädiert für eine „faire Prüfung des Vorhabens“ und kündigt an: „Anfang Juni werden sich rund ein Dutzend Mitglieder des IHK-Handelsausschusses mit Vertretern von Globus treffen, um das Thema auch noch einmal direkt zu besprechen.“

Alfred Thielen, der Geschäftsführer des Handelsverbands Region Trier, kritisiert den Plan: „Wir können nicht nachvollziehen, dass man sich überhaupt mit einer solchen Ansiedlung beschäftigt. Ich kann ein Nahversorgungskonzept in der beschlossenen Form nicht umsetzen, wenn ich in dieser Lage einen Globus-Markt zulasse.“

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ONLINE_Geplanter_Globus_Euren.jpg FOTO: Jäger, Maike / TV